Ausprobiert

Thuraya Talk: Weltweite mobile Satelliten-Nummer im Kurztest

Satelliten-Telefone anzurufen war bislang teuer - nun bietet Thuraya eine VoIP-App, mit dem das günstiger wird. Die App beinhaltet selbst eine kostenlose Satelliten-Nummer, mit der weltweit mobil telefoniert werden kann.
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Netze für Satelliten-Telefonie haben einen eigenen Vorwahlbereich. Und nicht nur die abgehende Telefonie mit einem Satelliten-Telefonie kostet einiges, es ist auch sehr teuer, ein Satelliten-Telefon anzurufen. In Flatrates ist dies nämlich nicht enthalten. Von einem MagentaZuhause-Anschluss der Telekom werden beispielsweise 4,71 Euro pro Einheit für ein Telefonat zu Thuraya berechnet, per Call by Call kostet ein Anruf ab etwa 74 Cent pro Minute (CbC-Tarifvergleich Thuraya).

Dies hat natürlich zur Folge, dass außer Geschäftskunden, Forschungsmitarbeitern, Militärs, Politikern, Hilfsorganisationen und Abenteurern kaum jemand freiwillig ein Thuraya-Satelliten-Telefon anruft. Außerdem: Hat jemand Internet (auch über Satellit), kann er über Messengerdienste wie Skype, WhatsApp Call oder andere angerufen werden. Nun steigt der Satelliten-Betreiber Thuraya selbst ins Geschäft mit VoIP-Apps ein - wir haben die neue App Thuraya Talk kurz ausprobiert.

Thuraya Talk im Kurztest
Thuraya Talk im Kurztest

Kostenlose persönliche Rufnummer mit Vorwahl +88-216

Thuraya Talk wird direkt vom Satelliten-Betreiber Thuraya mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten betrieben. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

Der Download ist kostenlos, bei der Installation benötigt die App Zugriff auf Mikrofon, Lautsprecher, Kontakte, Fotos und die Kamera. In unserem Test mussten wir uns mit unserer deutschen Handynummer registrieren, die Eingabe weiterer Nutzerdaten ist nicht erforderlich. Nach wenigen Sekunden erhielten wir eine SMS mit dem Verifikationscode, damit war die Registrierung abgeschlossen. Thuraya weist darauf hin, dass der Code innerhalb von 10 Minuten eingegeben werden muss.

Bis jetzt mussten wir noch nichts bezahlen, auch die Zuteilung einer eigenen Rufnummer kostet nichts. Thuraya weist den VoIP-Nutzern Rufnummern mit seiner eigenen Netzvorwahl +88-216 zu. Danach folgt die Rufnummer, die mit 902 beginnt, daran schließt sich die fünfstellige persönliche Rufnummer an.

Das kostet Telefonieren per Thuraya Talk

So sieht die VoIP-App von Thuraya ausSo sieht die VoIP-App von Thuraya aus Abgehend kostenlos angerufen werden kann lediglich der Thuraya-Kundenservice über die Kurzwahl 100, alle anderen Telefonate sind kostenpflichtig. Laut der Preisliste unterscheidet Thuraya dabei, ob es sich um eine terrestrische Internetverbindung (Festnetz oder klassisches Mobilfunk-Datennetz) oder eine Satelliten-Internetverbindung handelt. Die Preise für Verbindungen per Satelliten-Internet sind höher.

Alle im Folgenden genannten Preise sind in US-Dollar und Dollar-Cent gehalten. Aufgeladen werden kann das Guthaben in Schritten zu 5, 10, 25 und 50 Dollar, über den Menüpunkt "Kredit" lässt sich das aktuelle Guthaben abrufen. Die einzige Bezahlmöglichkeit ist momentan per iTunes- und Play-Store-Guthaben. Im Test luden wir 5 Dollar auf, wofür uns per Google Play 5,49 Euro berechnet wurden.

Ist man mit dem Smartphone über ein WLAN oder das mobile Internet verbunden, kostet ein Anruf zu einem anderen Thuraya-Talk-Nutzer 3 Cent pro Minute, zu einem Thuraya-Satellitentelefon 1,25 Dollar. SMS können zu anderen App-Nutzern kostenfrei versendet werden, zu allen anderen Zielen kosten SMS 5 Cent. Weltweit telefoniert werden kann laut der Länderliste ab 5 Cent pro Minute, beispielsweise in einige kanadische und US-amerikanische Regionen oder nach China, Indien oder Singapur. Mit 10 Cent Minutenpreis werden beispielsweise Telefonate nach Südkorea, Mexiko, Rumänien oder ganz USA abgerechnet.

Anrufe in die deutschen Netze kosten 15 Cent pro Minute, dieser Preis gilt beispielsweise auch nach Frankreich, Japan, Neuseeland, Südafrika, Spanien oder Vietnam. Je nach Land werden die Preise nun schrittweise teurer, zu seltenen Zielen berechnet Thuraya bis zu 8 Dollar pro Minute.

SMS und Telefonie im Kurztest

Unser erstes Testtelefonat führten wir zu einem deutschen Festnetzanschluss. Zunächst klang die Qualität wie bei einem regulären Handy-Telefonat, später gab es aber VoIP-typische Verzerrungen und Aussetzer. Unser zweiter Testanruf zu einem deutschen o2-Handy klang deutlich besser, hier war die Qualität wie bei einem GSM-Telefonat ohne Sprachverbesserungs-Techniken, zum Teil traten kurze Halleffekte auf, was die Verständlichkeit aber nicht störte.

Unsere an ein deutsches Vodafone-Handy versandte Test-SMS kam nach wenigen Minuten an. Sofort nach Ende der Telefonate bzw. Versand der SMS wurde das Guthaben auf den neuen Wert gesetzt.

In der zweiten Phase des Diensts, dessen Einführung Anfang des kommenden Jahres vorgesehen ist, soll zum ersten Mal die simultane Sprach- und Datennutzung über das Thuraya-Satellitennetzwerk funktionieren. Die Thuraya-Talk-App fungiert dann als Add-on-Lösung für jedes Thuraya-Breitbandterminal, beispielsweise auf Schiffen. Mit Hilfe eines VoIP-Gate-Adapters, der mit dem bisherigen Thuraya-Terminal verbunden wird, kann der Kunde dann jedes Analogtelefon nutzen, um VoIP-Anrufe zu tätigen und zu empfangen.

Das Satelliten-Netz von Thuraya soll übrigens ab 2020 mehr Bandbreite bekommen.

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