Kontrolle

Telekom überwacht Telefonverkehr auf Missbrauch & Betrug

Konzern überlegt Einsatz des Systems bei "unwirtschaftlichen Kunden"
Von Marleen Frontzeck-Hornke

Deutsche Telekom kontrolliert gesamten Telefonverkehr Deutsche Telekom kontrolliert gesamten Telefonverkehr
Bild: teltarif.de - Marleen Frontzeck
Die Deutsche Telekom kontrolliert den gesamten Telefonverkehr auf Missbräuche und Betrugsversuche, wie die WirtschaftsWoche (WiWo) berichtet. Demnach gebe es eine spezielle Ermittlungsgruppe in der Abteilung für Konzernsicherheit des Unternehmens, welche durch ihr Eingreifen Schäden verhindern soll. Der WiWo liegt diesbezüglich eine vertrauliche Erfolgsbilanz der Deutschen Telekom vor. So habe die Ermittlungsgruppe (GBS-MIS) im vergangenen Jahr den Konzern vor Schäden durch Betrug bei Telefon-Flatrates von rund 200 Millionen Euro bewahrt.

Weiterhin will die WirtschaftsWoche erfahren haben, dass ein computergesteuertes Überwachungssystem der Telekom existiere, welches den Verkehr im Festnetz- und Mobilfunk-Bereich kontrolliere sowie die Daten der Verbindungen automatisch auswerte. Sollten sich dabei die Verbindungsdaten deutlich von der Norm des durchschnittlichen Telefonierers unterscheiden, dann würde das System Alarm schlagen. Es wird ein Beispiel für einen betrügerischen Kunden aufgezeigt: "Betrügerische Kunden mit günstiger Auslandsflatrate, die auffallend häufig lange Gespräche in Länder wie São Tomé oder Guinea führen, die dort zu hohen Gebühreneinnahmen führen. Während der Telekom-Kunde die Flatrate zahlt, muss die Telekom an diese Länder besonders hohe Minutenpreise abführen, die zum Teil in die Taschen der Betrüger wandern." Den Informationen zufolge habe die Telekom deshalb allein im vergangenen Jahr 162 800 Rufnummern gesperrt.

Telekom will auch "unwirtschaftliche Kunden" aufspüren

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Weiterhin geht die Ermittlungsgruppe auch gegen Hacker vor, die die TK-Anlagen der Kunden in der Nacht angreifen und die Software beeinflussen. Außerdem schalten diese eine Rufumleitung zu einer kostenintensiven Premium-Servicenummer im Ausland. Hierbei sollen die Kriminellen vor allem Kuba, Guinea, Lettland, Litauen und Somalia bevorzugen. Der Telekom nach sei dadurch so im vergangenen Jahr ein Schaden von 1,9 Millionen Euro entstanden - es wurden insgesamt 525 solcher Fälle festgestellt.

Das Bonner Unternehmen ist sehr zufriedenen mit der eignen Flatrate-Polizei. Dem Bericht zufolge überlege die Telekom daher auch, das System für die Aufspürung von "unwirtschaftlichen Kunden" zu verwenden. Mögliches Szenario: Kunden die mit ihrer Flatrate mehr telefonieren als diese eigentlich rechnerisch kostet, könnten in einen teureren Tarif befördert werden. Sollte der Kunde diesen Vorgang nicht freiwillig akzeptieren, würde die Telekom Änderungen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchführen können, um eine Kündigung des betroffenen Kunden zu erwirken, schreibt die WiWo weiter. Ob dies sich auch so einfach umsetzen lässt ist natürlich eine ganz andere rechtliche Frage.

Die Deutsche Telekom und United Internet haben erst kürzlich unter dem Motto "E-Mail Made in Germany" eine neue Initiative vorgestellt, die den Kunden einen sichereren E-Mail-Verkehr bieten soll.

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