Merkwürdigkeiten

teltarif hilft: o2 deaktiviert Vertrag ohne Kündigung

Der o2-Vertrag eines Kunden war plötz­lich nicht mehr nutzbar, die SIM abge­schaltet, alle Nummern weg. Doch niemand hatte ihn gekün­digt. Was war geschehen? Ein Lehr­stück über Schub­laden­verträge.
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Was ist ein "Schub­laden­vertrag?" Ein Schub­laden­tarif ist in der Regel ein Mobil­funk­tarif ohne Grund­gebühr, den sich ein Kunde irgend­wann einmal ange­schafft hat, um auf dieser Nummer über­wiegend erreichbar zu sein. Abge­hend - und damit kosten­pflichtig - tele­foniert wird mit dem Tarif in der Regel nur in Notfällen. Wirk­lich viel verdienen wird der Provider bei einem derar­tigen Vertrag also nicht.

Trotzdem gelten auch für Schub­laden­verträge mit Vertrags­bindung und SEPA-Last­schrift die regu­lären, beim Vertrags­abschluss ange­gebenen Kündi­gungs­fristen (eine Prepaid­karte kann hingegen jeder­zeit mit Monats­frist von beiden Seiten gekün­digt werden).

Kürz­lich meldete sich ein o2-Kunde bei teltarif.de, dessen o2-Vertrag einfach deak­tiviert worden war - ohne dass zuvor eine Kündi­gung versandt worden war.

o2-Vertrag einfach während der Lauf­zeit deak­tiviert

o2 deaktiviert Genion-Vertrag ohne Kündigungo2 deaktiviert Genion-Vertrag ohne Kündigung An unsere Redak­tion schrieb der Leser:

Ich besitze seit 2005 einen Mobil­funk­vertrag bei o2. Diesen nutze ich zwar so gut wie nicht zum abge­henden Tele­fonieren, aber zum Empfang von Gesprä­chen über die zuge­hörige Fest­netz­nummer an meinem Zweit­wohn­sitz. Vor ca. drei Wochen merkte ich, dass die SIM-Karte deak­tiviert war und die Rufnummer angeb­lich nicht vergeben sei. Kurze Zeit später erhielt ich die "Schluss­rech­nung". Auf tele­foni­sche Nach­frage beim Kunden­service konnte mir o2 keinen Grund für die Deak­tivie­rung nennen. Weder ich noch o2 hatten den Vertrag gekün­digt. Eine (ordent­liche) Kündi­gung wäre ohnehin erst zum 19.12.2019 möglich gewesen. Es besteht kein Zahlungs­rück­stand oder sons­tige Gründe, die eine Kündi­gung durch o2 recht­fertigen würden. Man sagte mir tele­fonisch zu, dass der Vertrag inner­halb der nächsten zwei Stunden wieder akti­viert wird. Dies ist bis heute nicht geschehen. Auch auf eine schrift­liche Frist­setzung (Einschreiben) zur Erfül­lung des geschlos­senen Vertrags und sofor­tiger Reak­tivie­rung erfolgte keine Reak­tion.
Beim Blick auf die Abschluss­rech­nung wurde klar, dass es sich um einen o2 Genion S handelte, bei dem o2 die monat­liche Grund­gebühr jeweils durch eine Rech­nungs­gutschrift in glei­cher Höhe erstattet hatte - der Kunde hatte also keine Grund­gebühr für den Tarif bezahlt. Wie von der neuen Trans­parenz­verord­nung vorge­geben stand aber auch auf der Rech­nung, dass die Kündi­gungs­frist drei Monate zum 19.12.2019 beträgt - doch eine Kündi­gung hatte es nie gegeben.

Zunächst falscher Tarif akti­viert

Noch bevor teltarif.de sich im Auftrag des Kunden an o2 wenden konnte, hatte o2 plötz­lich einen Teil des Vertrags wieder akti­viert. Dabei waren aller­dings mehrere Fehler passiert. Statt des o2 Genion S wurde ein o2 Genion mit 10,25 Euro Grund­gebühr akti­viert. Außerdem wurde nur die Mobil­funk­nummer geschaltet, nicht aber die Fest­netz­nummer, auf die der Kunde Wert legte. Zu allem Über­fluss stand dann auf der Rech­nung auch noch eine Anschluss­gebühr von 25 Euro.

teltarif.de über­mittelte den Fall an o2 und bat um Aufklä­rung sowie um Wieder­akti­vierung des Vertrags inklu­sive aller Rufnum­mern zu den bishe­rigen Kondi­tionen. In einer E-Mail an den Kunden gab o2 an, der Vertrag sei deswegen deak­tiviert worden, weil er über 24 Monate nicht genutzt worden sei. Dem wider­sprach der Kunde: Auf der Fest­netz­nummer seien in den vergan­genen zwei Jahren defi­nitiv Tele­fonate einge­gangen.

