4G

LTE 900 von der Telekom im Praxis-Test

Im vergangenen Jahr startete die Telekom mit LTE 900, um vor allem in Städten den Indoor-Empfang zu verbessern. Wir haben in Berlin getestet, wie sich das neue Frequenzband auswirkt.
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Die Deutsche Telekom hat in den vergangenen Jahren so ziemlich jeden Netztest gewonnen. Dabei wird aber oft nur die Netzabdeckung im Freien getestet. Viele Kunden kritisieren zurecht die nach wie vor oft mangelhafte Abdeckung innerhalb von Gebäuden vor allem in Großstädten. Oft wird außerhalb eines Hauses das LTE-Netz empfangen, in geschlossenen Räumen steht dann aber nur noch GSM und sehr langsames Internet über den EDGE-Standard zur Verfügung.

Hintergrund: Die Telekom hat ihr 4G-Netz in Städten vor allem auf 1800 und 2600 MHz aufgebaut. Erst nach und nach rüstet das Unternehmen LTE 800 nach. Speziell zur besseren Versorgung innerhalb von Gebäuden will die Telekom aber ihr 4G-Netz auch auf 900 MHz ausbauen. Der Startschuss dafür fiel im Frühjahr 2017. Sukzessive will der Bonner Telekommunikationsdienstleister alle Standorte, an denen das GSM-Netz funkt, auch mit LTE erschließen.

Test in Berlin-Gropuisstadt

LTE 900 ausprobiertLTE 900 ausprobiert Der Ausbau trägt erste Früchte, wie wir während der IFA in unserer Unterkunft in Berlin-Gropuisstadt feststellen konnten. Im Erdgeschoss eines Hochhauses, auf dem sich eine Mobilfunk-Basisstation der Deutschen Telekom befindet, war bislang nur das GSM-Netz des Bonner Betreibers verfügbar. Die LTE-Station strahlte buchstäblich über das Gebäude hinweg. Sobald man das Haus verließ, war der Empfang sehr gut, Datenraten im dreistelligen MBit/s-Bereich waren keine Seltenheit.

Selbst in Fensternähe reichte es aber nicht für ein brauchbares 4G-Signal. Das hat sich nach der Inbetriebnahme von LTE auf 900 MHz geändert, nachdem bislang nur der Frequenzbereich um 1800 MHz an besagtem Standort für das mobile Breitbandnetz genutzt wurde. Nicht nur in Fensternähe, sondern auch in der gesamten Wohnung und im Treppenhaus ist guter LTE-Empfang möglich.

Begrenzte Performance

LTE-Empfang auf 900 MHzLTE-Empfang auf 900 MHz Allerdings zeigt das Beispiel auch, dass die Performance des LTE-Netzes auf 900 MHz begrenzt ist. Das verwundert nicht, denn hier werden nur 5 MHz Bandbreite für das 4G-Netz genutzt. In der Praxis haben wir Übertragungsgeschwindigkeiten zwischen 4 und 9 MBit/s im Downstream sowie zwischen 1 und 2 MBit/s im Upstream erreicht. Die Ansprechzeiten lagen zwischen 32 und 38 ms.

Wir haben den Test an verschiedenen Tagen durchgeführt. Mehr als 9 MBit/s im Downstream haben wir nie gemessen. Typische Geschwindigkeiten waren 4 bis 6 MBit/s. Das mag auf den ersten Blick enttäuschend sein, wenn man an die mehr als 100 MBit/s denkt, die wenige Meter weiter im Freien erreicht werden. Andererseits sorgt der LTE-900-Ausbau dafür, dass in derartigen Empfangslagen überhaupt ein brauchbarer mobiler Internet-Zugang zur Verfügung steht.

So klappten Video- und Radio-Streaming

4 bis 9 MBit/s reichten im Test selbst für Video-Streaming aus. Das haben wir mit Zattoo und Sky Go getestet. Auch der Webradio-Empfang war über einen längeren Zeitraum stabil und ohne Aussetzer möglich. Wir konnten außerdem flüssig im Internet surfen. Lediglich Up- und Downloads dauerten aufgrund der begrenzten Performance länger als in den meisten anderen Fällen im LTE-Netz der Telekom oder auch über VDSL im Festnetz gewohnt.

Weiterer Vorteil des LTE-900-Ausbaus ist die Möglichkeit, dank VoLTE-Standard auch über das 4G-Netz zu telefonieren. So haben die Nutzer HD Voice und den neuen EVS-Standard zur Verfügung. Letzterer ermöglicht Handy-Gespräche in HiFi-Qualität, wie sich auch in einem Test von teltarif.de gezeigt hat.

Theoretisch bis zu 35 MBit/s im Downstream

Performance-Messung in den AbendstundenPerformance-Messung in den Abendstunden Zum Start des LTE-900-Ausbaus im März 2017 hatte die Telekom nach Bonn eingeladen. Seinerzeit teilte das Unternehmen mit, theoretisch seien Übertragungsraten von bis zu 35 MBit/s im Downstream möglich. Allerdings waren unsere Ergebnisse beim ersten Test mit 2 bis 5 MBit/s bei Downloads und 200 bis 600 kBit/s bei Uploads noch etwas schlechter als beim neuerlichen Test, den wir Ende August in Berlin durchgeführt haben.

Vodafone und Telefónica bieten LTE im Bereich von 900 MHz nicht an. Das hat einen ganz einfachen Grund: Die Telekom-Mitbewerber haben in diesem Frequenzbereich nur 10 MHz Bandbreite zur Verfügung. Diese wird aber für das GSM-Netz gebraucht, das immer noch als Mobilfunk-Basisversorgung dient. Die Telekom verfügt über 15 MHz Bandbreite auf 900 MHz und hat so die Möglichkeit, einen Teil des Spektrums für 4G einzusetzen.

Warum nicht auch LTE 800?

Der Ausbau des LTE-Netzes im Frequenzbereich um 900 MHz ist ein echter Mehrwert für die Kunden, wie sich in unserem Test gezeigt hat. Wünschenswert wäre es, dass die Telekom überall dort, wo es technisch möglich ist, zusätzlich das 4G-Netz im Frequenzbereich um 800 MHz aktiviert. Hier herrschen ähnliche Ausbreitungsbedingungen wie auf 900 MHz, sodass die Kunden mehr Kapazität und unter dem Strich einen schnelleren mobilen Internet-Zugang zur Verfügung hätten.

Zugegeben: Der Ausbau ist nicht in allen Fällen möglich. Eine Antenne für 900 MHz ist für das GSM-Netz ohnehin schon vorhanden. Nicht immer ist diese Antenne aber auch für einen benachbarten Frequenzbereich geeignet. Der Austausch, Umbau oder eine Erweiterung kann aus vielerlei Gründen scheitern - sei es, dass der Standort-Eigentümer die Änderung nicht gestattet, die Statik den Umbau nicht zulässt oder sich die Aufrüstung wirtschaftlich nicht rechnet.

In einem Themen-Special zeigen wir auf, wie ein Mobilfunknetz funktioniert.

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