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Telekom-All-IP-Umstellung: Verbraucherschützer sehen kein Problem

Dass die Telekom nach und nach ihren Kunden die Anschlüsse kündigt und diese neue Verträge abschließen müssen, ist für Verbrauchschützer legitim. Seit Monaten werden VDSL-Kunden in 53 Großstädten angeschrieben, ab 2017 geht es mit DSL-Kunden weiter.
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Die Deutsche Telekom schreibt seit vergangenem Jahr nach und nach ihre Kunden an und will die Anschlüsse auf eine neue Anschlusstechnik umstellen. Statt eines Analog- oder ISDN-Anschlusses mit VDSL gibt es dann nur noch eine Datenleitung, über die auch telefoniert wird. Bezeichnet wird das als IP-Technik, NGN- oder auch All-IP-Anschluss. Verbunden ist die Umstellung, geht sie von der Telekom aus, mit einer Vertragskündigung. Für Verbraucherschützer ist das aber kein Problem.

Die betroffenen Kunden schreibt die Telekom vier Monate vor Vertragsablauf zum ersten Mal an und informiert sie über den Sachverhalt. Vier Wochen später folgt die fristgerechte Kündigung. In den Schreiben werde der Kunde gebeten, die Telekom wegen eines neuen Vertrages zu kontaktieren, betont ein Unternehmenssprecher. Meldet sich der Kunde nicht, versucht es die Telekom noch zweimal, ehe sie bei Vertragsende die Leitung abschaltet.

Mehrere Informationen, keine höheren Preise - aber neue Vertragslaufzeit

Telekom-Umstellung ist für Verbraucherschützer in OrdnungTelekom-Umstellung ist für Verbraucherschützer in Ordnung Dieses Vorgehen ist legitim. Der Kunde werde mehrmals vorher informiert, dass ein neuer Vertrag nur mit VoIP möglich ist, sagt Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen. Höhere Preise müsse er dabei nicht befürchten: "Die neuen Tarife sind meist nicht teurer als die vorherigen." Betroffene sollten jedoch verschiedene Anbieter vergleichen, ehe sie einen neuen Vertrag abschließen. Denn unter Umständen lässt sich so viel Geld sparen. Wer seinen Anschluss bei der Telekom behält, akzeptiert eine neue Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren.

Die Telekom begründet die Umstellung damit, dass für die alte Technik viele Ersatzteile nicht mehr produziert werden und so langfristig hohe Qualität nicht sicherzustellen sei. Finanzielle Faktoren spielen aber vermutlich ebenso eine Rolle: Die Verwaltung eines einzelnen Netzes spart Kosten, zumal bei der IP-Technik viel mehr zentral gesteuert werden kann.

Zuerst werden VDSL- später DSL-Anschlüsse umgestellt

Umgestellt wird aktuell in 53 Großstädten, darunter Hamburg, München und Berlin. Bis Mitte 2016 soll das abgeschlossen sein, dann soll es in diesen Städten auch VDSL Vectoring, also VDSL mit 100 MBit/s geben. Denn diese Technik ist nur dann möglich, wenn keine alten VDSL-Anschlüsse mehr im Netz aktiv sind.

Kunden, die einen klassischen DSL-Anschluss (mit Analog- oder ISDN-Anschluss) nutzen, werden derzeit noch nicht angeschrieben. Wie die Deutsche Telekom gegenüber teltarif.de sagte, wird damit im Anschluss an die VDSL-Umstellungen und somit ab 2017 begonnen. Bis 2018 will die Telekom deutschlandweit auf IP-Anschlüsse umgestellt haben. Keinen Einfluss hat die Umstellung auf Menschen, die nur einen analogen Telefonanschluss nutzen. Diese Kunden werden über die technische Umstellung im Hintergrund informiert, sagt der Telekom-Sprecher. "Sie brauchen nach derzeitigem Stand der Planung keinen neuen Vertrag und keine neue Technik." Gleiches gilt für ISDN-Anschlüsse, die nur für das Telefon genutzt werden. Hier sei eine Kündigung der Altverträge momentan nicht geplant. Problematisch sind aber bestimmte Anwendungen, die über die Leitungen laufen - etwa Kartenzahlungen, Hausnotrufsysteme oder Datenverbindungen.

Einen technischen Hintergrund, warum die Telekom ihr Netz umstellt, lesen Sie in einer weiteren Meldung.

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