Satelliten-Internet

Mobiles Internet über Thuraya-Satelliten im Test

Internet-Anbindung über GmPRS-Standard mit 60 kBit/s im Downstream

In unserem Test bestand die erste Herausforderung darin, in der Großstadt einen Ort zu finden, wo unsere Hardware eine ungestörte Verbindung zum Datennetz von Thuraya aufbauen konnte. Denn - wie bereits in unserem Telefonie-Test erläutert - ist es bei einem geosynchronen Satelliten-System notwendig, dass eine direkte Sichtverbindung zwischen Satellit und Empfänger besteht. Im Falle des Thuraya-Netzes ist das Telefon von Deutschland aus Richtung Südosten auszurichten. Innerhalb der Stadt war es schwierig, einen Punkt zu finden, an dem keine engen Häuserschluchten die Verbindung zum Satelliten beeinträchtigen. Ideale Voraussetzungen für unseren Test bot schließlich das über 300 Hektar großer Tempelhofer Feld des ehemaligen Flughafens in Berlin.

Der Hotspot stellt die Verbindung über das Thuraya-Handy her. Der Hotspot stellt die Verbindung über das Thuraya-Handy her.
Foto: teltarif.de / Marleen Frontzeck
Nach dem Anschließen des Datenkabels am Thuraya-Handy verbanden wir dieses mit dem USB-Port des Hotspots und schalteten diesen ein. Nach ungefähr einer Minute konnten wir auf dem Notebook und dem Smartphone das neue WLAN-Netz namens "Thuraya" sehen. Im Gegensatz zu unseren ersten Versuchen innerhalb der Stadt leuchtete nun auch erstmals die "Internet"-LED auf dem Hotspot. Nach der Eingabe des WLAN-Passworts stand die Verbindung - eine weitere Konfiguration war bei unserem Leih-Router nicht notwendig. Diese ist aber jederzeit über das Routermenü möglich, das über die IP-Adresse 192.168.1.1 zu erreichen ist. Der Hotspot hat eine WLAN-Reichweite von etwa 30 Metern im Freien.

Auch das Handy gibt über diverse Symbole darüber Auskunft, was gerade passiert. In der Mitte des Displays steht bei angeschlossenem Kabel der Hinweis "Datenkabel". Nach dem Verbindungsaufbau durch den Hotspot blinkt in der linken oberen Ecke ein grün-weißes "G"-Symbol, das die aktive GmPRS-Verbindung signalisiert. Findet Datenverkehr statt, blinken in der rechten oberen Ecke zwei rote Pfeile für Up- und Download.

Stabile Verbindung im Test mit konstanter Geschwindigkeit

Fast-Ethernet-Anschluss und USB-Port Fast-Ethernet-Anschluss und USB-Port
Foto: teltarif.de / Marleen Frontzeck
Die Verbindung erwies sich in unserem Test als sehr stabil, bei mehreren Tests gab es keinen einzigen Ver­bindungs­ab­bruch. Die Reak­tions­zeiten schwankten allerdings: In der Regel reagierte der Satellit innerhalb von einer Sekunde auf unsere Anforderung, manchmal brauchte er dazu aber mehr als 5 Sekunden. Diese mitunter hohe Latenzzeit war die einzige Geduldsprobe, die wir im Test erlebten.

Stetig war dafür die von uns gemessene Datenrate, die bei allen Tests stets zwischen 55 und 60 kBit/s lag. Obwohl dieser Wert für verwöhnte Breitband-Nutzer auf den ersten Blick lächerlich erscheinen mag, setzen sie in der Satelliten-Telefonie bei den bezahlbaren Datenverbindungen eine neue Marke. Datenkabel-Anschluss am Handy Thuraya XT Datenkabel-Anschluss am Handy Thuraya XT
Bild: teltarif.de / Marleen Frontzeck

Natürlich stellt sich die Frage, für welche Anwendungen der mobile Internet-Zugang sinnvoll nutzbar ist. An erster Stelle steht hier natürlich E-Mail, wobei dies nicht nur per E-Mail-Programm sein muss, sondern auch über ein schlank programmiertes Web-Interface funktioniert. Problematisch sind aber die mittlerweile grafisch total überladenen Portale vieler Freemail-Betreiber.

