Eindeutig

Telekom: Die Stimme als Passwort ausprobiert

Wer merkt sich Kundennummer oder Kundenkontonummer? Die Deutsche Telekom führt die SprachID ein. Einmal eingerichtet, reicht ein "Zaubersatz" zur Identifizierung.
Von der IFA in Berlin berichtet
AAA
Teilen (40)

Wer bei einer "wichtigen" Hotline anruft, wird nach verschiedenen Daten gefragt. Schließlich soll ja sichergestellt werden, dass kein Unbefugter an Ihrem Telefon-Vertrag herumschraubt, eine neue SIM-Karte an eine andere Adresse bestellt oder Geld auf fremde Konten überweist und damit die Identität des Kunden stiehlt.

Kunden der Deutschen Telekom, die bei der Hotline anrufen, müssen Kundennummer und Buchungskontonummer, das Geburtsdatum, Adresse oder ein Passwort wissen. Dabei werden nicht immer alle Daten zugleich abgefragt. Wer sie nicht zur Hand hat: Kundennummer und Buchungskontonummer befinden sich auf der monatlichen Rechnung, die oft per E-Mail, vielleicht noch per Papierpost, ins Haus kommt oder unter telekom.de/kundencenter im Internet abgerufen werden kann.

Festnetz oder Mobilfunk - unterschiedliche Nummern

Auf der IFA wurde der Stimmabdruck als Anhänger ausgegeben und der Dienst SprachID gestartetAuf der IFA wurde der Stimmabdruck als Anhänger ausgegeben und der Dienst SprachID gestartet Die Telekom verwendet bei Festnetz und Mobilfunk unterschiedliche Längen. Die Festnetz-Kundennummer ist 10-stellig, die Festnetz-Buchungskontonummer auch. Bei Mobilfunk gibt es eine 8-stellige Kundennummer und eine 10-stellige Buchungskontonummer. Gefragt wird oft nach dem Geburtsdatum (was oft auch "Außenstehende" wissen können) und dem Kundenkennwort, sofern bei Vertragsabschluss eines vereinbart wurde. Das Login-Passwort für das Online-Kundencenter geht die Hotline nichts an, es wird auch niemals abgefragt.

SprachID am stabilen Telefonanschluss einrichten!

Zur IFA hat die Deutsche Telekom die SprachID vorgestellt: Hier wird der Kunde anhand seiner Stimme identifiziert.

Original-Kunden der Deutschen Telekom wählen dazu die kostenlose Rufnummer 0800-0800358, am besten von einem "stabilen" Telefonanschluss, der DTMF-Tonwahltöne zuverlässig übertragen kann. Das kann auch irgendein Handy in irgendeinem Netz sein, nur sollte die Mobilfunkverbindung stabil sein. Unterwegs oder bei drohenden Funklöchern könnte es zu Problemen kommen.

Wer nicht vom eigenen Telefon aus anruft (z.B. aus der Firma, von Freunden oder einem anderen Handy) beantwortet die Frage "Rufen Sie vom eigenen Anschluss aus an" mit "Nein". Sofort wird nach der betroffenen Telefonnummer gefragt. Diese langsam und gleichmäßig auf der Tastatur eintippen. Wird sie sofort erkannt, ist alles klar, ist die Erkennung "undeutlich", muss sie wiederholt werden. Bei der anschließenden Bestätigungsansage genau hinhören! Bei Anrufen über Telefonanlagen kamen bei unserem Test Töne "doppelt" oder auch falsch im System an. Beispiel: Die Rufnummer lautete "0123-4567", das System erkannte 0122-445677. Das Problem ließ sich wiederholt nachvollziehen. Von einem Handy klappte es auf Anhieb. Der Grund: Manche Telefone senden nur kurze DTMF-Töne, auch wenn länger auf die Taste gedrückt wird.

Stimmt die Telefonnummer, werden vom System die Kundennummer und Buchungskontonummer abgefragt, auch diese werden über die Tastatur eingegeben oder per Sprache langsam und Ziffer per Ziffer angesagt.

Meine Stimme - mein Passwort

Sind diese alle korrekt, wird der Kunde gebeten, den entscheidenden Satz zu sagen: "Bei der Deutschen Telekom ist meine Stimme mein Passwort." Dieser Satz muss dreimal wiederholt werden. Nun wird der Anrufer als Inhaber einer gültigen Sprach-ID begrüßt und erhält, sofern es um seinen Mobilfunkanschluss geht, eine SMS zur Bestätigung.

Wir haben einen Tag nach der Einrichtung die Hotline angerufen und wurden automatisch gebeten, diesen Satz "den Sie ja schon kennen", zu sagen. Wir waren drin. Es funktioniert also.

Jede Stimme ist ein Original

Wie der Fingerabdruck ist die Stimme des Menschen ziemlich einmalig, sogar bei Zwillingen. Somit ist diese Erkennung eine praktische Möglichkeit, bei der Kundenhotline bei Bedarf Änderungen am eigenen Anschluss vornehmen zu können, ohne die Kennziffern parat zu haben, etwa die Buchung oder Kündigung einer Option, einer Vertragsverlängerung oder auch bei der Sperrung eines verlorengegangenen Handys.

Dabei ist die Telekom kein Vorreiter, sondern setzt eine Technik ein, die sich anderswo, z.B. bei Banken, Versicherungen oder im e-Government schon bewährt hat.

Die Umstellung auf SprachID ist freiwillig. Wer dem System nicht über den Weg traut, kann sich weiter über Kundennummer, Buchungskontonummer, Geburtsdatum und Kennwort identifizieren. Nur sollten diese Daten auch gut vor fremden Zugriff geschützt gespeichert werden.

Mehrfache Sicherheit

Da - zumindest bei der Telekom - alle Vertragsänderungen sofort per E-Mail und auch per SMS bestätigt werden, ist die Gefahr, hier "entführt" zu werden, deutlich geringer, wenn noch ein paar Grundregeln beachtet werden. Für Auftragsbestätigungen und Korrespondenz mit der Telekom kann eine eigene E-Mail-Adresse verwendet werden, die im Alltag nicht genutzt oder bekannt gegeben wird. Das könnte eine T-online-Adresse sein, muss es aber nicht. Ein Angreifer müsste also erst diese für ihn eigentlich "unbekannte" E-Mail-Adresse finden, "knacken" und umleiten, um damit die Identität entführen zu können. Die Passwörter für Kundencenter wie Anschlusskennung, persönliches Kennwort (das Masterkennwort) und Webkennwort (das Passwort für den Alltag) sollte von Zeit zu Zeit geändert und möglichst sicher aufbewahrt werden.

Wenn eine Meldung per E-Mail oder SMS kommt: Diese Nachrichten genau anschauen, ob sie echt sind und was sie mitteilen. Wurde nichts bestellt oder liegt der Verdacht auf ID-Diebstahl vor, kann die Telekom unter 0800-3301000 (Festnetz) oder 0800-3302202 (Mobilfunk) informiert werden. Aus dem Ausland sollte der Kundenservice Festnetz unter +49-1802-331000 der Service für Mobilfunk vom Handy unter 2202 oder unter +49-171-252-2202 zu erreichen sein.

Und Service-Provider?

Kunden von Service-Providern, wie congstar, mobilcom-debitel etc., die im Netz der Telekom telefonieren, können den ID-Service der Telekom nicht nutzen. Sie müssen warten, bis ihr eigener Vertragspartner einen vergleichbaren Dienst anbietet.

Teilen (40)

Mehr zum Thema Passwörter