Auslandsnummern

Truphone: Die SIM-Karte mit mehreren Auslandsnummern im Test

Der britische Anbieter Truphone ist nun auch in Deutschland gestartet. teltarif.de konnte mit einer Truphone-SIM mit fünf verschiedenen Rufnummern erste Erfahrungen sammeln.

Die Truphone-Mailbox kann unter der Kurzwahl 505 ("Langwahl" +49 1529 0000505) vom Kunden konfiguriert und abgefragt werden.

Bei erstmaliger Einwahl von der eigenen Truphone-Karte können Ansagen eingerichtet und die Mailbox mit einer PIN geschützt werden. Danach kann die Mailbox auch "von außen" über die Rufnummer +49 1529 0000505 erreicht und abgefragt werden, beispielweise, wenn das Truphone-Handy kein Netz hat oder der Akku leer ist. Nach Wahl der Zugangsrufnummer, wird der Kunde auf englisch aufgefordert, seine Mobilfunkrufnummer im internationalen Format einzugeben, ein deutscher Kunde kann wahlweise seine deutsche Nummer 49 1529 ... oder eine andere auf seiner Karte aufgeschaltete Rufnummer verwenden, das Mailboxsystem kennt sie alle. Sobald die Mailbox-Geheimzahl korrekt eingegeben und mit # abgeschlossen wurde, meldet sich die Mailbox in deutscher Sprache.

Anrufe auf der Mailbox werden per SMS nach der Rückkehr ins Netz signalisiert. In der SMS steht nicht nur die Rufnummer des Anrufers drin, sondern auch die angewählte Rufnummer. Man weiß also ggfs. bereits, wer und auf welcher Nummer dieser angerufen hat und kann somit abschätzen, wie "wichtig" das sein könnte.

Für Kenner hält die Mailbox weitere Funktionen bereit, unter anderem die Ansage der Rufnummer des Anrufers und Datum und Uhrzeit. Im deutschen Menü klingt das derzeit dann so: "Drücken Sie 8 für Absenderinformationen - 8 - Nachricht von Nachricht erhalten am März 24. 12, 40, 7 vormittags GMT". Will heißen, der Absender hatte keine Rufnummer übermittelt und am 24. März 2014 um 12:40:07 Uhr (GMT) angerufen. Die Ansage "Nachricht von 49 179 69 ... Nachricht erhalten am März 24. 12 40 1 vormittags (GMT)" ist dann schon klarer.

Persönlicher Service

Aufgrund der Ausrichtung auf Geschäftskunden werden Truphone-Startpakete derzeit persönlich zum Kunden vorbeigebracht, eine individuelle Einweisung gehört dazu. Für alle Fälle existiert ein gedrucktes Info-Heft, mit der Bedienung wird man schnell warm.

Ein SIM-Toolkit-Menü gibt Informationen zu den gebuchten weiteren Rufnummern, man könnte aber auch den USSD-Code *125# "anrufen". Für die Zukunft sind im SIM-Toolkit-System bereits die Abfrage des Prepaid-Guthabens definiert, eine Prepaid-Variante gibt es aber im Moment noch nicht.

Am Anfang noch Routingprobleme

Zu Beginn trat ein spezielles Routingproblem auf, das manchen Anrufer verwirrte. War das Handy nicht im Netz erreichbar oder ausgeschaltet, erhielten die Anrufer die Ansage, dass die gewählte Nummer nicht vergeben sei. Das Problem konnte vom Technischen Betriebszentrum (TOC) in Portugal behoben werden. Beim "Beladen" (Provisioning) der SIM-Karte mit den Rufnummern war ein kleines Missgeschick passiert. Nachdem die Ursache beseitigt war, behoben Ein- und Aus- und wieder Einschalten des Handys das Problem endgültig.

Im praktischen Betrieb telefoniert man mit seiner Truphone-SIM-Karte genauso, wie z.B. mit einer Original Vodafone-SIM-Karte. Rufnummern können als 030-12345 oder +49 30 12345 gewählt werden. Sollte eine Rufnummer nicht bestehen ("Kein Anschluss"), können statt der gewohnten deutschen Ansagen auch englische Hinweisansagen eingespielt werden.