Es liegt also der Verdacht nahe, dass es sich hierbei um einen Fehler in der o2-Kunden­verwal­tung handelt und dass als "Akti­vität" nur abge­hende Tele­fonate des Kunden betrachtet werden - die eben auch Umsatz für o2 verur­sachen.

Nach einem Monat: Fest­netz­nummer akti­viert und Gutschrift

Nach einigen Wochen berich­tete der Kunde an unsere Redak­tion:

Nach über einem Monat Bear­beitungs­zeit hat es o2 auch tatsäch­lich geschafft, die ursprüng­liche Fest­netz­nummer wieder zu akti­vieren, nachdem man mir zwischen­zeit­lich eine andere Fest­netz­nummer, in der nur eine Ziffer anders war, zuge­teilt hatte. Eine Grund­gebühr wurde zum Glück anders als im Online-Service ange­zeigt nicht berechnet. [..] Es wurde mir zwischen­zeit­lich [...] bestä­tigt, dass eine Gutschrift über 25 Euro erstellt wurde. Die entspre­chende Rech­nung wird online nun auch als "begli­chen, 0,00 Euro offen" darge­stellt. Ich hoffe, dass die Sache damit endgültig erle­digt ist.
Unsere Vermu­tung mit der fehler­haften Defi­nition von "Vertrags-Akti­vität" im Kunden­center wurde uns von o2 sogar bestä­tigt. Ein Telefónica-Spre­cher schrieb an uns:
Telefónica Deutsch­land opti­miert seine Leis­tungen und Ange­bote für seine Kunden stetig weiter. In diesem Zuge wurde die Tarif­land­schaft berei­nigt. Nicht genutzte (inak­tive) o2 Genion S Verträge wurden abge­schaltet. Inaktiv bedeutet, dass diese entweder länger als 24 Monate inaktiv sind oder nur tech­nisch (keine Daten­nutzung) akti­viert waren. Dies traf auch auf Herrn [Name des Kunden] zu, der den Mobil­funk­vertrag nicht genutzt hat, aber die Home­zone, also die Fest­netz-Nummer. Damit er diese wieder nutzen kann, haben wir Herrn [Name des Kunden] nun den namens­glei­chen Auffang­tarif akti­viert, der sogar einen besseren Leitungs­umfang hat: Im Alttarif o2 Genion S wurden die Verbin­dungen zum mobilen Internet volu­menba­siert zu 9 Cent / 10 Kilo­byte (1 Mega­byte für ca. 12 Euro) abge­rechnet. Vorteil des reak­tivierten Tarifs ist die zeit­basierte Abrech­nung (9 Cent / Minute, täglich jedoch nicht mehr als 3,50 Euro).
Offenbar macht o2 also keine Anstalten, diese Konfi­gura­tion im Kunden­center zu ändern. Inhaber eines derar­tigen Schub­laden­vertrags tun also gut daran, sicher­heits­halber ca. alle 15 bis 20 Monate einmal ein kurzes abge­hendes kosten­pflich­tiges inner­deut­sches Gespräch mit dem Tarif zu führen, um dem o2-System zu signa­lisieren, dass man weiterhin Inter­esse an dem Vertrag hat. Der betrof­fene Kunde bedankte sich bei unserer Redak­tion wie folgt.
In jedem Fall möchte ich [mich] bereits jetzt ganz herz­lich für Ihre Hilfe bedanken. Ohne Sie wäre mein Vertrag wahr­schein­lich heute immer noch nicht wieder aktiv. Noch einmal mehr zeigt sich hier, dass der Kunden­service bei o2 äußerst schlecht ist, gerade bei Kunden wie mir, an denen man nicht viel verdient. [...] Vielen Dank nochmal an Sie [...] für Ihre Hilfe!

Trotz der Beliebt­heit von Allnet-Flats gibt es heut­zutage immer noch Tarife ohne Grund­gebühr oder mit einem geringen monat­lichen Preis - diese finden Sie in unserem Tarif­vergleich. Auf einer sepa­raten Tarif­über­sicht verglei­chen wir alle Mobil­funk-Tarife mit Fest­netz­nummer.

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