Interview

Telekom-Technikchef: "In einigen Jahren sind wir bei 500 MBit/s"

Interview zum Vectoring-Ausbau und zur Investition in die Netze
Von Thorsten Neuhetzki
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Die Deutsche Telekom hat im Vorfeld der IFA nach Berlin zu einem internationalen Medien-Event geladen bei dem sie Journalisten einen Blick in die Zukunft und ihr "Netz der Zukunft" geben wollten. Bekannt gegeben wurde dort unter anderem die nächste Geschwindigkeitsstufe für LTE mit 150 MBit/s sowie Pläne zum VDSL-Vectoring-Ausbau. Zum Vectoring-Ausbau hat tetarif.de-Redakteur Thorsten Neuhetzki am Rande des Events mit dem Geschäftsführer Technik Telekom Deutschland und Group CTO, Bruno Jacobfeuerborn, gesprochen.

Die Einführung von Vectoring mit 100 MBit/s Downstream im Markt wird im kommenden Sommer erfolgen. Wie berichtet, werden bestehende VDSL-Gebiete erst später mit VDSL Vectoring versorgt. Dies erfolgt aus technischen Gründen. Denn für die Umstellung bestehender VDSL-Anschlüsse zu Vectoring-Anschlüssen müssen alle Kunden, die heute schon VDSL nutzen, Vectoring-fähige Modems haben. Daher werde die Umstellung bestehender VDSL-Kunden der Telekom aber auch Kunden der Mitbewerber ein Projekt werden, das gut geplant werden muss, sagte Bruno Jacobfeuerborn, Technik-Chef der Telekom Deutschland im Gespräch mit teltarif.de. Deswegen werde die Einführung von VDSL Vectoring mit 100 MBit/s im Downstream auch in den Gebieten beginnen, in denen VDSL jetzt erst aufgebaut wird.

Umstellung bestehender VDSL-Anschlüsse nicht vor 2015

Telekom-Technik-Chef Bruno Jacobfeuerborn will Kupferkabel (rechts, 2000 Gespräche) gegen Glasfasern (links, 8 Millionen Gespräche) austauschen.Telekom-Technik-Chef Bruno Jacobfeuerborn will Kupferkabel (rechts, 2000 Gespräche) gegen Glasfasern (links, 8 Millionen Gespräche) austauschen. Er rechnet damit, dass es zu diesem Schritt nicht vor 2015 kommen wird. Schließlich müssten jene Kunden, die sich selbst ein VDSL-Modem gekauft haben und Kunden von Mitbewerbern gleichermaßen ins Boot geholt werden. "In der Nacht, in der wir im Multifunktionsgehäuse auf Vectoring umstellen, muss jeder VDSL-Kunde bei sich zu Hause ein Vectoring-fähiges Modem haben", so der Technik-Chef. Andernfalls könne er nicht mehr im Internet surfen. Nicht von der Umstellung betroffen sind Kunden mit konventionellen ADSL2+-Anschlüssen. Bei ihnen ändert sich nicht.

Ohnehin wird sich die nächste Zeit im Netz der Deutschen Telekom viel tun. "Wir werden auf Dauer die Kupferleitungen abschalten und durch Glasfasern ersetzen", so Jacobfeuerborn. Im ersten Schritt betrifft das nun die Anbindung der neuen VDSL-Gehäuse. Während man bislang das Kupferkabel in der Erde gelassen und Glasfaser daneben gelegt hat, will man nun die dicken Kupferkabel aus der Erde ziehen und durch deutlich leistungsfähigere Glasfasern ersetzen. Das hat auch Auswirkungen auf die Anschlüsse der Wettbewerber. Sie werden umgestellt auf sogenannte Bitstream-Access-Modelle. Sie mieten also nicht mehr die Kupferleitung der Telekom von der Vermittlungsstelle zum Kunden, sondern eine Telekom-Leistung, die dann an einem Übergabepunkt in ihr Netz übergeben wird.

Netz wird zunehmend auf IP umgestellt

Die Umstellung auf Bitstream bedeutet auch, dass die Kunden IP-Anschlüsse nutzen müssen. "Wir meinen die Umstellung auf das IP-Netz ernst", unterstreicht der Technik-Chef. 90 Prozent aller Neuanschlüsse würden schon heute als IP-Anschlüsse geschaltet. Der Kunde bekommt also keine klassische Telefonleitung mehr, sondern nutzt die Datenleitung um zu telefonieren. "Wir sind soweit, dass wir fast jedem Kunden einen IP-Anschluss anbieten können. Herausforderung haben wir noch bei Geschäftskunden und Spezial-Anwendungen wie Fahrstuhl-Notrufe oder ähnliches, hier arbeiten wir jedoch an Lösungen". Bis 2018 sollen alle Privatkunden einen IP-Anschluss haben - "eigentlich früher".

Dass man mit 100-MBit/s-Anschlüssen per Vectoring zu spät dran sei und die Kunden inzwischen mehr Datenraten benötigen würden, ließ er im Gespräch mit teltarif.de nicht gelten. "Das Kupfernetz zu überbauen und 40 Millionen Haushalte mit Glasfaser zu versorgen, würde 20 Jahre dauern und rund 80 Milliarden Euro kosten, deswegen haben wir nun diesen ersten Schritt gewählt, mit dem wir 100-MBit/s-Anschlüsse für 24 Millionen Haushalte anbieten können."

Perspektivisch 500 MBit/s bei der Telekom

Doch hier will die Deutsche Telekom nicht stehen bleiben. "Wir setzen auf Glasfaser", heißt es von der Telekom. Es gibt bereits Entwicklungen, bei denen die letzten Meter Kupferleitung weiter genutzt werden können und lediglich in einer Entfernung von etwa 100 Metern zum Kunden aktive Technik quasi im Bürgersteig verbaut werden muss. "Mit diesem FTTDP (Fibre to the Distribution Point) ließen sich über die letzten Meter Kupferkabel dann bis zu 500 MBit/s erreichen." Doch bis es dazu kommt, wird es wohl noch einige Jahre dauern.

"Wer heute zu einem Kabelanbieter geht, kann bis zu 150 MBit/s im Download bekommen - das stimmt. Aber: Kabel ist ein Shared Medium. Wenn alle Nachbarn diese Datenraten nutzen wollen, wird das nicht gelingen", erklärt Jacobfeuerborn. "Wir sehen es derzeit eher so: Wer 100 MBit/s wirklich ausnutzen will, muss eine ganze Menge dafür tun. Denn mit Vectoring können wir diese 100 MBit/s im Download und 40 MBit/s im Upload auch liefern und nicht nur damit werben." Ein Geschwindigkeitsrennen im Festnetz wolle man nicht gewinnen. Aber man wolle bei dem was man liefere mit Qualität überzeugen.

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