Netztest

Mobiles Internet im Netz der Deut­schen Telekom im Test

Wir waren zwei Monate lang in Deutschland unterwegs, um die Performance des Internet-Zugangs in den Mobilfunknetzen zu testen. Den Auftakt unserer diesjährigen Netztest-Reihe machen die Ergebnisse im Netz der Deutschen Telekom.

Wie in den vergangenen Jahren waren wir im Frühjahr wieder mit SIM-Karten aus allen deutschen Mobilfunknetzen unterwegs, um vor allem die Performance des Internet-Zugangs zu testen. Dieses Mal dienten das Apple iPhone 7 Plus, das Apple iPhone SE, das Huawei Mate 9 und das OnePlus 3 als Testgeräte, wobei wir die SIM-Karten wechselweise in den verschiedenen Smartphones verwendet haben.

Dieses Mal hatten wir den Testzeitraum auf zwei Monate erweitert. In diese Periode fielen Reisen nach Niedersachsen und Berlin, Hessen und Bayern. Zudem haben wir die Versuche in Großstädten, kleineren Gemeinden und auch in ländlichen Regionen vorgenommen. Dabei haben wir untersucht, welche Datenraten wir im Speedtest erreichen und wie sich der Internet-Zugang in der praktischen Nutzung dargestellt hat.

Telekom-Netz auf dem Prüfstand Telekom-Netz auf dem Prüfstand
Logo: Telekom, Fotos: Telefonica/teltarif.de, Montage: teltarif.de
Auf einer - nicht repräsentativ ausgewählten - Teststrecke in Osthessen haben wir zudem Radiostreaming ausprobiert. Immer mehr Fahrzeuge bieten die Integration von Android Auto und Apple CarPlay. Auch bei anderen Autos ist es möglich, Webradio zu nutzen - etwa über eine Bluetooth-Verbindung vom Handy zum Car-HiFi-System.

Telekom-LTE-Netz mit nur noch wenigen Lücken

Die Deutsche Telekom hat ihr LTE-Mobilfunknetz auch in den vergangenen zwölf Monaten kontinuierlich weiter ausgebaut. Ein Blick auf die Ausbaukarte zeigt, dass die im vergangenen Jahr vor allem in ländlichen Regionen noch klaffenden Lücken deutlich verkleinert wurden. In Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald oder dem Harz, im Sauerland oder in der Rhön gab es vor einem Jahr noch deutliche 4G-Funklöcher, die es nun gar nicht mehr gibt oder zumindest wesentlich kleiner geworden sind.

Auch im Osten Deutschlands sind die weißen Flecken auf der LTE-Versorgungskarte nochmals kleiner geworden. Weitere Verbesserungen sind bereits geplant. So hat die Telekom im März den Startschuss für den 4G-Ausbau im Frequenzbereich um 900 MHz gegeben. Sukzessive soll hier eine LTE-Basisversorgung an allen Standorten aufgebaut werden, an denen bereits das GSM-Netz im gleichen Frequenzbereich ausgebaut ist.

Auch bei unserem Test hat sich der verstärkte 4G-Ausbau der Telekom bemerkbar gemacht, denn wir hatten an keinem einzigen der eher zufällig ausgewählten stationären Messpunkte nur UMTS oder gar GSM zur Verfügung. Mobil im Auto sind die Lücken im LTE-Netz, in denen das Handy auf 3G oder 2G zurückschaltet, ebenfalls sehr klein geworden. Meist hatten wir dann zumindest noch UMTS zur Verfügung. Lediglich in der Rhön gab es Stellen, in denen kurzzeitig nur GSM und mobiles Internet über EDGE zur Verfügung stand.

Telekom LTE: Surfen wie im Festnetz

Wie schon im vergangenen Jahr konnten wir im LTE-Netz der Deutschen Telekom problemlos surfen. Wirklich schlechte Erfahrungen haben wir nicht gemacht, auch wenn die gemessenen Speedtest-Werte weit unter dem Maximalwert von 300 MBit/s im Downstream lagen, den die Telekom derzeit vermarktet. Dabei gilt es zu bedenken, dass derartige Spitzenwerte vom Endgerät, vom empfangenen Mobilfunksignal und nicht zuletzt davon abhängen, wie viele Nutzer gerade parallel die Funkzelle nutzen.

Echte Überlastungserscheinungen hatten wir in Berlin und in Hanau, östlich von Frankfurt am Main, beobachtet. So lagen in der Hanauer Innenstadt die Downstream-Werte über denen für den Upstream. Übertragungsraten von 23,49 bis 25,53 MBit/s bei Downloads sowie 26,11 bis 31,33 MBit/s bei Uploads sind dennoch für die mobile Nutzung völlig in Ordnung und auch die Ansprechzeiten von 37 bis 42 ms waren zwar keine Spitzenwerte, aber noch akzeptabel. Top-Performance auf der Zugspitze Top-Performance auf der Zugspitze
Foto: teltarif.de

Durchwachsene Ergebnisse in Berlin

In Berlin-Lichterfelde haben wir bei eher schlechtem LTE-Signal 8,5 bis 9,96 MBit/s im Downstream und 400 bis 510 kBit/s im Upstream gemessen. Das sind für 4G-Verhältnisse wirklich schlechte Ergebnisse, auch wenn das beim Surfen am Smartphone kaum auffällt. Unterdurchschnittlich waren hier auch die Pingzeiten, die bei 47 ms lagen.

