Telekom-Netzetag

Telekom 5G-SA für Privatkunden: "Das Netz kann es"

Telekom-Netzetag: Das Ziel sind 90 Prozent Flächen­deckung oder 99 Prozent der Haus­halte mit 5G bis 2025 zu versorgen.

Beim Netzetag der Telekom ging es nicht nur um Glas­faser, sondern auch um Mobil­funk. Der schei­dende Technik-Geschäfts­führer Walter Golde­nits gab einen Rück­blick: "2019 sind wir mit 54 Antennen gestartet, und 2022 können (theo­retisch) 94 Prozent der Bevöl­kerung 5G nutzen (wenn sie Kunde bei der Telekom sind und einen 5G-fähigen Vertrag gebucht und ein passendes Endgerät zur Hand haben).

1 GBit/s auch ohne 3,6 GHz

Auf der beson­ders schnellen Frequenz bei 3,6 GHz funken bereits 8.000 Stationen. Golde­nits kündigte an, dass künftig Geschwin­dig­keiten von 1 GBit/s im Netz ohne den Einsatz von 3,6 GHz möglich sein sollen. An Bahn­stre­cken wurden 500 neue Sende­sta­tionen gebaut oder erwei­tert, 100 Bahn-Tunnels wurden entweder aufge­rüstet oder frisch versorgt (wo vorher nichts war.) Auf der Schiene hat sich - trotz aller Widrigkeiten - einiges getan Auf der Schiene hat sich - trotz aller Widrigkeiten - einiges getan
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Dabei gibt es ein Problem bei der Bahn: Eigent­lich sollten alle Züge und Loko­motiven in Deutsch­land neue bessere GSM-R-Funk­geräte (mit "gehär­teten" Empfän­gern gegen Funk­stö­rungen durch LTE900) bekommen haben, aber einige auslän­dische Bahn­ver­wal­tungen fahren noch mit "alten" Geräten durch das Land.

Man hätte diese Züge aussperren können, das hätte aber Revanche-Akte gegen Züge der Deut­schen Bahn in benach­barten Ländern zur Folge gehabt. Also bleiben einige LTE900-Stationen in Bahn­stre­cken­nähe vorerst nicht gebaut, das kann man der Telekom und ihren Mitbe­wer­bern gewiss nicht vorwerfen.

Gentingen: Hinhal­tetaktik von Gemeinden

Und dann gibt es Orte, wo partout kein Standort zu finden ist. Der Ort Gentingen (Eifel, Rhein­land-Pfalz, 67 Einwohner) hält die Telekom seit Jahren hin. Schluss­end­lich sei ein Hoch­was­ser­gebiet als Standort vorge­schlagen worden.

Spätes­tens seit dem Ahr-Hoch­wasser wäre die Station dem Risiko ausge­setzt, im entschei­denden Fall wegzu­schwimmen. Golde­nits betonte, nichts gegen den Ort Gentingen zu haben, aber das sei irgend­wann nicht mehr nach­zuvoll­ziehen.

Müritz: Eisen­bahn ja, Mobil­funk nein?

Die ICE-Strecke von Berlin nach Rostock verläuft durch Meck­len­burg-Vorpom­mern, genauer durch den Müritz-Natio­nal­park. Die Strecke wurde dort geneh­migt, Basis­sta­tionen werden es aber nicht. Auch hier verzwei­feln die Netz­betreiber an den regio­nalen Behörden. (Update: Die Strecke wurde 1984 elek­tri­fiziert, der Natio­nal­park erst 1990 einge­richtet.Ende Update) In Gentingen (Eifel) ist ein Funkloch. Die Gemeinde schlägt ein Hochwasser-gefährdeten Standort vor In Gentingen (Eifel) ist ein Funkloch. Die Gemeinde schlägt ein Hochwasser-gefährdeten Standort vor
Foto: Henning Gajek teltarif.de

Nach­folger stellt sich vor

Golde­nits stellte seinen Nach­folger Abdu(zarak) Mudesir, vor: "Ich komme ursprüng­lich aus Äthio­pien" (in Afrika). In Äthio­pien werden 80 verschie­dene Spra­chen gespro­chen, die Haupt­sprache ist amha­risch. Mudesir hat in Bremen studiert und spricht sehr gut deutsch. Er dankte dem Team, sich ausführ­lich auf seine Aufgabe als tech­nischer Direktor (CTO) für Deutsch­land und Europa vorbe­reiten zu können. Die Doppel­funk­tion sieht er als großen Vorteil für seine Arbeit, Netze und Technik werden immer inter­natio­naler.

