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Telogic weiterhin tot: Es bleibt nur die Portierung (Update)

Wer die Nummer retten will, muss kostenpflichtig portieren
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Schon früh hatte der vermutlich größte Kartenanbieter im Telogic-Netz, die Firma Solomo, seinen Kunden umfangreiche Vorschläge zu möglichen Alternativen in den realen Netzen von Telekom, Vodafone, E-Plus oder o2 gemacht. Viele Kunden schienen diese Vorschläge aber nicht ernst zu nehmen und hofften lieber auf eine Fortsetzung des Netzbetriebs. Ein eigenes Alternativangebot im Netz von Vodafone D2 (realisiert über den White-label Provider Gesmo) wurde nicht weiter verfolgt. Mittlerweile hat auch solomo Insolvenz angemeldet - momentan befindet sich der Insolvenzverwalter im Prozess der Bestandsaufnahme.

Bis zur schubweisen Abschaltung des Netzzugangs von der Deutschen Telekom zu Telogic, die vor etwa 3 Tagen begonnen hatte, gab es auch Anbieter, die bis zuletzt unbeinträchtigt funktioniert haben. Das waren Anschlüsse bei virtuellen Anbietern wie dem nach wie vor im Beta-Test befindlichen Produkt Sipgate One, die unter der gewohnten Vorwahl 01570 jetzt auch nicht mehr zu erreichen sind. Sipgate One leitete je nach gewählter Einstellung ankommende Anrufe auf das eingetragene Handy und parallel zum Festnetzanschluss weiter. SMS-Nachrichten an diese Rufnummer waren bei den dahinter geschalteten Anschlüssen zuletzt nur noch aus dem E-Plus-Netz angekommen, inzwischen geht auch das nicht mehr. Wie Branchenkreise berichten, plant Sipgate one allen Beta-Test Kunden mit Start der eigenen Vorwahl 01579 vorraussichtlich zum Jahreswechsel eine neue Rufnummer zuzuteilen, die Kunden werden per Newsletter informiert.

VoIP-Kunden von Sipgate selbst waren und sind von den Problemen bei Telogic nie betroffen gewesen. Sipgate bereitet den Start eines eigenen virtuellen Mobilfunk-Anbieters "vintage wireless networks" mit der Vorwahl 01579 zum Jahreswechsel vor. Dann dürften auch alle verbliebenen Rufnummern von Telogic zu vintage wireless portiert werden.

Wem die Angelegenheit bis dahin zu unheimlich ist, kann schon jetzt seine Sipgate One Rufnummer zu einem anderen Mobilfunkanbieter portieren, verliert damit aber den Zugang dieser Nummer auf die Sipgate-One-Plattform, muss beim neuen Anbieter eine SIM-Karte erwerben und meist regelmäßig Beitrage aufladen (Prepaid) oder monatliche Rechnungen (Postpaid) begleichen. Für die Portierung von Sipgate One zu einem andern Mobilfunkanbieter muss übrigens kein Portierungsentgelt entrichtet werden, wie uns Sipgate-Geschäftsführer Thilo Salmon mitteilte.

Virtuelle Anbieter, die über Mobilfunkrufnummern kreative Dienste aufsetzen wollen, haben es immer schwerer. Die Firma Telogic war der einzige virtuelle Anbieter von Mobilfunk-Rufnummern gewesen. Ein Unternehmen für internationale Roaming-SIM-Karten, die mit mehreren Identitäten (IMSI) ausgestattet werden sollten, berichtete uns, dass nach dem Ausfall von Telogic trotz intensiver Verhandlungen mit den großen deutschen Netzbetreibern kein Erfolg zu erzielen war. Zwar habe man die Vertreter des Roaming-SIM-Anbieters freundlich empfangen, aber genauso freundlich klar gemacht, dass deren Geschäftsmodell für sie nicht interessant sei. Außerdem haben sich die Telogic-Anbieter durch die für Kunden oft interessante Preisgestaltung bei den Roaming-Preisen (speziell außerhalb Europas) bei den etablierten Providern sicherlich keine Freunde gemacht.

Rat für Endkunden: Portieren

Da die Dauer der Hängepartie bei Telogic nicht abzusehen ist, bleibt allen, denen ihre gewohnte Rufnummer wirklich am Herzen liegt, nur eine Rufnummernportierung zu einem andern Anbieter anzustoßen. Dafür sind - Schuldfrage hin oder her - 25 Euro zu bezahlen, die auf dem Guthabenkonto der Prepaid-Karte bei der Telogic Germany (früher vistream) sein müssen. Nur wer den Betrag auf das Anderkonto des zwischenzeitlichen Insolvenzverwalters eingezahlt hatte, braucht nach Auskunft in Fachforen den Betrag nicht mehr aufzuladen, diese "Altfälle" dürften aber bereits abgearbeitet sein.

Viele Kunden bestehen bei einer Kündigung auf einer schriftlichen Bestätigung. Mit den Vorgängen vertraute Personen berichten, dass es Absprachen mit allen andern Netzbetreibern und Service-Providern gäbe, welche die Portierung auch ohne explizite schriftliche Bestätigung durch Telogic zu ermöglichen. Momentan soll es noch einen gewissen Rückstau von "ein bis zwei Tagen" geben, aber alle Kunden, die ihre Rufnummer zu einem andern Anbieter portieren wollten, könnten das tun. In Einzelfällen scheinen Portierungen sogar per SMS bestätigt worden zu sein. Grundsätzlich gilt bei jeder vom Kunden angestoßenen Portierung, dass das Portierungsentgelt bezahlt werden muss, auch wenn der Kunde nicht von sich aus, sondern wegen Insolvenz des Anbieters portiert. Dazu hat teltarif.de vor einigen Tagen explizit bei der Bundesnetzagentur nachgefragt.

Anfängliche Befürchtungen, dass SMS-Kurznachrichten vom Netz der Telekom (D1) zu mobilen Rufnummern, die mit 01570 beginnen, ohne Rücksicht auf die Netzzugehörigkeit blockiert würden, bestätigten sich glücklicherweise nicht. Eine testweise zu Congstar portierte Telogic-/vistream-Rufnummer war von einem Original-D1-Anschluss sofort und störungsfrei per SMS und für Telefonanrufe zu erreichen.

Auf der letzten Seite erläutern wir, aus welchen Gründen eine Wiederauferstehung von Telogic in der bekannten Form unwahrscheinlich ist und welche Folgen sich für die Branche und die Kunden daraus ergeben.

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