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Bahn-Ticket per Handy: Touch & Travel per iPhone im Test

Spontanes Bahnfahren nach kurzer Anmeldung möglich
Von Thorsten Neuhetzki

Während des Login kann der Nutzer auch noch auswählen, ob er 1. oder 2. Klasse reisen möchte. Ist das geschehen, bucht sich die App über eine Datenverbindung in das System der Bahn ein. Der Handynutzer sollte also einen Datentarif gebucht haben. Davon kann bei iPhone oder Android-Nutzern jedoch ohnehin ausgegangen werden. Der Kunde sieht auf dem Display eine Bestätigung, dass der Login geklappt hat. Danach kann er den Zug betreten und die App in den Hintergrund schieben. Erst wenn der Zugbegleiter zur Ticketkontrolle kommt, muss die App wieder gestartet werden und der Menüpunkt "Kontrolle" aufgerufen werden. Hier erscheint dann ein Barcode, wie er auch auf Online-Tickets der Bahn zu sehen ist. Außerdem laufen die relevanten Daten im Klartext durch, so dass auch ohne ein Zugbegleiter-Terminal nachvollzogen werden kann, wer der Reisende ist, welche Bahncard er hat und wo er eingestiegen ist. Zudem wird der Stand der Informationen ausgegeben, so dass eine Manipulation durch veraltete Daten ausgeschlossen werden kann. Die Kontrolle erfolgte, im Gegensatz nur NFC-Methode, problemlos. Bei NFC-Handys haben die Zugbegleiter oftmals Probleme, das NFC-Signal zu empfangen.

Steigt der Kunde am Zielort aus, so kann er sich wie beschrieben auch wieder abmelden. Dabei muss die Abmeldung nicht über den gleichen Weg erfolgen wie die Anmeldung. Wichtig ist nur, dass die Abmeldung erfolgt - und zwar zeitnah nach der Ankunft am Zielort. Direkt nach der Abmeldung, die ebenfalls eine Datenverbindung erfordert, wird in der App der Preis der Fahrt angezeigt. Er ist genau so hoch, als hätte der Bahnkunde die Fahrt direkt vor der Fahrt am Automaten gekauft. Sparpreise und andere Vergünstigungen wie Gutscheine sind also nicht möglich, wohl aber die Berücksichtigung der Bahncard.

Nicht im Regionalverkehr und bei Privatbahnen nutzbar

Die Kontrolle erfolgt per Barcode Die Kontrolle erfolgt per Barcode
Quelle: Deutsche Bahn
Einmal im Monat bekommt der Kunde dann wahlweise per E-Mail oder gegen Aufpreis per Post eine Rechnung mit der Auflistung aller Fahrten. Die Auflistung der Fahrten kann auch jederzeit über das Touch-&-Travel-Portal eingesehen werden.

Nutzbar ist Touch&Travel derzeit nur im Fernverkehr. Auch ein Umstieg auf den Regionalverkehr ist nicht vorgesehen, so dass - abseits von Berlin - nur in IC- und ICE-Zügen gefahren werden darf. Unklar ist, ob mit dem Ende der Pilotphase Ende des Jahres diese Einschränkung aufgehoben wird. Denn oftmals wird im Vor- oder Nachlauf einer Zugverbindung schließlich der Regioalverkehr gebraucht, für den sich der Zugfahrer dann ein (teures) Verkehrsverbundticket kaufen müsste. Auch Privatbahnen, die vereinzelt auch den Fernverkehrt bedienen, sind außenvor. Auch wie es um eine weitere Einschränkung, die Nicht-Unterstützung von E-Plus und o2 steht, ist unklar. Bei o2 besteht immerhin Hoffnung auf eine künftige Teilnahme am Projekt, da sich das Unternehmen schon vor langem zu Touch & Travel bekannt hat.

Fazit: Einfach zu nutzendes System mit Tücken

Touch & Travel über iPhone und Android ist deutlich einfacher zu nutzen als vorhergehende Versionen, die bestimmte Handys mit NFC-Chip benötigten. Nun muss das System wachsen und möglichst viele Verkehrsunternehmen müssen sich an dem System beteiligen, so dass die Fahrgäste eines Tages nur noch ihr Handy als Fahrkarte brauchen und stets der günstigste Preis abgerechnet wird. Dazu müssen die Verkehrsunternehmen aber auch neben Tageskarten auch Monats- oder Jahreskarten in Rechnung stellen, wenn die Kunden einen gewissen Umsatz erreicht haben. Das zumindest ist aktuell noch nicht der Fall, wäre aber ein enormer Vorteil des Systems. So könnten dann auch Kunden von einer Bahncard 100, also der Bahn-Flatrate, profitieren, auch wenn sie das vor einem möglichen Kauf nicht erwartet hätten.

Touch & Travel ist nur für spontane Fahrten gedacht. Reservierungen gibt es nicht. Das schmälert die Anwendungsgebiete gerade für Wochenend-Pendler, die auf Reservierungen in den chronisch überfüllten Zügen am Freitag und Sonntag Abend angewiesen sind.

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