Ermittlungen

Spionageverdacht: ZTE soll Telekom-Manager bestochen haben

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bestechungsverdacht gegen zwei ZTE-Manager und einen ehemaligen Telekom-Mitarbeiter, der gegen Geld Betriebsgeheimnisse verraten haben soll.
Von Marie-Anne Winter
AAA
Teilen (13)

Insider-Informationen sind begehrt, weshalb dafür in der Regel auch gut gezahlt wird. Aus dem Grund kommen auch immer wieder Mitarbeiter in Versuchung, Betriebsgeheimnisse zu verraten. Wie die Rheinische Post berichtet, hat die Telekom einen solchen Fall im eigenen Haus entdeckt. In einem anonymen Hinweis wurde ein Telekom-Manager beschuldigt, Interna des von der Telekom gemeinsam mit Orange betriebenen Einkaufs­unter­nehmens Buyin an den chinesischen Konzern ZTE weitergegeben zu haben. Dafür soll er mehr als 150 000 Euro bekommen haben.

Zwei ZTE-Manager sollen einen ehemaligen Telekom-Mitarbeiter bestochen haben.Zwei ZTE-Manager sollen einen ehemaligen Telekom-Mitarbeiter bestochen haben. Bereits im Februar soll der Telekom-Mitarbeiter diese Verfehlung gestanden haben, es kam zu einem Aufhebungsvertrag. Die Telekom schaltete danach die Justiz ein. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn der Zeitung bestätigte, gibt es Ermittlungen gegen einen früheren Mitarbeiter der Telekom und zwei Manager von ZTE unter anderem wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr. In diesem Zusammenhang wurden Büroräume von ZTE in Bonn durchsucht. Die Telekom habe bestätigt, gegen zwei ZTE-Manager Strafanzeige gestellt zu haben.

Für ZTE ist die Sache ziemlich peinlich, versucht der Hersteller aus Shenzhen doch schon seit Jahren, bessere Beziehungen zu den großen Telekom­munikations­konzernen hierzulande aufzubauen. Durch diesen Vorfall dürfte das für ZTE bei der Telekom jetzt schwer werden. Telekom-Vorstandschef Tim Höttges sehe den Vorgang als unerträglich an, heißt es. ZTE müsse nun eine internationale, unabhängige Anwaltskanzlei einschalten, um die Vorgänge aufzuklären, verlange die Telekom. Es sei nicht akzeptabel, dass ZTE sich einen Vorteil bei Ausschreibungen durch Werksspionage verschaffen wolle.

Verdächtige sind abgetaucht

Die beiden verdächtigen ZTE-Manager sind derzeit nicht greifbar, zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung waren sie bereits überraschend abgereist - die hinterlassenen Büros sollen aber auffällig gut aufgeräumt gewesen sein. Der derzeitige Aufenthaltsort der ZTE-Mitarbeiter ist nicht bekannt. Dieser Umstand sorgt nun für Unmut bei den Ermittlern - hätte die Telekom die Strafanzeige früher gestellt, hätten möglicherweise Beweise sichergestellt und die Täter gefasst werden können. Die Telekom hingegen meint, dass eine Strafanzeige erst sinnvoll gewesen sei, nachdem der bestochene Mitarbeiter alles gestanden habe.

Die Rheinische Post berichtet weiter, dass ZTE in Deutschland auf mehrere Nachfragen der Redaktion nicht reagiert habe, erst nachdem der Artikel über die Affäre erschienen sei, habe sich die ZTE-Zentrale aus China gemeldet: Man habe in der Zentrale erst durch den Bericht der Rheinischen Post von den Bestechungsvorwürfen gegen die ZTE-Manager erfahren und werde in Absprache mit der Deutschen Telekom versuchen, die ganze Affäre aufzuklären.

Teilen (13)

Mehr zum Thema Wirtschaft