Technik- und Inno­vations-Vorständin Claudia Neman stellte ein Projekt vor, was ihr "persön­lich gut gefalle", ein hoch­prä­zises auto­mati­sches Einparken in einem Park­haus, das dazu voll­ständig mit 5G versorgt sein muss. Das Projekt CAMARA wird gemeinsam mit BMW durch­geführt.

Was ist mit Technik von Huawei?

Eine Frage aus dem Fach­publikum drehte sich um den chine­sischen Hersteller Huawei. Hier gäbe es keine Neuig­keiten, berich­tete Nemat. Huawei sei aus allen sicher­heits­kri­tischen Berei­chen "raus" und werde nur noch im Sender-Bereich ("Radio") verwendet.

Prin­zipiell kommen aber immer mehrere Liefe­ranten (Multi­vendor) zum Einsatz, hier z.B. Ericsson. Außerdem muss die Telekom ihre gesamte verbaute Technik beim BSI zur Prüfung anmelden. Die Zukunft liege bei Open-RAN, es steht aber noch einiges an Entwick­lung bevor.

Wann kommt 5G-SA?

Weiterhin keinen offi­ziellen Start-Termin gibt es bei 5G-SA für Privat­kunden. "Das Netz kann es", betonte Golde­nits. "Geschäfts­kunden können es für Campus-Netze buchen", aber für Privat­kunden sieht er weiter keinen Use-Case (Anwen­dungs­fall). Wenn es den gebe, werde es kommen.

Auch zur Sprach­über­tra­gung über 5G ("VoNR" oder "Vo5G" genannt), gibt es noch nichts Neues. Im Prinzip sei das VoIP, es fehle aber noch die fertige Stan­dar­disie­rung. Das Ziel für 2025 sind 90 Prozent Flächendeckung mit 5G Das Ziel für 2025 sind 90 Prozent Flächendeckung mit 5G
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

Wird FWA das Fest­netz ersetzen?

Einige Netz­betreiber setzen große Hoff­nungen auf Mobil­funk als "letzte Meile" zum Kunden. Man spricht dann von Fixed Wire­less Access (FWA), also ein orts­bezo­gener Internet-Zugang, der über Mobil­funk gelie­fert wird. Mit FWA will beispiels­weise der Netz­betreiber 1&1 starten, falls er startet.

Bei der Telekom ist man skep­tisch. T-Mobile USA habe mit 160 MHz viel mehr Band­breite, da könne man das tun, griff Telekom-Deutsch­land-Chef Gopalan die Frage von teltarif.de auf. In Deutsch­land gebe es viel weniger Frequenzen. FWA kann das Fest­netz nicht ersetzen. Ideal wäre hier die Frei­gabe von 600 MHz für Mobil­funk. Der Dienst NB IoT wird nicht mehr groß beworben, laufe aber weiter.

Zu den künf­tigen Ausbau­plänen für Breit­band-Stationen auf 3,6 GHz wollte die Telekom nichts sagen. Der Schwer­punkt liege bei nied­rigeren Frequenzen, im Mid-Band- (1500, 1800, 2100 MHz) und Low-Band (700, 800, 900 MHz)-Bereich. Nur so viel: "Wir wollen auch 2023 vorne bleiben."

Mobil­funk und Ener­gie­ver­brauch

Mit der Erpro­bung von Open RAN steige der Ener­gie­ver­brauch zunächst an. Es sei aber eine Heraus­for­derung, soge­nannte "Hard­ware-Acce­lera­toren" (beschleu­nigte Baugruppen) befanden sich bereits in der Entwick­lung. Ziel müsse bleiben, dass der Ener­gie­ver­brauch redu­ziert werde.

5G-Ausbau­ziel 2025: 90 Prozent Fläche

Wenn Netz­betreiber von ihrem Netz­ausbau berichten, nennen sie in der Regel Prozent­angaben in Bezug auf die (Wohn-)Bevöl­kerung. Bis 2025 möchte die Telekom 90 Prozent der Fläche mit 5G ausge­baut haben, was 99 Prozent der Wohn-Bevöl­kerung entspreche.

Der Ausbau der "rest­lichen" Prozente wird immer schwie­riger und aufwen­diger, von daher ist das eine deut­liche Ansage an den Wett­bewerb.

Neben dem Mobil­funk hat die Telekom einiges im Bereich Glas­faser vor.

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