Die unterdurchschnittlichen Ergebnisse sind allerdings keineswegs repräsentativ für das Telekom-Netz in der Bundeshauptstadt, wie sich bei einer weiteren Messung in Moabit gezeigt hat. Hier erreichten wir 60,44 bis 74,85 MBit/s im Downstream und 46,21 bis 47,40 MBit/s im Upstream bei Ansprechzeiten zwischen 43 und 47 ms.

Spitzenwert auf der Zugspitze

Der einzige Ort, an dem wir im diesjährigen Test im Netz der Deutschen Telekom auf einen dreistelligen MBit/s-Wert kamen, war kurioserweise die Zugspitze. Hier erreichten wir exakt 100,57 MBit/s im Downstream und 13,45 MBit/s im Upstream. Das ist ein Ergebnis auf VDSL-Vectoring-Niveau im Festnetz. Auch die Reaktionszeiten waren mit durchschnittlich 34 ms recht gut.

An der Landshuter Allee in München haben wir immerhin bis zu 81,65 MBit/s im Downstream und 26,47 MBit/s im Upstream bei Pingzeiten zwischen 36 und 43 ms gemessen. Im Cuxhavener Fährhafen kamen wir auf bis zu 82,08 MBit/s bei Downloads und 22,76 MBit/s bei Uploads. Hier lagen die Pingzeiten allerdings bei für den 4G-Standard eher schlechten 55 bis 59 ms.

Gute Ergebnisse auf dem Land

Die durchweg positiven Resultate waren nicht auf Großstädte und die Zugspitze als Kuriosum beschränkt. Auch im eher ländlich geprägten Gießener Stadtteil Allendorf in Mittelhessen haben wir immerhin 29,94 bis 30,83 MBit/s im Downstream und 12,62 bis 13,37 MBit/s im Upstream gemessen. Mit 34 bis 43 ms waren auch die Ansprechzeiten akzeptabel. In Oberwildflecken in der Rhön haben wir 14,47 bis 19,47 MBit/s bei Downloads und 4,37 bis 5,4 MBit/s bei Uploads gemessen. Hier lagen die Ansprechzeiten bei 39 bis 43 ms.

Überrascht waren wir von der guten Performance in Heinrichsthal im bayerischen Spessart. Downloads waren in der kleinen Gemeinde mit 62,85 bis 66,87 MBit/s möglich, bei Upload-Tests reichten die Ergebnisse von 19,99 bis 20,22 MBit/s und auch die Pingzeiten waren mit 30 bis 40 ms recht ordentlich. Guter LTE-Ausbau auch in ländlichen Regionen Guter LTE-Ausbau auch in ländlichen Regionen
Foto: Telekom, Screenshot: teltarif.de

Streaming-Test in Osthessen

In Osthessen haben wir zudem einen Radio-Streaming-Test durchgeführt. Der Weg führte uns auf der Bundesstraße 276 vom eher ländlichen Biebergemünd auf die Autobahn 66 Richtung Fulda. Hier hatten wir im Mobilfunknetz der Deutschen Telekom fast durchgehend LTE-Empfang, so dass stets ein performanter Internet-Zugang zur Verfügung stand.

Wir haben im Streaming-Test ein Hörfunkprogramm über die TuneIn-Radio-App ausgewählt, das mit 128 kBit/s in MP3 ausgestrahlt wird. Das Programm wurde vor Fahrtantritt auf die Car-HiFi-Anlage übertragen. Unterwegs wollten wir wissen, wie stabil das Signal auf der knapp 40 Kilometer langen Strecke nach Schlüchtern, unweit von Fulda, ist. Im Telekom-Netz wurde der Stream ohne Unterbrechungen wiedergegeben.

Indoor-Versorgung teilweise noch problematisch

Trotz des grundsätzlich positiven Eindrucks, den wir vom Internet-Zugang im Mobilfunknetz der Deutschen Telekom gewonnen haben, gibt es auch Anlass für Kritik. In Städten lässt die Indoor-Versorgung mit LTE nach wie vor teilweise zu wünschen übrig. Während man im Freien gut über LTE surfen kann, ist innerhalb von Gebäuden oft nur das GSM-Netz und demnach EDGE-Internet verfügbar. Allerdings bessert sich die Situation durch den verstärkten LTE-800-Ausbau auch in urbanen Regionen und durch den zusätzlichen Einsatz von 4G auf 900 MHz.

Leider gibt die Telekom ihr LTE-Netz nach wie vor nicht für Discounter frei. Kunden von Marken wie congstar haben demnach nichts vom guten 4G-Ausbau und sind für den Internet-Zugang auf UMTS angewiesen, das nicht weiter ausgebaut wird, sondern mittelfristig sogar zugunsten eines weiteren LTE-Ausbaus aufgegeben werden soll.

Die Tests der anderen Netzbetreiber

Auch die Netze von Vodafone und Telefónica haben wir auf den Prüfstand gestellt. Lesen Sie hier den Vodafone-Netztest. Den Telefónica-Test haben wir inzwischen auch veröffentlicht.

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