Sonderrufnummern wie 0900 sind bei Truphone bewusst gesperrt, um unnötige Diskussionen über ungewollte Kosten zu vermeiden, im Übrigen "werden im B2B-Bereich solche Nummern nicht benötigt"

Persönliche deutsche Rufnummern (0700), nicht ortsbezogene Rufnummern (NTR, Vorwahl 032) und kostenlose Rufnummern (0800) waren im Test problemlos erreichbar. Internationale kostenlose Rufnummern (00800) funktionierten während des Tests noch nicht, da hier komplizierte Interconnect-Verträge notwendig sind. Auskunftsdienste (118xx) sollen in Kürze freigeschaltet werden. Truphone Die Netzanzeige beim BlackBerry meldet "Truphone", das darunterliegende Vodafone Funknetz, sieht man hier nicht.
Henning Gajek Teltarif.de
Wir haben mit einem BlackBerry Q10 und einem Nokia 6310i getestet. Beim Q10 war die Sprachqualität in der Regel gut, einige Gesprächspartner empfanden sie ein wenig dumpf. Der BlackBerry Q10 bietet hier ein ziemlich einmaliges Feature, der Kunde kann eine Art Frequenzanpassung (Equalizer) seiner Sprache einstellen, um die Höhen oder Tiefen zu betonen. Je nach angerufenem Ziel waren Verbindungen mehr oder weniger klar, mitunter musste man sein Gegenüber ausreden lassen, bevor man eine Antwort los werden konnte. Beim Nokia 6310i klang die Sprache gefühlt etwas heller. Truphone Auch im antiken Nokia 6310i funktioniert die Truphone SIM-Karte im deutschen Vodafone D2-Netz.
Henning Gajek Teltarif.de

Ein Fazit:

Die Idee mit einer einzigen SIM-Karte, die unter verschiedenen lokalen Rufnummern der besuchten Länder erreichbar ist, wird für international tätige Geschäftskunden, die großen Wert auf eine gute Erreichbarkeit für ihre Kunden legen, weil sie am Telefon Geschäfte (z.B. Bestellungen oder Kundenservice) abwickeln, sehr gefallen. Eine Karte, die auch abgehend immer die "passende" Rufnummer signalisiert und nicht nur bei Anrufen, sondern auch bei SMS-Kurzmitteilungen, ist bislang einmalig.

Die bisherige Lösung mittels andauerndem Umstecken von Karten oder Jonglieren mit mehreren Handys entfällt und spart Zeit und auch Geld.

Gerade wenn es darum geht, den Rückruf für die Gesprächspartner grenzüberschreitend möglichst einfach zu machen, ist Truphone interessant, wenn man mit Ländern zu tun hat, wo Truphone bereits vor Ort aktiv ist. Die Zahl der möglichen Länder mag im Moment noch reduziert sein, das Unternehmen plant aber, weitere Länder hinzuzunehmen.

Regelmäßige Pendler zwischen bestimmten Ländern (z.B. England-Deutschland oder Deutschland-Holland) sparen sich eine zweite SIM-Karte, brauchen ihren Kontakten nicht mehrere Rufnummern mitzuteilen oder teure Rufumleitungen zu legen (sofern sie überhaupt möglich sind). Die deutschen Gesprächspartner rufen die deutsche Nummer an, die englischen Gesprächspartner nehmen die gewohnte englische Nummer, der Holländer bleibt "telefontechnisch" in Holland. Wo sich der Truphone-Kunde wirklich im Moment befindet, weiß zwar das Netz, aber zumeist nicht der Anrufer. Es ist auch nicht mehr wichtig. Stark verschobene Zeitzonen (z.B. USA, Hongkong, Australien) können mit Hilfe der Mailbox überbrückt werden.

Die Tatsache, dass die Karte in einigen Ländern nur an ein lokales Netz des jeweiligen Kooperationspartners gebunden ist, spielt nur dann eine Rolle, wenn ausgerechnet viel in Regionen telefoniert werden soll, wo das Partnernetz nicht ausreichend verfügbar ist.

Und Privatkunden?

Prinzipiell ist es auch für Privatkunden möglich, einen Truphone-Vertrag abzuschließen, die Preise und Tarifmodelle dürften aber in vielen Fällen zu Privatkunden weniger passen.

Für vielreisende Privatkunden gibt es aber bald Hoffnung: Die Truphone-Prepaid-Karte, derzeit nur mit einer UK, AUS oder US-Rufnummer erhältlich, soll ab etwa Jahreswechsel 2014/2015 auch eine deutsche Rufnummer erhalten und wird damit Truphone für eine weitere Zielgruppe erschließen.

Tariflich sind die Angebote von Truphone kein Schnäppchen. in der Kürze der Zeit war es natürlich nicht möglich, alle in Frage kommenden Truphone-Länder und -Netze zu besuchen und zu testen.

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