Die reguläre Google-Startseite lud in unserem Test innerhalb von 20 Sekunden. Bei der teltarif.de-Starseite konnten wir einen deutlichen Unterschied zwischen mobiler Seite und Desktop-Seite feststellen. mobil.teltarif.de lud in rund 23 Sekunden, wobei die eigentliche Seite schon nach 10 Sekunden stand und die restliche Zeit für die Vorschaubilder notwendig war. Die "große" teltarif.de-Seite, die ja grafisch auch nicht besonders aufwändig ist, brauchte rund 70 Sekunden. Dieselbe Ladezeit ermittelten wir auch für die Wikipedia-Startseite, die keinerlei Werbung enthält. Unter einer Minute ist also kaum mit dem Aufbau einer aktuellen Desktop-Seite zu rechnen - aufwändige Seiten wie amazon.de benötigen oft mehrere Minuten.

Für eine sinnvolle Nutzung ist es also empfehlenswert, ein Smartphone dabei zu haben und darüber hauptsächlich mobile Webseiten, soziale Netzwerke und Apps zu nutzen. Denn die Verwendung des Thuraya-Hotspots ist nicht in erster Linie eine Zeit- sondern auch eine Kostenfrage.

Kosten für GmPRS-Verbindung, höhere Datenrate und Flat für 3 600 Euro

Zeitmessung: Wie lange dauert das Laden einer Seite bei 60 kBit/s Zeitmessung: Wie lange dauert das Laden einer Seite bei 60 kBit/s?
Foto: teltarif.de / Alexander Kuch
Der Thuraya-Hostpots kostet momentan 399 Euro, wobei dieser ja nur in Verbindung mit dem Satellitentelefon Thuraya XT nutzbar ist, dessen Anschaffung mit 815 Euro zu Buche schlägt. Der Kauf wird sich also nur für Personen und Organisationen lohnen, die regelmäßig Internet in Gegenden ohne GSM- oder UMTS-Netz benötigen. Für kürzere Reisen ist es günstiger, den Hotspot mit dem Handy zu mieten.

Die Miete des Hotspots beläuft sich auf 4 Euro pro Tag, 20 Euro pro Woche oder 80 Euro pro Monat. Dazu kommen die Mietgebühren für das Telefon in Höhe von 8 Euro/Tag, 40 Euro/Woche oder 150 Euro/Monat. MicroUSB-Anschluss und Schalter MicroUSB-Anschluss und Schalter
Foto: teltarif.de / Marleen Frontzeck

Bei einer GmPRS Datenübertragung mit der "Thuraya Prepaid NOVA SIM" werden 0,5 Einheiten pro 100 kB abgerechnet, dies entspricht 5 Einheiten pro MB. Umgerechnet bezahlt der Nutzer also 5,75 Euro pro MB. Schon bei diesem Preis empfiehlt es sich, hauptsächlich mobile Webseiten aufzurufen oder das System überwiegend für die Textkommunikation zu nutzen. Die direkte Nutzung des Thuraya-Netzes mit einem iPhone wird das demnächst erhältiche Thuraya SatSleeve erlauben - die erste Version des Adapters wird aber nicht datenfähig sein.

Für professionelle Anwender mit höherem Datenvolumen (und größerer Finanzkraft) offeriert der Satelliten-Netzbetreiber mit "Thuraya IP/IP+" eine Satellitenverbindung mit bis zu 444 kBit/s im Downstream und 404 kBit/s im Upstram. Das dazu notwendige Modem in Din-A5-Größe ist allerdings nicht mehr so einfach transportabel - und kostet sage und schreibe 3 000 Euro zuzüglich Verbindungsgebühren. Diese können paket- oder minutenbasiert abgerechnet werden. Eine paketbasierte Daten-Flatrate, die ab 30 GB Datenvolumen in der Geschwindigkeit gedrosselt wird, kostet fürstliche 3 600 Euro im Monat.

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