Themenspecial Reise und Roaming Schockrechnung

teltarif hilft: Fast 9 000 Euro für mobiles Surfen in der Türkei

Provider mobilcom-debitel stellte sich erst stur, zeigte sich dann aber kulant
Von Marc Kessler
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Dass mobiles Surfen im Ausland zur Kostenfalle werden kann, sollte den meisten Mobilfunknutzern mittlerweile hoffentlich bekannt sein. Auch teltarif.de hat über solche Fälle bereits mehrfach berichtet - dabei auch über Konstellationen, in denen der Nutzer nicht mit einer Kostenfalle rechnen konnte.

Auch teltarif-Leser Cengiz B. aus Augsburg hatte nicht damit gerechnet, im Februar dieses Jahres mit einem, wie er selbst schreibt, "tiefen seelischen Schock" konfrontiert zu werden. Ursache dafür war die monatliche Rechnung seines Mobilfunk-Anbieters mobilcom-debitel, die einen Rechnungsbetrag von unglaublichen 8 930,02 Euro auswies.

Versprochen: Surf-Flatrate auch fürs Ausland

Mobiles Surfen am StrandMobiles Surfen im Ausland kann teuer werden Doch wie war es dazu gekommen? Rückblick: Cengiz B. hatte im August 2009 im Augsburger dug-Shop einen Mobilfunkvertrag im Telekom-Deutschland-Netz beim Service-Provider mobilcom-debitel abgeschlossen. Der reine Datenvertrag inklusive web'n'walk-Stick beinhaltet eine Flatrate für das mobile Internet zum Monatspreis von 39,95 Euro. Wie unser Leser berichtet, habe ihm die Verkäuferin seinerzeit mehrfach betont, er müsse nie mehr als diesen Betrag für die mobile Internet-Nutzung zahlen, und die Flatrate gelte auch im gesamten Ausland - und damit auch in der Türkei.

Es kam, wie es kommen musste: Im Januar dieses Jahres fuhr Cengiz B. in die Türkei. Im guten Glauben, mit seiner deutschen SIM auch dort zum Pauschalpreis mobil surfen zu können, nutzte er die Karte in seinem Laptop. Doch schon zwei Tage nach seiner Ankunft war seine SIM-Karte plötzlich gesperrt. Auf Nachfrage beim Kundenservice sagte man unserem Leser, man habe seine Karte aus Sicherheitsgründen gesperrt, da sein "Dispolimit" ausgeschöpft worden sei.

Fast 9 000 Euro in nur drei Tagen

Als aber die Rechnung - datiert auf den 23. Februar - bei Cengiz B. eintraf, konnte dieser es nicht glauben: Sage und schreibe rund 8 890 Euro hatte er in drei Türkei-Tagen versurft. Und tatsächlich: Der Einzelverbindungsnachweis offenbart horrende Beträge. So fiel etwa innerhalb von 49 Minuten EinzelverbindungsnachweisDokument des Grauens:
Der Einzelverbindungsnachweis
(zum Vergrößern klicken)
ein Volumen von rund 214 Megabyte an, das allein mit gut 1800 Euro zu Buche schlug.

Cengiz B. konnte den Rechnungsbetrag nicht zahlen, die Lastschrift platzte. Da sich nun auch die Grundgebühren für März und April angesammelt hatten, forderte mobilcom-debitel schließlich über 9 000 Euro von seinem Kunden. Der wandte sich nun verzweifelt an unsere Redaktion und bat um Rat.

mobilcom-debitel: Betrag muss gezahlt werden

Wir fragten bei mobilcom-debitel nach, ob man Cengiz B. nicht entgegenkommen wolle, da man ihn - zumindest laut eigener Aussage - falsch beraten und ihm zugesagt hatte, seine Surf-Flatrate gelte auch im Ausland. Doch der zur freenet Group gehörende Anbieter stellte sich erst einmal stur. "Sie bestätigten mit ihrer Unterschrift [unter den Vertrag] den Antrag mit der derzeit gültigen Preisliste wie auch der Tarifübersicht. (...) Unsere Händlerin versicherte uns, dass jeder Kunde bei der Beratung (...) darauf hingeweisen wird, dass die Flatrate nur innerhalb von Deutschland gilt. Von einer Nutzung im Ausland rät unsere Händlerin immer ab und verweist hierbei auf die hohen Kosten. Dass seitens des Vertriebspartners (...) dahingehend beraten wurde, die Nutzung der Flat sei auch im Ausland inklusive, wird daher nochmals ausdrücklich bestritten", schrieb man Cengiz B.

Und weiter unmissverständlich: "Ihr Kundenkonto weist einen offenen Saldo in Höhe von 9 072,77 Euro zu unseren Gunsten auf. Wir möchten nunmehr um Überweisung des Betrages auf unser (...) Konto bitten. Sollten Sie eine ratenweise Begleichung der Forderung wünschen, können wir Ihnen gern ein Ratenzahlungsangebot zukommen lassen."

Happy End: Kunde soll nicht in "finanzielle und soziale Schieflage" geraten

Wir wandten uns noch einmal an den Service-Provider und baten darum, Cengiz B. zumindest ein Kulanzangebot zu machen. Gleichzeitig empfahlen wir Herrn B. aber auch, einen Rechtsanwalt aufzusuchen und sich eingehend beraten lassen. mobilcom-debitel-Logomobilcom-debitel zeigte sich letztlich kulant Schließlich passierte doch noch etwas völlig Unerwartetes: mobilcom-debitel erklärte, auf die gesamte (!) Roaming-Forderung zu verzichten.

Pressesprecher Rüdiger Kubald begründet den Schritt damit, dass man "im Sinne der Serviceorientierung und Kundenzufriedenheit" zu der Entscheidung gelangt sei, "nach nochmaliger Prüfung des Einzelfalls und im Sinne der Kulanz (...) die entstandenen Roamingdatenverbindungskosten auszubuchen". Dies vor dem Hintergrund, dass man zwar von einem "umfassenden und korrekten Beratungsgespräch" ausgehe, es im vorliegenden Fall aber wohl "zu Missverständnissen" gekommen sei. Kubald weiter mit einer interessanten Aussage: "Es ist nicht im Sinne des Unternehmens, dass ein Kunde durch aufgelaufene Mobilfunkkosten in eine finanzielle und damit gegebenenfalls auch soziale Schieflage gerät."

Cengiz B. konnte es kaum glauben. "Diese Freundenbotschaft hat mir die Last von den Schultern genommen, und ich war so froh, dass mir vor Freude fast die Tränen kamen. Deshalb möchte ich ihrem Team ein großes Lob aussprechen und mich beim gesamten teltarif-Team herzlich bedanken", schrieb uns unser Augsburger Leser.

Vorsicht vor der Kostenfalle Datenroaming

Wir können Cengiz B. und allen Lesern nur eingehend raten: Vor allem in Nicht-EU-Ländern (innerhalb der EU gibt es seit 1. Juli im Euro-Tarif eine Kostenbegrenzungsfunktion bei 59,50 Euro pro Abrechungszeitraum) sollte nie unbedacht das mobile Internet genutzt werden. Besondere Vorsicht gilt hier auch bei der Nutzung von Smartphones, bei denen Apps unter Umständen unbemerkt Verbindungen ins Internet aufbauen. Weitere Ratschläge finden Sie auf unserer Infoseite zur Nutzung des mobilen Internets im Ausland.

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