Hintergrund

Truphone: So funktioniert der Reise-Tarif für 66 Länder

Truphone ist ein virtueller Mobil­funk-Netz­be­treiber im Vodafone-Netz der ein Minuten-, Text- und Datenkontingent in 66 Ländern anbietet. Im Gespräch mit teltarif.de erläutert Truphone-COO Colin Windsor die Strategie und das Produkt.
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Mobiles Telefonieren kann heute quasi weltweit genutzt werden, doch wer außerhalb der Europäischen Union unterwegs ist und mit der Heimat in Kontakt bleiben will oder muss, merkt schnell, wie extrem teuer das werden kann.

Im Zeitalter der Marktkonsolidierung und damit gesunkenen Zahl von Netzbetreibern und Anbietern auf dem deutschen Markt rückt ein Unternehmen wieder ins Interesse, das sich als Anbieter eines "global plan", eines globalen Tarifs für eine "global world" sieht.

Der ursprünglich in England gestartete Anbieter Truphone hat in Deutschland vom Netzbetreiber Vodafone Deutschland die Vorwahl 01529 gemietet (teltarif.de berichtete) und betreibt darüber ein eigenes virtuelles Mobilfunknetz. Für Mobilfunkkunden, die nur mit einer Flatrate ins D2-Netz telefonieren, ist Truphone ein "fremdes Netz". Für Kunden mit einer heute oft üblichen Flatrate in alle Mobilfunknetze gehört Truphone selbstverständlicherweise auch dazu und kostet nichts extra. Ist aktuell vor Ort keine Netzversorgung mit Vodafone vorhanden, kann auch der Truphone-Kunde dort nicht mit seiner Karte mobil telefonieren. Zum Glück sind solche Regionen hierzulande selten, aber es gibt sie.

Truphone-COO Colin Windsor im Gespräch mit teltarif.de

Truphone: So funktioniert der Reise-Tarif für 66 LänderTruphone: So funktioniert der Reise-Tarif für 66 Länder Auch in England oder den Niederlanden arbeitet Truphone mit Vodafone zusammen, in Spanien hingegen sind sie bei der dortigen Orange, einer Tochter der französischen France Telecom "zu Gast". In den USA können Truphone-Kunden alle verfügbaren Mobilfunknetze verwenden, da es auf dem dortigen Markt schon lange ein National Roaming zwischen verschiedenen (konkurrierenden) Mobilfunkanbietern gibt. Bei aller Globalität steht dem Kunden eine weltweit rund um die Uhr erreichbare Hotline in seiner Heimatsprache zur Verfügung.

Wir sprachen mit Colin Windsor, dem COO (Geschäftsführer Betrieb) von Truphone, der übrigens nicht mit dem englischen Königshaus verwandt ist, und lange in San Francisco (USA) lebte. Truphone ist ein weltweites Angebot, aber der Kunde erhält nicht nur eine Rufnummer, sondern auch verschiedene lokale Nummern von oft besuchten oder kontaktierten Ländern. Anwender, die weltweit unterwegs sind oder regelmäßig zwischen bestimmten Ländern pendeln, können beispielsweise in Deutschland, den Niederlanden, Australien oder Hong Kong jeweils eine lokale Rufnummer haben. Sie sind als aus diesen Ländern zu nationalen Preisen erreichbar, auch wenn sie in einem anderen Land unterwegs sein sollten. Und sie signalisieren bei Anrufen in diese Länder die dortige lokale Rufnummer, womit ein Rückruf für den angerufenen Teilnehmer erschwinglich wird.

Hauptzielgruppe Business-Kunden

Nach wie vor sieht Truphone den Geschäftskunden-Markt (B2B) als Kernzielgruppe, wie beispielsweise multinationale Konzerne, Banken, Versicherungen. In verschiedenen Ländern hat man auch den "Prosumer" Markt im Blick, darunter versteht man professionell arbeitende viel reisende Einzelkunden oder Leute, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen und die Vorteile nutzen möchten. Windsor könnte sich das Prosumer Angebot irgendwann auch für Deutschland vorstellen, einen konkreten Termin kann er aber nicht nennen.

Prepaid für Privatkunden - nur mit englischer Rufnummer

Schon heute kann ein interessierter Kunde über das Internet auf der englischsprachigen Seite von Truphone eine Prepaid-SIM-Karte für 20 Euro mit 10 Euro Startguthaben erwerben, die ab Werk eine englische Mobilfunkrufnummer besitzt und sich unter anderem an fernreisende Urlauber richtet. Weitere Rufnummern (z.B. aus den USA) sind optional gegen Aufpreis zubuchbar, eine deutsche Rufnummer gibt es jedoch dafür noch nicht. Die Tarife der Prepaid-SIM-Karte sind für innereuropäische Verbindungen weniger attraktiv (z.B. ein Anruf von der Schweiz nach Deutschland für 45 Cent pro Minute) aber ein Anruf von den USA nach Deutschland ist mit 7 Cent pro Minute und incoming free (also ankommende Telefonate ohne Aufpreis) schon eher interessant.

Großen Erfolg, so Windsor gegenüber teltarif.de, habe sein Unternehmen mit "shared bundles" erzielt, das können Minuten- oder Datenpakete sein, die für eine ganze Firma gebucht werden und dann gemeinsam verbraucht werden. Beispielsweise könnte eine Firma für weltweit nutzbare 1 Terabyte (1 024 GB) an Daten für rund 500 Nutzer einkaufen und dann verbrauchen, wobei es egal ist, ob Herr Müller alleine 200 GB und Herr Mayer vielleicht nur 1 GB, Frau Schulze vielleicht gar nichts nutzt. Am Ende ist entscheidend, dass die gebuchte Summe nicht überschritten wird, andernfalls fallen Mehrkosten an.

In den meisten Fällen wirkt so ein Bundle wie eine Flatrate, ist aber für den Anbieter viel besser zu kalkulieren, der Kunde hat seine Kosten dennoch im Blick, wenn das Bundle ausreichend zugeschnitten ist. Windsor hat festgestellt, dass viele potenzielle Anwender das Produkt noch nicht kennen, vermutlich weil es erklärungsbedürftig ist. Für die weltweit reisende Zielgruppe hingegen sei ein einziger nationaler Anbieter viel zu eng, es gebe nur eine Rufnummer unter der man erreichbar sei und spätestens außerhalb der EU werde diese mobile Nutzbarkeit fast unbezahlbar.

Die deutsche Truphone hat ihren Sitz in Oberursel und kürzlich eine sehr informative deutschsprachige Webseite zum Thema Roamingkosten ins Netz gestellt, die unter noborders.info [Link entfernt] zu erreichen ist. Wie man die Truphone-SIM-Karte nutzen kann, haben wir bereits ausführlich getestet, eine Liste der "Truphone 66 Countries" haben wir in diesem Artikel vorgestellt

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