Street Gigs

Hinter den Kulissen: So produziert die Telekom einen 360-Grad-Livestream

Es war nach Telekom-Angaben das erste Konzert, das komplett live und als 360-Stream übertragen wurde: Die Telekom Street Gigs beschritten neue Wege. Wir zeigen Ihnen die Hintergründe der Red-Hot-Chili-Peppers-Produktion aus Berlin
Aus Berlin berichtet
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Live-Konzert und 360-Grad-StreamLive-Konzert und 360-Grad-Stream Seit 2007 gibt es bei der Telekom die Street Gigs: Angesagte Bands spielen vor vergleichsweise kleinem Publikum ein komplettes Konzert, das parallel live im Internet übertragen wird. Das Zusehen ist kostenlos, die Zuschauer vor Ort haben die Karten gewonnen. Hinter dem Gratis-Konzert steckt allerdings keine Wohltätigkeitsveranstaltung der Telekom für Musik-Fans, sondern kalkuliertes Marketing. Die Telekom will als Marke präsent sein und gleichzeitig ihre Position als Technologieführer und Innovationstreiber unterstreichen, wie Michael Schuld, Leiter Kommunikation und Vertriebsmarketing der Telekom Deutschland gestern vor dem Street-Gigs-Konzert der Red Hot Chili Peppers im Kraftwerk Berlin sagte. "Sie können sich sicher sein, dass sich die Veranstaltung aus Marketing-Sicht für uns rechnet." Das muss sie auch, denn der Aufwand vor Ort ist immens. Wir werfen einen Blick hinter die nach Telekom-Angaben erste 360-Grad-Konzert-Liveproduktion.

Zwei parallele Live-TV-Produktionen während des Konzerts

Direkt nach dem Soundcheck der Band dürfen wir das alte Heizkraftwerk an der Köpenicker Straße betreten. Die Eventlocation dient als Drehort und Kulisse für das Konzert einer Band, deren aktuelles Album seit elf Wochen in den Charts ist. Zwei Tage zuvor haben die Red Hot Chili Peppers noch in Prag gespielt, zwei Tage nach dem Konzert in Berlin werden sie in Oslo spielen. In Berlin treten sie vor einem vergleichsweise kleinen Publikum auf: Nur 1300 Zuschauer können vor Ort dabei sein. Nur zwei Tage dauerten auch die Vorbereitung der Übertragung. Dabei hat die beauftragte Mainzer Produktionsfirma einiges aufgefahren. Zum einen gibt es eine normale TV-Produktion mit zehn Kameras, die teils fest installiert sind, damit keine Kameraleute auf der Bühne zwischen der Band umher rennen müssen. Eine solche Produktion macht dem Team keine Mühe. Anders die parallel laufende 360-Grad-Produktion.

Blick in den speziellen 360-Grad-Ü-WagenBlick in den speziellen 360-Grad-Ü-Wagen In der Konzerthalle sind am Schlagzeug und rechts und links der Bühne jeweils professionelle 360-Grad-Kameras von Nokia angebracht. Der ganze Stolz der Produktionsfirma hängt aber an der Hallendecke: Eine Spidercam, wie man sie von größeren Fußballübertragungen kennt - nur mit einer 360-Grad-Kamera bestückt. Während des Konzertes wird sie über das Publikum gleiten, dieses filmen und dem Regisseur so die Möglichkeit geben, die Stimmung der Fans zu übertragen. Insgesamt sind es vier Kameras, jede im Wert eines Luxus-Wagens, die von der Produktionsfirma eingesetzt werden. Die Signale aller 14 Kameras landen in mehreren LKWs vor dem Kraftwerk - dem Ü-Wagen-Park.

Technik eigens für die 360-Grad-Übertragung zusammengebaut

Telekom Street Gigs: Warten auf den EinlassTelekom Street Gigs: Warten auf den Einlass Im Ü-Wagen-Park stehen die für derartige Übertragungen üblichen Fahrzeuge: Rüstwagen, Regie und Ton, allesamt per Sattelschlepper unterwegs. Etwas verschämt in einer Ecke stehen noch zwei kleinere Übertragungsfahrzeuge. Sie sind für die 360-Grad-Übertragung zuständig. "Wir haben uns diese Wagen so wie sie hier stehen technisch selbst zusammengebaut"; erklärt der Produktionsleiter. Es gebe noch keine Ü-Wagen für solche Übertragungen.

Auch ein sogenannter SNG steht in dem Technikpark. SNG steht für Satellite News Gathering, ist also ein Wagen, der das Sendesignal zum Satelliten überträgt. Dabei sollte das doch eigentlich gar nicht notwendig sein. Denn mit den Street Gigs will die Telekom auch die Leistungsfähigkeit ihrer eigenen Netze unterstreichen und nutzt das eigene Netz auch für die Abführung des Livestreams von der Konzert-Arena ins Internet. Warum also ein SNG? "Wir haben heute Abend auf vier Sendern zur gleichen Zeit um 20:13 Uhr Live-Werbespots aus dem Konzert", erklärt Michael Schuld. Vier große Privatsender würden in ihrem Werbeblock kurz in das Konzert schalten und die Zuschauer darauf aufmerksam machen, dass der Rest des Konzertes im Internet gestreamt werde. "Die Sender wollen für diesen kurzen Werbespot eine Satelliten-Zuführung", so Schuld. Sonst bräuchte man den SNG nicht.

Sendesignal geht per Telekom-Leitung ins Internet

Die Spider-Cam mit 360-Grad-KameraDie Spider-Cam mit 360-Grad-Kamera Abgeführt wird das Sendesignal jedoch nicht über einen normalen VDSL- oder gar DSL-Anschluss. Eigens für diese Übertragung hat die Telekom sich am ehemaligen Heizkraftwerk zwei Business Company Connect-Anschlüsse geschaltet. Sie übertragen symmetrische 34 MBit/s im Up- und Downstream. Benötigt wird nur einer der beiden Anschlüsse, der andere dient lediglich als Backup. "Anschlüsse wie dieser liegen oftmals auch in Stadien für derartige Übertragungen", erklärt Michael Schuld.

Auch ein normaler Stream wurde produziertAuch ein normaler Stream wurde produziert Da das Konzert per YouTube übertragen wurde, war es so sogar Konzert-Besuchern möglich, im Publikum einen 360-Grad-Blick über die Bühne zu werfen. Allerdings: Live ist dann doch nicht live. Das was auf der Bühne passierte, war erst 20 bis 30 Sekunden später auf dem Bildschirm zu sehen. Bei einem 360-Grad-Stream ist die Verzögerung deutlich größer als bei einem normalen Stream, weil das Rendering der verschiedenen Kameralinsen zu einem Kugel-Bild deutlich länger dauert als das Rendern des Bilds einer normalen Kamera.

Wer den Live-Stream verpasst hat: Im Laufe des Tages will die Telekom die beiden Streams als Mitschnitt online stellen. Einen Monat lang sollen sie dann auf YouTube und über telekom-streetgigs.de abrufbar sein - auch per 360 Grad und VR-Brille.

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