Statement

Telekom-Chef: Vorwurf der Re-Monopolisierung ist "Unsinn"

Fördert die BNetzA mit dem VDSL-Vectoring-Konsolidierungsentwurf eine Re-Monopolisierung? Dagegen verwahrt sich Telekom-Chef Niek Jan van Damme. Er verweist auf die Leistungen der Telekom beim Breitbandausbau und fordert einen Technologiemix.

Niek Jan van Damme van Damme: Vorwurf der Re-Monopolisierung ist "Unsinn"
Bild: Telekom
Im Streit um das umstrittene VDSL Vectoring meldet sich heute Niek Jan van Damme, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH zu Wort. Seitens der Wettbewerber und einiger Marktbeobachter steht der Vorwurf im Raum, dass die Bundesnetzagentur mit dem VDSL-Vectoring-Kon­soli­dierungs­ent­wurf eine Re-Monopolisierung des Telefonnetzes fördere.

In der Telekom-Publikationsreihe Management zur Sache verteidigt van Damme heute die Ausbaupläne, die sich im übrigen nicht ausschließlich auf VDSL Vectoring konzentrieren würden.

Deutsche Infrastruktur nicht schlechtreden

Niek Jan van Damme van Damme: Vorwurf der Re-Monopolisierung ist "Unsinn"
Bild: Telekom
In seinem Beitrag kritisiert der Telekom-Vorstand zum wiederholten Male die Wettbewerber und ihre Positionen. van Damme schreibt unter anderem:

Starke Polarisierung und übertriebene Selbstkritik vergiften derzeit die Diskussionskultur in Deutschland. Das gilt besonders auch für die Debatte um den Breitbandausbau. Es wird über angeblich richtige und falsche Technik gestritten, das Gespenst der Re-Monopolisierung an die Wand gemalt und Bundesregierung und Aufsichtsbehörden einseitige Parteinahme unterstellt. Zudem wird eine der besten Infrastrukturen in Europa schlechtgeredet. Das ist falsch und schadet Deutschland. Wir haben ein gemeinsames Ziel: Die Netze für die Gigabit-Gesellschaft zu bauen. Und wir sind auf gutem Weg dahin.

van Damme nennt Zahlen der EU-Kommission, nach denen Deutschland zu den "führenden Breitbandnationen" in Europa gehört. Hierzulande hätten 81 Prozent der Haushalte "Anschlüsse mit mehr als 30 Megabit pro Sekunde" zur Verfügung. Im EU-Schnitt gelte das nur für 71 Prozent. Länder wie Schweden würden zwar höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten erreichen, bei der Flächenversorgung aber "weit" hinter Deutschland liegen. Deutschland würde die "digitale Spaltung von Stadt und Land" besser überwinden.

Telekom unterstützt Breitbandziele der Regierung

van Damme verfolgt weiterhin loyal die Position der Bundesregierung, bis 2018 flächendeckend für mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu sorgen, egal mit welcher Technik. Die Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur sei dafür "eine gute Nachricht". Die Wettbewerber könnten ja schließlich von ihrem Recht Gebrauch machen, "einige dieser Bereiche exklusiv auszubauen". Die Telekom habe angeboten, "den Rest zu machen".

Außerdem könnten die Wettbewerber das Telekom-Netz weiterhin nutzen - "unser Netz" sagt van Damme hier mit einer kleinen Spitze gegenüber den Kritikern, die einwenden, das "alte" Telefonnetz aus Bundespost-Zeiten gehöre ja eigentlich nicht der Telekom, sondern den Steuerzahlern. Für die Mitnutzung durch die Wettbewerber würde die Telekom "sogar ein weiteres Vorleistungsprodukt" anbieten, mit dem diese ihre Kunden versorgen könnten. Der Vorwurf der Re-Monopolisierung sei also "Unsinn".

Wenn in Zukunft die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen bis in die Haushalte ansteigen sollte, würde die Telekom die "restliche Kupferstrecke" ebenfalls in Glasfaser austauschen. Das sei "der zweite Schritt in die Gigabit-Gesellschaft". Wer sofort einen Glasfaseranschluss bis ins Haus haben wolle, könne auch das bekommen. Über das Telekom-Projekt "Mehr Breitband für mich" hat teltarif.de berichtet.

Zum Schluss seiner Ausführungen verweist van Damme aber auch auf alternative Breitband-Technologien wie LTE. Über das Telekom-Hybrid-Angebot könnten viele Menschen schon heute einen schnellen Internetanschluss bekommen. Entscheidend für "die beste mögliche Internetverbindung" sei nicht eine bestimmte Technik, sondern "der richtige Technologiemix". Alles, was mehr Bandbreite schaffe, sei "gut für die Menschen und gut für Deutschland".

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