Gemeinnützig

teltarif hilft: Tele-Columbus-Inkasso bei Tafel-Verein

Ein säch­sischer Tafel-Verein bestellte Kabel-Anschlüsse bei Tele Columbus, doch diese funk­tio­nierten nicht richtig und der aus Spenden finan­zierte Verein kündigte. Tele Columbus schal­tete trotzdem ein Inkasso-Büro ein - teltarif.de musste helfen.

Lebensmittel-Ausgabe bei einer Tafel (Symbolbild) Lebensmittel-Ausgabe bei einer Tafel (Symbolbild)
Bild: dpa
Tafel-Vereine als gemein­nüt­zige Hilfs­orga­nisa­tionen, die Lebens­mittel an sozial Schwache und Bedürf­tige verteilen, nehmen im deut­schen Sozi­alsystem nach wie vor eine wich­tige Aufgabe wahr. In der Regel finan­zieren sich die Tafel-Vereine ausschließ­lich aus frei­wil­ligen Spenden. Für die Orga­nisa­tion ihrer Arbeit sind die Tafeln auf funk­tio­nie­rende Internet-Anschlüsse ange­wiesen.

Der Tafel-Verein einer säch­sischen Stadt hatte 2015 einen Vertrag mit Pyur über zwei Kabel-Anschlüsse geschlossen. Doch nachdem die Anschlüsse nicht mehr funk­tio­nierten und auch wieder­holte Meldungen der Tafel-Verant­wort­lichen nicht zu einer Lösung führten, kündigte der Verein, der ja auch Rechen­schaft über die korrekte Verwen­dung seiner Spen­den­gelder ablegen muss, den Vertrag. Doch plötz­lich erreichten den Verein Forde­rungs-Briefe eines Inkasso-Büros.

Anschluss muss wegen mangel­hafter Leis­tung gekün­digt werden

Lebensmittel-Ausgabe bei einer Tafel (Symbolbild) Lebensmittel-Ausgabe bei einer Tafel (Symbolbild)
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Mitte August meldete sich der ehema­lige Schatz­meister des Tafel-Vereins bei teltarif.de, er war seiner­zeit für den Abschluss der Kabel-Verträge mit Pyur zuständig gewesen. 2015 sei der Vertrag mit Tele Columbus von einem Außen­dienst­mit­arbeiter des Netz­betrei­bers auf den Namen des Schatz­meis­ters abge­schlossen worden.

Später muss es dann zu mehreren Störungen und Anschluss-Ausfällen gekommen sein. Der ehema­lige Schatz­meister berichtet, dass mehrere Störungs­mel­dungen abge­geben worden seien. Auch persön­liche Besuche mit Nach­fragen in der örtli­chen Pyur-Verkaufs­stelle hätten wieder­holt nicht zu einer Behe­bung der Probleme geführt. Der Verein habe daher den Vertrag zum 29. Februar 2020 schrift­lich gekün­digt. Laut dem ehema­ligen Mitar­beiter musste "sofort ein Ausweg gefunden werden, um die tägliche Kommu­nika­tion des Vereins zu sichern." Die beiden Anschlüsse seien daraufhin abge­schaltet worden.

Gegen die Schreiben des Inkasso-Büros erhob der Verein sofort Wider­spruch. Der ehema­lige Schatz­meister hatte jedoch den Eindruck, dass seine Schreiben nicht einmal gelesen wurden, im Gegen­teil: Die Forde­rungen seien immer höher geworden.

Tele Columbus verwei­gert zunächst Kommu­nika­tion

Der Verein setzte nun ein Schreiben direkt an Tele Columbus auf, in dem er noch­mals die Situa­tion schil­derte, das Schreiben liegt teltarif.de vor. Darin heißt es unter anderem:

Es ist unver­ständ­lich, dass die Tele Columbus Multi­media GmbH nun auch noch Forde­rungen erhebt und diese brachial über ein Inkas­sobüro bei mir persön­lich einzu­treiben versucht, einschließ­lich entste­hender Neben­kosten. Die [...] Tafel e. V. ist ein gemein­nüt­ziger und mild­tätiger Verein, der selbst in diesen schweren Zeiten der Corona-Pandemie versucht, den Ärmsten der Gesell­schaft nahezu täglich das Über­leben durch Bereit­stel­lung von Waren des persön­lichen tägli­chen Bedarfs zu sichern, und das, obwohl der Verein selbst ums Über­leben kämpfen muss und sich ausschließ­lich aus Spen­den­gel­dern finan­zieren muss. Bitte sehen Sie deshalb von o. g. Forde­rung ab.
Die Antwort von Tele Columbus, die unserer Redak­tion eben­falls vorliegt, ging darauf über­haupt nicht ein und war darüber hinaus recht unfreund­lich:
Vielen Dank für Ihr Schreiben an den Vorstand. Das Complaint Manage­ment wurde beauf­tragt, Ihr Schreiben im Namen des Vorstandes zu beant­worten. Der Vertrag wurde aufgrund offener Entgelte beendet und die Forde­rung an unseren Inkas­sopartner über­geben. Bitte wenden Sie sich zur weiteren Klärung ausschließ­lich an das Inkas­soun­ter­nehmen.
Daraufhin wandte sich der ehema­lige Schatz­meister des Tafel-Vereins an unsere Redak­tion.

Nach teltarif.de-Inter­ven­tion in einem Tag gelöst

Nachdem wir uns im Auftrag des Tafel-Vereins an Tele Columbus gewandt hatten, reagierte Tele Columbus inner­halb eines Tages und schrieb uns:

Zur Beschwerde der [...] Tafel möchten wir Ihnen folgende Infor­mationen geben: Die Tafel hatte am 24. Februar 2020 erst­mals eine Störung gemeldet und danach zum 29. Februar 2020 gekün­digt. Eine Bestä­tigung über die erfolgte Kündi­gung zum Ende der Mindest­ver­trags­lauf­zeit am 28. Februar 2021 kam als Post­rück­läufer zu uns zurück. Da nun alle weiteren Zahlungen ausblieben, wurde die Tafel aufgrund der offenen Posten vorzeitig gekün­digt und der Fall lief in das Inkas­sover­fahren.

Um die Arbeit der [...] Tafel nicht unnötig zu belasten haben wir nun aus Kulanz­gründen und ohne Aner­ken­nung einer Rechts­pflicht entschieden, den Vertrag nunmehr rück­wir­kend zum 29.02.2020 aufzu­lösen. Zugleich wurde eine Rück­holung des Vorgangs beim Inkas­soun­ter­nehmen veran­lasst. Die Tafel haben wir über die Kündi­gung zum 29.02.2020 und die Rück­holung vom Inkasso infor­miert.

Der ehema­lige Schatz­meister des Vereins bedankte sich daraufhin wie folgt bei uns:
Mir fiel ein Stein vom Herzen. Die quälende Unge­wiss­heit über viele Wochen hatte auch mein Nerven­kostüm etwas in Mitlei­den­schaft gezogen. Für Ihre Bemü­hungen möchte ich Ihnen von ganzem Herzen danken und freue mich über den guten Ausgang (wir hatten uns schon, mit Unter­stüt­zung des Landes­ver­bandes Sächs. Tafeln, auf den schlimmsten Fall einer Klage­erhe­bung intensiv vorbe­reitet...). [...] Noch­mals vielen lieben Dank für Ihre Bemü­hungen.

Vor einigen Monaten mussten wir einem Pyur-Kunden helfen, der wegen einer abge­bro­chenen Analog-Abschal­tung in seiner Stadt Pyur verlassen wollte.

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