Nachgefragt

Telekom ohne Call by Call: Darum müssen erste Kunden verzichten

Telekom und Call by Call - das ist für die meisten eng miteinander verbunden, ist Call by Call doch eine der günstigsten Möglichkeiten, ins Ausland zu telefonieren. Doch jetzt werden erste Anschlüsse ohne Call-by-Call-Möglichkeit geschaltet. Wir zeigen Ihnen warum und ob die Telekom das überhaupt darf.
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Seit Anfang der Woche vermarktet die Telekom ihre Tarifschiene MagentaZuhause Start aktiv. Dabei handelt es sich um Leitungen, die die Telekom bei ihren Wettbewerbern einkauft und unter eigenem Namen verkauft, so wie es beispielsweise easybell oder 1&1 mit Leitungen der Telekom oder Telefónica machen. Doch obwohl es äußerlich Telekom-Tarife sind, unterscheiden sie sich beispielsweise durch fehlendes Entertain oder die Nicht-Buchbarkeit von MagentaEINS. Auch Call by Call ist nicht möglich, wie die Telekom selbst mitteilt. Dabei ist der Ex-Monopolist eigentlich zu Call by Call verpflichtet. Wir haben recherchiert ob und warum die Telekom hier erstmals Anschlüsse ohne Call-by-Call-Möglichkeit anbieten darf.

Anschlüsse stammen nicht direkt von der Telekom

Erste Telekom-Anschlüsse ohne Call by CallErste Telekom-Anschlüsse ohne Call by Call Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei MagentaZuhause Start nicht um Telekom-eigene-Leitungen, sondern VDSL-Anschlüsse von Wettbewerbern. Die Telekom kann diese jedoch nicht ohne größere Probleme in ihr normales Buchungssystem integrieren. Daher hat man sich entschlossen, die Start-Tarife über ein eigenes Buchungssystem und Callcenter abzuwickeln. Auch die IT-Systeme im Hintergrund sind andere - stammen aber aus der Telekom-Familie. Denn der Konzern bedient sich der Buchungssysteme der Telekom-Tochter congstar.

congstar bucht schon seit vielen Jahren auch VDSL-Anschlüsse anderer Unternehmen und hatte sogar FTTH-Leitungen von NetCologne im Angebot, die unter eigener Marke an den Kunden gebracht wurden. Jetzt bedient sich die Telekom zumindest übergangsweise dieser Systeme mit allen Vor- und Nachteilen.

congstar müsste eigentlich Call by Call anbieten

Als congstar damals mit eigenen Festnetzanschlüssen startete war der Aufschrei aus der Call-by-Call-Lobby groß. Die Anbieter sahen den Anfang vom Ende des Call by Call und befürchteten, dass die Telekom über ihre Tochterfirma Anschlüsse schaltet und sich so der Verpflichtung zur Anbietervorauswahl entzieht. Das sah damals auch die Bundesnetzagentur so und verpflichte congstar per Verfügung, ebenfalls Call by Call anzubieten. Dabei gab es damals noch unterschiedliche Auffassungen über die Art der Umsetzung. congstar befürworte eine routerseitige Lösung während die BNetzA auf eine netzseitige Implementierung pochte.

Die netzseitige Implementierung soll, weil congstar auch bei anderen Anbietern einkauft, einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet haben, hieß es damals. Doch Call by Call über congstar kam beim Endkunden nie an. Der Grund: Die Call-by-Call-Anbieter haben Verträge zur Netzzusammenschaltung mit der Deutschen Telekom, nicht aber mit congstar. Verträge mit congstar hat - so zumindest der Stand der teltarif.de-Redaktion - bislang kein Call-by-Call-Anbieter abgeschlossen. Anfang 2011 sagte congstar uns: "Bis dato wurden keine entsprechenden Verträge mit der congstar GmbH geschlossen, da sowohl für congstar als auch für Verbindungsnetzbetreiber die Aufwände in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen stehen." Das scheint bis heute so geblieben zu sein.

Stellungnahme der Bundesnetzagentur

Die Aufsichtsbehörde im Telekommunikationsmarkt, die Bundesnetzagentur, teilte uns auf Anfrage mit, dass die Verpflichtung Call by Call zu ermöglichen "auch bei den [...] genannten Anschlüssen der Telekom Deutschland, welche auf Basis der bestehenden IT-Systeme der Congstar GmbH realisiert werden" gilt. Die Telekom Deutschland habe die erforderlichen Investitionen getätigt und alle technischen Vorkehrungen getroffen, um Call by Call auch an diesen Telefonanschlüssen zu ermöglichen, teilte der Regulierer mit. Doch die tatsächliche Nutzungsmöglichkeit durch Endkunden hänge von entsprechenden Vereinbarungen zwischen einem Anbieter von Betreiber(vor)auswahl und congstar ab, heißt es vom Regulierer abschließend. Dass die Anschlüsse als Telekom-Anschlüsse vermarktet werden, aber auf der congstar-Plattform realisiert, spielt regulatorisch offenbar keine Rolle - zumal es ja rechtlich offenbar die Möglichkeit von Call by Call gibt und "nur" die Verträge zwischen den Gesellschaften fehlen.

Alternativen für die Kunden

Dass es in Zeiten zurückgehender Call-by-Call-Umsätze noch Verträge zwischen congstar und den verschiedenen Anbietern gibt, schätzt teltarif.de als unwahrscheinlich ein. Eine Umfrage bei verschiedenen im Markt aktiven Anbietern läuft unsererseits. Kunden mit einem Magenta-Start-Anschluss sei indes der Callthrough-Dienst ans Herz gelegt, der auch für Kunden alternativer Anbieter eine Möglichkeit ist, die oftmals hohen Telefonkosten des eigenen Anbieters zu umgehen. Je nach Anrufvolumen kann bei den Anbietern mit einem Kundenaccount und Prepaid-Guthaben gearbeitet werden oder es sind Telefonate über etwas teurere 0180-Nummern möglich, die aber möglicherweise günstiger sind als ein direktes Gespräch ins Ausland. In einige Länder kann dank der Festnetz-Flatrate bei MagentaZuhause Start sogar kostenlos telefoniert werde. All diese Informationen finden Sie in unserem Callthrough-Rechner.

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