Gespräch

Analog-Anschluss-Zukunft: Telekom-Technik-Chef im Interview

Telekom-CTO Jacobfeuerborn zu LTE, VDSL Vectoring und HSDPA
Das Interview führte Thorsten Neuhetzki
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Die Deutsche Telekom steht vor vielen Herausforderungen und hat sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk den Anspruch, Kunden hohe Datenraten und eine gute Qualität zu liefern. Mit geplanten Festnetz-Erweiterungen wie VDSL Vectoring oder dem Ausbau des LTE-Netzes sollen diese Schritte angegangen werden. Gleichzeitig sollen aber alte Netze wie das analoge Telefonnetz nach und nach abgeschaltet werden. Das sind viele Baustellen, die der Technik-Chef (CTO) der Deutschen Telekom, Bruno Jacobfeuerborn, derzeit vor sich hat. Wir haben in einem Exklusiv-Interview nachgefragt, welche Pläne die Deutsche Telekom beim Netzausbau hat und wie man die Qualität hochhalten will.

Herr Jacobfeuerborn, wir haben uns zuletzt auf der IFA im Sommer vergangenen Jahres gesehen, wo Ihnen viele Kollegen zu den gewonnen Mobilfunk-Netztests der Kollegen von Chip und connect gratuliert haben: Dürfen wir Ihnen dieses Jahr wieder gratulieren?


Telekom-Technik-Chef Bruno Jacobfeuerborn (links) im Interview mit teltarif-Redakteur Thorsten NeuhetzkiTelekom-Technik-Chef Bruno Jacobfeuerborn (links) im Interview mit teltarif-Redakteur Thorsten Neuhetzki Bruno Jacobfeuerborn: Entscheidend ist für uns, dass wir ein leistungsstarkes Netz bieten. Daran arbeiten wir Tag für Tag sehr hart. Wichtig ist, dass der Kunde mit der Qualität zufrieden ist, die wir liefern. Testsiegel sind schön und wir sind auch stolz darauf, aber sie stehen nicht über dem Kunden. Die Erfolge sind das Resultat unserer Netzstrategie der vergangenen Jahre, bei der wir auf einen Mix aus Festnetz und Mobilfunk setzen. Wir haben kontinuierlich in den Ausbau unseres 3G-Netzes investiert und schreiten beim LTE-Ausbau kräftig voran. Dass wir unsere Sendemasten mit Glasfaser anbinden, sorgt dafür, dass die Datenmengen schnell ins Festnetz abgeführt werden und der Kunde ein positives Nutzungserlebnis hat. Wenn die Tests das bestätigen, freut uns das natürlich.

Vodafone will mehr als eine Milliarde jährlich in sein Mobilfunknetz investieren und bis 2014 das Siegel bestes Netz bekommen. Wie halten Sie dagegen, was investiert die Telekom pro Jahr?


Bruno Jacobfeuerborn: Die Telekom hat sich im Dezember auf dem Investorentag klar zu weiteren Investitionen bekannt. Wir werden bis Ende 2015 alleine in Deutschland mehrere Milliarden Euro für die Netze, IT und Produktentwicklung in die Hand nehmen. Darüber hinaus sind wir bereit, zielgerichtet in die Breitbandversorgung mit Glasfaser und Vectoring zu investieren Und dies entgegen dem Trend in unserer Branche. Denn nur mit den nötigen Investitionen werden wir das Netz für die Gigabit-Gesellschaft aufbauen können.

Können Sie diese Summen - egal ob eine Milliarde pro Jahr oder sechs Milliarden über die nächsten Jahre - überhaupt auf die Kunden umlegen? Der Anteil pro Kunde liegt bei einer Milliarde Euro pro Jahr bei Ihren Kundenzahlen bei 27 Euro pro Jahr - zusätzlich zu den ohnehin bestehenden Kosten. Wie geht das in Zeichen sinkender Endkundenpreise?


Bruno Jacobfeuerborn: Aus Brüssel wurden bereits positive Signale gesendet, woraus sich erkennen lässt, dass man die Preise nicht immer nur weiter absenken kann, zugleich aber Milliardeninvestitionen in neue Infrastruktur erfordert. Wir hoffen sehr, dass sich auch die Bundesnetzagentur dieser Linie anschließt. Wir können - und werden - nur dann im entsprechenden Umfang investieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu zählt, dass wir beim Thema Vectoring eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung finden. Das Geld, das wir investieren, müssen wir am Ende ja auch wieder zurückverdienen können.

Wie steht es um bestehende Massennetze? Findet noch ein HSDPA-Flächenausbau statt, oder geht die weitere mobile Flächenversorgung jetzt mit LTE weiter?


Bruno Jacobfeuerborn: Wir haben ja schon das größte HSPA-Netz in Deutschland. Wir haben hier in den vergangenen Jahren viel getan und werden das auch in diesem Jahr noch weiter machen. Natürlich wird LTE zukünftig die Technik sein, die wir in die Fläche bringen. Aber wie gesagt: Dieses Jahr wird auch HSDPA noch weiter ausgebaut.

Können wir auch noch weitere Geschwindigkeitsstufen bei HSDPA erwarten?


Bruno Jacobfeuerborn: Wir bieten im HSPA-Netz flächendeckend 42 MBit/s an. Alles was darüber hinaus geht, wird dann mit LTE erfolgen. Mit Cat4-Endgeräten sind dann bald schon 150 MBit/s statt heute 100 MBit/s möglich.

Und wenn wir weiter in die Zukunft sehen und über Dinge wie LTE Advanced reden?


Bruno Jacobfeuerborn: LTE Advanced ist sicherlich ein Thema, aber da sind wir schon in den Jahren 2014 oder 2015.

Und wann können wir über LTE telefonieren? Telefónica hatte hier vor einem Monat einen technischen Durchbruch vermeldet.


Bruno Jacobfeuerborn: Im Test geht das bei uns auch, die ersten Anrufe hat es schon geben. Dass wir es als Produkt einführen, würde ich gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres sehen. Wir haben da aber auch keinen zeitlichen Druck, da unsere derzeitige Lösung mit dem Fallback auf bestehende Netze sehr gut läuft. Aber kommen wird die Telefonie per LTE.

Die Zu- und Abführung zu den Sendemasten erfolgt bei der Telekom per Glasfaser, es gibt also schon ein sehr engmaschiges Glasfasernetz. Ließe sich das nicht auch für den weiteren Ausbau eines Glasfasernetzes in die Haushalte nutzen?


Bruno Jacobfeuerborn: Ja, einen großen Teil unserer Sendemasten haben wir mit Glasfaser angebunden und führen über diese Leitungen den Sprach- und Datenverkehr ab. Aber das, was Sie ansprechen, ist Teil unserer integrierten Netzstrategie mit den vier Punkten LTE, Fibre, Vectoring und der Anstrengung, Mobilfunk und Festnetz näher zueinander zu bringen. Das ist der Ansatz eines integrierten Players: Wir machen hier ja keine getrennten Planungen für LTE und Festnetz, sondern kombinieren diese.

Auf der nächsten Seite dieses Interviews mit Bruno Jacobfeuerborn, dem Technik-Vorstand der Deutschen Telekom, lesen Sie, wie die Telekom ihren Kunden im Festnetz 100 MBit/s und mehr anbieten will und wie es um die Zukunft des analogen Festnetzanschlusses bestellt ist.

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