Geldbeutel-App

Telekom: Ende für MyWallet?

Offenbar ist der Deal der Telekom mit der Targo Bank geplatzt. Soll die NFC-SIM basierende T-Wallet Lösung eingestampft werden?
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MyWallet der Telekom: Zukunft ungewissMyWallet der Telekom: Zukunft ungewiss Mobiles Bezahlen scheint für die Mobilfunkanbieter hierzulande kein Thema mehr zu sein. Branchengerüchten zu Folge soll das MyWallet-Projekt der Deutschen Telekom noch dieses Jahr komplett eingestampft werden.

Aus heiterem Himmel hatte die Deutsche Telekom ihren in London angesiedelten Zahlungsdienstleister Click and Buy eingestellt, weil das "nicht zur Kernkompetenz gehöre". Der einstige Zukauf Click and Buy war keine Bank im klassischen Sinne gewesen, sondern verfügte nur über eine Lizenz für elektronisches Geld. Mit dem Ende von Click and Buy schnitt die Telekom viele Nutzer von Apple iTunes von einer einfachen Bezahlmöglichkeit ihrer Einkäufe ab, da hierzulande nicht alle Menschen über eine eigene Kreditkarte verfügen oder diese aus Angst vor betrügerischen Vorgängen nicht im Internet einsetzen möchten.

Mit dem Ende von Click and Buy setzte die Telekom auch dem mobilen Bezahlen mittels NFC-SIM-Karte über das eigene Handy ein jähes Ende. Denn Click and Buy bot in Zusammenhang mit der darauf spezialisierten Wirecard Bank eine EC-/Kreditkarte kombiniert als virtuelle Karte auf der NFC-SIM von Telekom/T-Mobile und als physikalische Lösung (Plastikkarte) an. Damit war es möglich, mit einem NFC-fähigen Handy im Laden in wenigen Sekunden zu bezahlen, sofern der Laden schon mit NFC-Lesegeräten ausgestattet ist. Diese Geräte beginnen sich gerade erst in größerem Rahmen durchzusetzen.

Das Bezahlen mit der NFC-SIM ging auch dann, wenn das eigene Mobilfunknetz keine Netzversorgung an der Kasse bot, was heute nach wie vor in vielen Einkaufszentren und Supermärkten der Fall ist, und eine durchschlagende Verbesserung der Netzabdeckung ist oft nicht in Sicht oder braucht viel zu viel Zeit.

Banken und Netzbetreiber: Streit über virtuelle EC-/Kreditkarten?

Offenbar hatte man bei der Telekom gehofft, die klassischen Banken und Sparkassen endlich ins Boot zu bekommen. Diese hätten ihre bereits etablierten Bezahlkarten (wie EC-, Maestro- oder Master-/VISA-Kreditkarten) auch "virtuell" ausgeben und über das Netz des jeweiligen Mobilfunkanbieters auf die NFC-SIM-Karte des Mobilfunkanbieters laden müssen. Insider vermuten seit einiger Zeit, dass sich Mobilfunker und Banken nicht über die Lizenzkosten für das Aufspielen und Speichern der "virtuellen Karte" auf die NFC-SIM-Karte oder über die Provisionen beim einzelnen Bezahlvorgang einigen konnten.

Da Endkunden für den Bezahlvorgang an sich nichts extra bezahlen möchten, die Mobilfunkanbieter wie die Telekom den Speicherplatz aber nicht kostenlos hergeben wollten und die beteiligten Kreditkartenanbieter wie Mastercard, Visa oder andere ebenfalls eine Provision benötigen, um ihre Dienste finanzieren zu können, entstand ein offenbar nicht lösbarer Konflikt zwischen allen Beteiligten.

Zuletzt soll noch die Targo-Bank Interesse an der NFC-SIM gezeigt haben, wie verschickte Newsletter an bestehende MyWallet Kunden andeuteten. Der spätestens für September oder Oktober 2016 geplante Deal scheint wohl endgültig geplatzt zu sein, wie mit der Thematik vertraute Personen in einem einschlägigen Mobilfunkforum berichten.

Darüber hinaus war angedacht gewesen, über die MyWallet-App Kundenbindungs- und Bonuskarten zu verwalten, wie sie viele Geschäfte an treue Kunden ausgeben. Auch daraus scheint nichts geworden zu sein. Eine offizielle Ankündigung seitens der Telekom solle in Kürze erfolgen, hieß es dazu im Forum.

Wirecard Bank realisierte NFC-Lösung

Die Wirecard Bank, die über eine eigene Banklizenz verfügt, hatte die NFC-SIM Lösung für alle drei (damals noch vier) deutschen Mobilfunkanbieter realisiert. Das mobile Bezahlverfahren MPass, das ebenfalls auf die NFC-Lösung setzte, wurde schon vor kurzem eingestellt, und von Vodafones Wallet-Lösung, die am Ende noch mit dem Dachverband der Volks- und Raiffeisen Banken gesprochen hatten, hat man seitdem auch nichts mehr gehört.

Mobiles Bezahlen ohne Netzbetreiber

Mit dem Ausstieg der Mobilfunkanbieter gilt es als wahrscheinlich, dass die großen Zahlungs-Kartenanbieter mit NFC-Karten weiter arbeiten werden, die völlig ohne Handy funktionieren. Neue Fintech-Banken wie N26 oder das o2-Banking von FIDOR geben jeweils eine Plastikkarte mit NFC-Chip aus und verwenden ansonsten eine App auf dem Handy, die dem Kunden den Zahlungsvorgang in Echtzeit bestätigt.

Wann Apple mit seinem Apple Pay in Deutschland endlich startet, bleibt weiterhin im Dunkeln. Der Charme bei Apple wäre, dass Apple-iTunes-Kunden mit Apple-Smartphone oder -Smartwatch sofort überall, wo Zahlungen per NFC akzeptiert werden, einkaufen könnten. Als Nachteil wird der geringe Marktanteil von Apple-Endgeräten und den dafür notwendigen Kreditkarten gesehen, wenn man nicht mit iTunes-Rubbelcodekarten bezahlen will.

Früher oder später wird auch Googles Android Pay in Deutschland auftauchen. Wer lieber mit Payback wegen der möglichen Bonuspunkte arbeiten will, kann über die aktuelle Version der Payback-App in ersten Geschäften (z.B. den dm-Drogeriemärkten) mittels Handy bezahlen, möglicherweise ist dafür aber eine Netzversorgung am Kassenterminal erforderlich.

Auch der virtuelle Bezahlpionier Paypal scheint sich stärker ins Geschehen einklinken, wie aktuell laufende Werbekampagnen im Internet vermuten lassen.

Die Mobilfunker selbst sind von dem langsam anrollenden Zug "mobiles Bezahlen" nach zahlreichen erfolglosen Pilotprojekten kurz vor dem möglichen Durchbruch mutwillig abgesprungen und haben sich am Ende nur selbst geschadet.

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