Kundengewinnung

Vodafone will ISDN bis 2022 anbieten

Vodafone will der Telekom Unternehmenskunden abgraben - ausgerechnet durch deren wichtigstes Projekt, der All-IP-Umstellung. Vodafone will Geschäftskunden noch bis 2022 oder länger ISDN anbieten. Bei der Telekom soll in drei Jahren Schluss sein.
Von Thorsten Neuhetzki
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Während die Deutsche Telekom bis 2018 die letzten klassischen Telefonleitungen in seinem Netz beerdigt haben will, versucht Wettbewerber Vodafone genau an dieser Stelle Kunden zu gewinnen. Bis 2022 will Vodafone seinen Unternehmenskunden ISDN-Anschlüsse anbieten, lässt der Anbieter heute über das Handelsblatt (Print-Ausgabe) verkünden. "Bei All-IP setzen wir auf Wahlfreiheit und nicht auf Zwang", sagte Philip Lacor, Vodafone-Vorstand für Firmenkunden, der Zeitung. Zwangskündigungen würde es bei Vodafone nicht geben. Das ist ein Seitenhieb auf die Telekom, die ihren Kunden auch die Kündigung ins Haus schickt, wenn diese die Umstellung nicht mitmachen.

Derzeit geht es in der öffentlichen Wahrnehmung der Umstellung zumeist um Privatkunden. Dabei ist die Umstellung hier meist einfach: Im schlimmsten Fall muss beim DSL-Anschluss der Router ausgetauscht werden, damit er auch zum Telefonieren genutzt werden kann. In Unternehmen ist das etwas komplizierter, alleine schon weil sie mehrere ISDN-Anschlüsse zu einem Anlagenanschluss bündeln können oder direkt Primärmultilex-Anschlüsse nutzen. Die Anlagen können gerade bei großen Unternehmen oftmals mehrere hundert Nebenstellen verwalten und die Telefone auf die Anlagen abgestimmt. Wird die Anlage ersetzt, kann das Folgekosten verursachen.

Unternehmen brauchen mehr Zeit für Umstellung

Vodafone mit ISDN bis mindestens 2022Vodafone mit ISDN bis mindestens 2022 "Über 80 Prozent unserer Geschäftskunden nutzen noch das ISDN-Netz", so der Vodafone-Manager. Die Kunden hätten dem Anbieter erklärt, sie bräuchten mehr Zeit für die Umstellung. Viele kleine Unternehmen hätten sich noch gar keine Gedanken gemacht. Und Vodafone deutet bereits an, dass man bei Bedarf auch noch länger als 2022 ISDN anbieten würde.

Für die Telekom ist die Umstellung aller Anschlüsse auf All-IP derzeit eines wichtigsten Projekte. Innerhalb der vergangenen zwölf Monaten hat der Konzern 3,8 Millionen Anschlüsse umgestellt. Insgesamt hat die Telekom rund 16 Millionen Privatkundenanschlüsse. Mehr als fünf Millionen davon sind mittlerweile IP-basiert. Derzeit stellt die Telekom 70 000 Anschlüsse die Woche um. Telekom-Chef Höttges erklärte, die Umstellung laufe nahezu reibungslos. Von den 3,35 Millionen Geschäftskundenanschlüssen der Telekom wurden dagegen erst rund 570 000 der neuen Technik angepasst. Was Sie als Privatkunde zur Umstellung auf All-IP wissen müssen, haben wir in einer Hintergrundmeldung zusammengefasst. Auf einer eigenen Übersichtsseite zu Telekom All-IP bekommen Sie zudem alle Artikel zu dem Thema gebündelt.

Übrigens: Es gibt auch Privatkunden vereinzelt noch ISDN-Anschlüsse. Wir verraten Ihnen, wo.

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