Bokeh-Experte

TP-Link Neffos N1 im Kurztest: Klasse Fotos bei gutem Licht

Das TP-Link Neffos N1 soll mit seinen zwei 12-Megapixel-Kameras Hobby-Fotografen locken. Ob die Aufnahmen halten, was der Hersteller verspricht, erfahren Sie in unserem Kurztest.
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Die aufladbare Batterie des TP-Link-Smartphones hat eine Kapazität von 3260 mAh, was für ein Mittelklassemodell durchaus vorzeigbar ist. Netterweise verbaute der Konzern als Stromanschluss und zur Datenübertragung einen USB-Typ-C-Port. So kann das Ladegerät auch im Halbschlaf angeschlossen werden, da der Stecker dieses Standards bekanntermaßen reversibel nutzbar ist. Ein Netzteil mit zwei Ampere liegt bei, ist der Akku komplett entleert, vergehen etwa 90 Minuten, bis er wieder zu 100 Prozent gefüllt ist.

Von der Laufzeit des Neffos N1 waren wir im Alltagstest positiv überrascht. Wir erreichten einen Wert von etwa 35 Stunden Standby. Die Bildschirmhelligkeit bei der Nutzung betrug 85 Prozent (manuell) und alle Funkverbindungen nebst GPS waren aktiv. Wir schossen circa 60 Fotos, streamten 42 Minuten Videos über YouTube, surften 38 Minuten im Internet, nutzten 15 Minuten die Navigation und spielten insgesamt 25 Minuten Mobile-Games. Diverse Benchmarks trugen dann ihr übriges bei, um 4 Stunden und 45 Minuten aktive Display-Nutzung zu erreichen. Wer das Smartphone im täglichen Einsatz etwas mehr schont, kommt also locker mit einer Akkuladung über das Wochenende.

Unten befindet sich der USB-Typ-C-Port
Unten befindet sich der USB-Typ-C-Port

Verarbeitung, Telefonie und Leistung

TP-Link liefert dem Anwender ein gut verarbeitetes Telefon. Das Gehäuse besteht komplett aus Metall und fühlt sich hochwertig an. Ein Knarzen oder ungleiche Spaltmaße konnten wir nicht entdecken. Das Display macht ebenfalls einen robusten Eindruck, außerdem spiegelt es erfreulich wenig bei direkter Sonneneinstrahlung. Abseits des Ein-/Ausschalters an der rechten Seite gibt es links oberhalb der Lautstärkewippe eine weitere Taste. Über diese lässt sich das Mobilgerät schnell lautlos schalten. Ein nützliches Feature, wenn man eine Zeit lang nicht gestört werden möchte.

Das Neffos N1 liegt rutschfest und angenehm in der Hand. Kleine Kritikpunkte haben wir allerdings. So sind die Android-Bedienelemente unterhalb des Displays äußerst schwach beleuchtet und das Licht erlischt schon nach zwei Sekunden. An diesen Einstellungen lässt sich auch leider nichts ändern. Nachts fällt es dann etwas schwer, den richtigen Button zu erwischen. Ausgeschaltet sind die Sensor-Tasten so gut wie unsichtbar. Der Fingerabdrucksensor an sich funktioniert zwar tadellos, er zieht aber Fettbeläge magisch an. An dieser Stelle muss man also öfters reinigen.

Als Telefon an sich macht das Neffos N1 einen sehr guten Job. Der Empfang im Vodafone-Netz ist auf einem hohen Niveau, Verbindungsanbrüche bei Gesprächen gab es nicht. Unsere Gesprächspartner verstanden uns während des Tests gut und wir empfanden die Sprachqualität ebenfalls als gelungen. Auch die Performance des Handys gibt keinen Grund zum Tadel. Die Benutzeroberfläche ist frei von Ruckeln, zwischen Apps kann schnell gewechselt werden. AnTuTu 7.0.7 bescheinigt dem Neffos N1 eine ordentliche Wertung von 79071 Punkten. Der 3DMark (Sling Shot Extreme) spuckte seinerseits 692 Zähler aus. Für Highend-Games ist das Telefon also nicht ausgelegt, aber Spiele wie War Robots und Angry Birds 2 laufen problemlos.

Kamera-Beispielfoto mit Bokeh-Stufe 15
Kamera-Beispielfoto mit Bokeh-Stufe 15

Die Kameras des Neffos N1

Wenn ein Hersteller schon derart mit seiner Smartphone-Kamera wirbt, müssen wir diesem Feature natürlich besonders auf den Zahn fühlen. Im Alltag zeigt sich das Neffos N1, zumindest bei gutem Licht, als würdige Kompaktkamera-Alternative. Die Bilder werden bis zu den Rändern hin scharf, der automatische Weißabgleich fängt die Farben realitätsnah ein. Die erfreulich kurze Auslöseverzögerung und die intelligente Wahl von ISO und Belichtungszeit sprechen ebenfalls für die TP-Link-Knipse.

Hingegen überzeugt die Performance bei schlechtem Licht nicht. Wir haben Aufnahmen in abgedunkelten Zimmern angefertigt, die ohne Blitz-Einsatz viel Bildrauschen und mangelnde Schärfe zutage brachten. Trotz zweitem monochromen Sensor belichtet die Hauptkamera sehr lange und erhöht die ISO auf bis zu 6400. Die versprochenen Vorteile der geringen Schärfentiefe können wir allerdings bestätigen. In der Tat lassen sich mit dem Neffos N1 schöne Bokeh-Effekte (unscharfer Hintergrund) erzeugen. Ob Nahaufnahmen von Blumen oder Porträts, in diesem Punkt gibt es tatsächlich einen Mehrwert. Der Nutzer kann die Bokeh-Einstellung übrigens in 15 Stufen gezielt wählen.

Selfies gelingen hingegen nur bei gutem Licht. Da die Blende von f/2.2 der 8-Megapixel-Einheit noch kleiner als bei der Hauptkamera (f/2.0) ausfällt, muss das Handy länger belichten und die ISO schneller erhöhen.

Der Bildschirm des TP-Link Neffos N1 ist hell und spiegelt wenig
Der Bildschirm des TP-Link Neffos N1 ist hell und spiegelt wenig

Fazit zum Neffos N1

Dass TP-Link erst seit zwei Jahren im Smartphone-Geschäft tätig ist, merkt man kaum. Das Neffos N1 wirkt durchdacht und überzeugt in vielen Disziplinen. Ein helles Display, eine gute Performance, eine größtenteils gelungene Hauptkamera, die tolle Ausdauer und die hochwertige Verarbeitung überzeugen. Die schwach beleuchteten Menü-Tasten, die mittelmäßigen Selfie-Fähigkeiten und die eher enttäuschende Low-Light-Performance der Hauptkamera sind hingegen schade. In puncto Update muss TP-Link ebenfalls einen Zahn zulegen. Android Nougat ist an sich schon etwas veraltet, aber ein Januar-Sicherheitspatch im April darf nicht sein. Von diesen Kritikpunkten abgesehen hat TP-Link mit dem Neffos N1 ein gelungenes Mittelklasse-Smartphone auf den Markt gebracht.

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