Testlauf

IPv6-Test im Telekom-Mobilfunknetz: Erste Erfahrungen

In dieser Woche startete der Friendly User Test für IPv6 im Mobilfunknetz der Deutschen Telekom. Wir haben den "neuen" mobilen Internet-Zugang bereits ausprobiert.
AAA
Teilen (7)

Wie berichtet hat die Deutsche Telekom anlässlich der Berliner IFA interessierte Kunden zu einem Friendly User Test für IPv6 im Mobilfunknetz eingeladen. Voraussetzung zur Teilnahme war eine Registrierung in der Telekom-hilft-Community und ein Android-Smartphone oder -Tablet. Wir haben uns für den Test registriert und hatten in den vergangenen Tagen die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit dem veränderten Internet-Zugang im Telekom-Mobilfunknetz zu sammeln.

Die Telekom verwendet im Mobilfunknetz nach eigenen Angaben seit rund drei Jahren das Dual-Stack-Verfahren, das IPv4- und IPv6-Adressen parallel bereitstellt. Die IPv4-Adressen werden bekanntermaßen immer knapper und werden in absehbarer Zeit nicht mehr ausreichen, zumal immer mehr Endgeräte verwendet werden. Schon seit Jahren könne der Internet-Zugang mit IPv4 im Mobilfunk nur noch mit komplexen Übersetzungsmechanismen bereitgestellt werden, so die Telekom.

Telekom: "Neuere Endgeräte benötigen keine IPv4-Adresse mehr"

IPv6-Test im Telekom-MobilfunknetzIPv6-Test im Telekom-Mobilfunknetz Neuere Endgeräte wie Smartphones und Tablets benötigen laut Telekom keine IPv4-Adresse mehr. Für diese Handhelds will der Netzbetreiber in Zukunft ausschließlich mit IPv6 arbeiten. Allerdings räumt der Netzbetreiber ein, dass viele Online-Dienste mit IPv6 noch nicht kompatibel sind. Dafür habe die Telekom Gateways installiert, die eine Übersetzung von IPv6 nach IPv4 vornimmt.

Bei Android-Geräten, die mindestens die Betriebssystem-Version 7 an Bord haben, ist sich die Telekom nach eigenen Angaben sicher, dass der reine IPv6-Zugang funktioniert. Daher startet der Testlauf zunächst mit solchen aktuelleren Smartphones und Tablets. Bei iPhone und iPad kommen laut Telekom wiederum völlig andere Mechanismen zum Tragen. Daher sollen die Apple-Geräte erst später in den Test mit einbezogen werden.

APN-Umschaltung für den IPv6-Testlauf

Zugang funktioniert nach APN-ÄnderungZugang funktioniert nach APN-Änderung Wer am Friendly User Test teilnimmt, muss am Smartphone oder Tablet zunächst einen zusätzlichen Internet-Zugangspunkt (APN) einrichten, über den der ausschließliche IPv6-Zugang hergestellt wird. Damit soll das genutzte Endgerät nur noch über ein "Dummy-Interface" eine IPv4-Adresse bekommen, die jedoch keine direkte Internet-Verbindung hat. Diese Adresse veröffentlichen wir hier bewusst nicht, da es sich um einen geschlossene, nicht aber um einen öffentlichen Test handelt.

Für die Nutzung im Heimatnetz sollen die Testpersonen das APN-Protokoll IPv4/IPv6 wählen, für International Roaming dagegen IPv4. Trotz Routing des Internet-Zugangs über die Telekom sei es ansonsten denkbar, dass die Kunden mit dem Internet-Zugang im Ausland Probleme haben. Nach der Umschaltung des APN lässt sich über zwei Testseiten nachprüfen, ob nun tatsächlich wie gewünscht die ausschließliche IPv6-Verbindung zur Verfügung steht.

Erster Test: Internet-Zugang läuft wie gewohnt

Wir haben den Test mit dem Blackberry KEY2 Dual-SIM durchgeführt. Nach der Umschaltung auf den neuen APN stand der mobile Internet-Zugang sofort wieder zur Verfügung. Im LTE-Netz konnten wir genauso flüssig surfen wie gewohnt. Auch beim Streaming gab es keine Einschränkungen. WhatsApp, Telegram & Co. standen ebenfalls uneingeschränkt zur Verfügung.

pass.telekom.de nicht erreichbarpass.telekom.de nicht erreichbar Joyn (RCS), der von den Mobilfunk-Netzbetreibern bevorzugte SMS-Nachfolger kann dagegen über IPv6 derzeit nicht genutzt werden. Diesen Fehler hat die Telekom gegenüber den Test-Teilnehmern auch kommuniziert. Im Laufe des auf einen Monat angelegten Versuchsbetriebs mit ausgewählten Endkunden soll dieses Problem aber nach Angaben des Netzbetreibers behoben werden.

Wichtige Telekom-Seite nicht erreichbar

Während die Nutzerzahl von Joyn ohnehin überschaubar sein dürfte, ist die nicht erreichbare Seite pass.telekom.de schon deutlich schwerwiegender. Hier können Kunden in Tarifen ohne mobile Internet-Flatrate ihren Datenverbrauch im Auge behalten und gegebenenfalls SpeedOn-Optionen buchen. Auch diese Einschränkung ist bekannt und soll im Laufe der kommenden Wochen behoben werden.

Ein weiteres Problem zeigte sich erst während des Tests: Tethering ist über den APN mit ausschließlicher IPv6-Verbindung derzeit nicht möglich. Der mobile Hotspot wird zwar aufgebaut. Am über WLAN verbundenen Endgerät steht aber kein Internet-Zugang zur Verfügung. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein gerätespezifisches Problem. Andere Teilnehmer berichteten wohl über den gleichen Effekt. Sobald man wieder auf den Standard-APN internet.telekom umschaltet, funktioniert auch der Einsatz des Smartphones als WLAN-Hotspot wieder.

Korrekte Abrechnung bei StreamOn

VPN-Zugang funktioniertVPN-Zugang funktioniert Die StreamOn-Optionen werden auch über den Test-APN korrekt abgerechnet. Sprich: Der beim Streaming verbrauchte Daten-Traffic wird nicht berechnet. Wir haben zudem die VyprVPN-App getestet. Diese konnten wir problemlos nutzen. So hatten wir auch bei Verwendung des IPv6-APN je nach Auswahl eine IP-Adresse aus den USA, aus der Schweiz oder aus Großbritannien zur Verfügung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Telekom hat im Vorfeld des jetzt stattfindenden Friendly User Tests interne Versuche durchgeführt. Diese waren nach Angaben des Netzbetreibers erfolgreich. Dabei sei es aber klar, dass nicht jedes Nutzungsszenario ausprobiert werden könne. Umso spannender sei nun der Versuchsbetrieb mit Endkunden. Wenn die Ergebnisse zufriedenstellend sind, kann der Regelbetrieb starten. Neue Endgeräte können dann so konfiguriert ausgeliefert werden, dass standardmäßig der ausschließliche IPv6-Zugang genutzt wird. Wann das soweit ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Teilen (7)

Mehr zum Thema IPv6