Themenspezial: Verbraucher & Service Trading

Daran erkennen Sie unseriöse Trading-Plattformen

Mit miesen Tricks versu­chen Betrüger, arglosen Inter­net­nut­zern das Geld aus der Tasche zu ziehen - etwa über unse­riöse Trading-Platt­formen. Wie Verbrau­cher sich wappnen können.

Und ewig lockt das Geld. Satte Gewinne mit dem Handel von Aktien, Devisen, Bitcoins und Co. stellen Betrüger im Internet in Aussicht und werben damit für Cyber­tra­ding. "Nicht zuletzt die Corona-Krise und damit die Finanznot vieler Verbrau­cher nutzen die Betrüger schamlos aus", sagt Hans-Joachim Henschel vom Landes­kri­minalamt (LKA) Nieder­sachsen in Hannover. Viele sind in Kurz­arbeit, haben ihren Job verloren oder bangen um ihren Arbeits­platz. Daheim sitzen sie vor dem PC und surfen durchs Netz.

Dort stoßen sie auf "Geheim­tipps", wie man schnell und bequem zu Geld kommen kann. Jetzt braucht es nur noch einen Klick - nämlich auf den Link der jewei­ligen Werbe­anzeige - und schon landen ahnungs­lose Inter­net­nutzer auf einer "oft recht profes­sio­nell und seriös ausse­hende Webseite", wie Henschel sagt.

Auch mit Promis wird geworben

Satte Gewinne mit dem Handel von Aktien, Devisen, Bitcoins und Co. stellen Betrüger im Internet in Aussicht Satte Gewinne mit dem Handel von Aktien, Devisen, Bitcoins und Co. stellen Betrüger im Internet in Aussicht
Bild: picture alliance/dpa | Fabian Strauch
Auf solchen Webseiten werben Betrüger weiter um die Gunst von poten­ziellen Opfern. Teil­weise sind dort Bilder oder Videos einge­bunden von Menschen, die gerade angeb­lich Gewinn gemacht haben und sich nun etwa auf einer Yacht vergnügen. "Das Perfide ist, dass die Krimi­nellen teils auch mit Promis werben, die vermeint­licher Weise durch das Cyber­tra­ding reich geworden sind", so Henschel.

Auch wenn das nicht der Wahr­heit entspricht: Der miese Trick zieht bei vielen. Arglos geben Inter­essierte auf der Webseite ihre Kontakt­daten ein, um nähere Infos zu lukra­tiven Anla­gemög­lich­keiten zu bekommen.

Kurze Zeit später klin­gelt bei den Inter­essierten das Telefon oder Handy, schil­dert Henschel Fälle von Betrof­fenen. Es meldet sich ein angeb­licher Online-Broker. Rheto­risch bestens geschult will er den oder die Ange­rufene dazu bringen, Geld zu inves­tieren. Ein kleiner Betrag im Schnitt von etwa 250 Euro soll reichen. Fürs erste.

Das Geld wird angeb­lich auf einem Trading-Konto einge­zahlt, das auf den Namen des Anle­gers läuft. Der Anleger kann es jeder­zeit auf der Trading-Platt­form einsehen. Auf diesem Konto simu­lieren die Täter ständig Gewinne. Das soll die Anleger dazu animieren, neue und vor allem höhere Beträge zu inves­tieren.

Trading-Konto kann Fake sein

Doch das Trading-Konto, das der Anleger haben soll, ist nicht selten einfach nur Fake. Das einge­zahlte Geld fließt in Wirk­lich­keit auf die Konten der Betrüger - und ist zumeist für den Anleger verloren. "Teils baut der Online-Broker, der sich um den Anleger kümmert, immensen Druck auf", sagt Heidi Pätzold von der Verbrau­cher­zen­trale Hamburg. So heiße es etwa, der Anleger müsse mehr inves­tieren, sonst wäre alles Geld weg.

Eine andere Masche: "Es wird Vertrauen aufge­baut, indem zwischen­durch klei­nere Summen ausge­zahlt werden", so Henschel. Der Trick der Betrüger: "Wenn der Anleger merkt, dass wir auszahlen, ist er bereit, später höhere Summen zu inves­tieren." Geld, das dann weg ist.

Sparsam mit sensi­blen Daten sein

Denn es kann passieren, dass eines Tages der Online-Broker, der sich am Telefon immer so nett und kennt­nis­reich gab, nicht mehr zu errei­chen ist. Wer zuvor auch noch sensible Daten, etwa fürs Online-Banking, preis­gegeben hat, muss damit rechnen, dass die Betrüger sein Konto abräumen. Womög­lich ist auch die Trading-Platt­form nicht mehr aufrufbar, weil die Betrüger sich auf anderem Wege neue Opfer suchen.

Wie also sich wappnen? "Bloß nicht kopflos werden, wenn einem das vermeint­lich große Geld in kurzer Zeit bei wenig Aufwand in Aussicht gestellt wird", sagt Henschel. Und keines­falls gutgläubig Fremden, die man vom Telefon her "kennt", sensible Daten wie Kopien von Kredit­karte und/oder Perso­nal­aus­weis zukommen lassen.

Bevor Anleger Geld inves­tieren, sollten sie sich immer fragen, ob sie über­haupt nach­voll­ziehen können, wie der vermeint­lich satte Gewinn zustande kommt. "Vorsicht ist auch ange­sagt, wenn ein Online-Broker sinn­gemäß sagt 'Ach, macht nichts, wenn Sie es nicht verstehen, wir helfen Ihnen schon'", sagt Pätzold.

Platt­form genau anschauen

Schauen Sie sich die Trading-Platt­form an, um die es jeweils geht, und infor­mieren Sie sich genau, bevor Sie sich mit Ihren Kontakt­daten anmelden oder Geld einzahlen. Hat beispiels­weise die Platt­form kein Impressum mit voll­stän­diger Adresse und Rufnummer, sollte Sie sie igno­rieren und wegkli­cken.

Wer auf einer Trading-Platt­form Beträge einge­zahlt hat, die er trotz mehr­facher Auffor­derung nicht zurück­über­wiesen bekommt, sollte Anzeige erstatten. Zwar sind die Aussichten, dass Opfer ihr Geld zurück­bekommen, eher gering. Aber: "Je detail­lierter Geschä­digte das Vorgehen der Täter beschreiben können, desto hilf­rei­cher kann es für die Polizei sein, die Täter eines Tages aufzu­spüren", sagt Henschel.

Weitere Tipps finden Sie auf der Seite der poli­zei­lichen Krimi­nal­prä­ven­tion und der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht.

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