Weiße Flecken

Telekom Lite: UMTS-freie Basis­station mit abgespecktem LTE

Es gibt immer noch kleine Dörfer ohne Handy-Netz. Die Telekom baut sie nun mit einer billigeren und "schlankeren" Lösung aus. Das bedeutet: Es gibt nur GSM und abgespecktes LTE, aber kein UMTS.
AAA
Teilen (15)

Rund um die 5G-Frequenz­ver­steigerung und die dazu von der BNetzA vorgelegten Vergaberegeln ist die Diskussion um einen flächendeckenden Mobilfunk-Netzausbau in Deutschland neu entbrannt. In vielen kleineren Dörfern können die Einwohner die Diskussionen um den zukünftigen 5G-Ausbau bereits jetzt schon nicht mehr hören - sie würden sich freuen, wenn sie zumindest einmal GSM, UMTS oder LTE bekommen würden, um überhaupt mobil telefonieren und surfen zu können.

Die Telekom entwickelt nun ein Programm namens "Mobilfunk Lite", mit dem kleinere Orte, die bisher in einem mobilfunktechnisch "weißen Fleck" lagen, günstiger ans Mobilfunknetz angebunden werden. Allerdings muss der Ort dafür diverse Voraussetzungen mitbringen - und die Bewohner müssen auf einzelne Netztechniken verzichten.

Abgespeckte Basisstation: Hier wird gespart

Die Gemeinde Kirchfarrnbach im Landkreis FürthDie Gemeinde Kirchfarrnbach im Landkreis Fürth In den vergangenen Jahren war es bereits zu beobachten, dass viele neu von der Telekom in Betrieb genommene Basisstationen nur noch GSM und LTE unterstützen, aber nicht mehr den UMTS-Standard. Dies ist auch der Fall beim Pilotprojekt "Mobilfunk Lite", über das die Telekom in ihrem Netz-Blog berichtet.

Dieses Prinzip der "Verschlankung" von Mobilfunk-Standorten wird bei "Mobilfunk Lite" nun weiter fortgesetzt. Im Blog berichtet die Telekom über ein Projekt in der mittelfränkischen Gemeinde Kirchfarrnbach im Landkreis Fürth. Dort wurde eine abgespeckte Basisstation auf dem Dach des Feuerwehr-Gerätehauses montiert. Der Technikraum benötigt keine Klimaanlage, weil dort auch eine normale Belüftung ausreicht.

Wie gesagt: Der Verzicht auf UMTS ist nicht neu. GSM inklusive SMS beherrscht die Basisstation natürlich ebenso wie LTE. Allerdings werden nur die Frequenzbänder LTE 800 und LTE 900 genutzt, alle anderen in Deutschland verwendeten LTE-Frequenzbereiche nicht. Die Telekom gibt an, dass sich die fehlenden Netzstandards bei der Basisstation aber notfalls nachträglich nachrüsten lassen.

Diese Voraussetzungen müssen für die Basisstation erfüllt sein

Die Telekom hat noch nicht genau analysiert, wie viel Geld sie mit der abgespeckten Basisstation sparen kann. Die Netzplaner vermuten allerdings, dass für eine Lite-Basisstation nur 70 Prozent der Kosten im Vergleich zu einer regulären Basisstation anfallen.

Allerdings müssen auch in der Gemeinde diverse Faktoren gegeben sein, damit eine kostengünstige Lite-Basisstation aufgestellt und in Betrieb genommen werden kann. Auf jeden Fall muss eine Glasfaser-Anbindung vorhanden sein. Teure Erdarbeiten sollen so weit es geht vermieden werden. Gut ist es auch, wenn die Antenne auf ein etwas erhöhtes Gebäude gebaut werden kann, sodass kein Mast aufgestellt werden muss. Die Gemeinde muss der Telekom also einen Standort zur Verfügung stellen, der "funknetzplanerisch" geeignet ist. In Kirchfarrnbach waren alle diese Faktoren mit dem Feuerwehr-Gerätehaus gegeben.

Grundsätzlich sollen mit der "Basisstation Lite" Orte angebunden werden, deren Versorgung bislang als "unwirtschaftlich" eingestuft wurde. Bis Mitte 2019 will die Telekom nun weitere Erfahrungen mit der Technik sammeln, um sicherzugehen, dass die abgespeckte Basisstation tatsächlich so funktioniert wie jetzt in Kirchfarrnbach. Ab Mitte nächsten Jahres sollen sich dann Kommunen ohne Netz, die die genannten Voraussetzungen erfüllen, bei der Telekom melden können.

Wie oft Wunsch und Wirklichkeit auch bei den Netzabdeckungskarten der Netzbetreiber auseinanderklafft, haben wir exemplarisch in zwei deutschen Regionen aufgezeigt.

Teilen (15)

Mehr zum Thema Netzabdeckung