Glasfaserausbau

Telekom-Chef in Kanzlerin-Wahlkreis im Funkloch

Ein Festzelt mit magentafarbener Beleuchtung, ein Bagger, viel Optimismus und eine Sorge: Im Wahlkreis von Angela Merkel hat die Telekom den Glasfaserausbau auf dem Land gestartet.
Von dpa /
AAA
Teilen (50)

Im Wahlkreis von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Telekom ihr bislang größtes Projekt zum Glasfaserausbau in Deutschland gestartet. Das Unternehmen wird bis Ende 2019 auf dem Festland des Kreises Vorpommern-Rügen mehr als 2000 Kilometer Glasfaser verlegen und über 1000 Glasfaser-Netzverteiler aufstellen, wie Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges heute in Klein Kedingshagen zum Start der Baggerarbeiten sagte. "Wir zeigen, dass ländlicher Raum und schnelles Internet kein Widerspruch sind." Aber auch die Handy-Netzabdeckung hat noch ordentlich Nachholbedarf, wie der Telekom-Chef auf dem Weg nach Vorpommern-Rügen am eigenen Leib erfahren musste.

100 Millionen Euro mehr

Die TelekomDie Telekom startet riesigen Glasfaser-Ausbau in Mecklenburg-Vorpommern. "Auf dem Weg hierhin habe ich mich mit dem Thema Funklöcher beschäftigen müssen", sagte er und erntete damit in Klein Kedingshagen verständnisvolles Lachen. Höttges kündigte an, sich des Problems anzunehmen. Die Telekom wolle in diesem Jahr 100 Millionen Euro extra in die Hand nehmen, um Funklöcher zu schließen. "Das ist auch ein Beitrag für die Digitalisierung." Doch vor allem vom schnellen Internet mit Geschwindigkeiten von einem Gigabit sollen rund 40 000 Haushalte und Unternehmen in 63 Gemeinden profitieren. Mit dem Programm zum Breitbandausbau werden in der dünn besiedelten Region rund 118 Millionen Euro verbaut, davon 77 Millionen Euro vom Bund, 28 Millionen Euro vom Land und 13 Millionen Euro Eigenanteil aus dem Kommunalen Aufbaufonds MV. Weitere 34 Millionen Euro fließen auf die Insel Rügen, wo der Ausbau durch den dortigen Zweckverband bereits vor einem Jahr begonnen hatte. Ursprünglich wollte Merkel zum Baustart ihren Wahlkreis besuchen, ihr Hubschrauber hatte aber nach Angaben von Landrat Ralf Drescher (CDU) wegen Nebels keine Fluggenehmigung erhalten.

60 000 Kilometer Glasfaser in 2018

Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) sieht in dem Baustart eine große Signalwirkung dafür, dass der Breitbandausbau Realität wird. "Solange nicht der erste Bagger dasteht, ist für viele Bevölkerungsteile der Breitbandausbau noch sehr fragil." Pegel dankte dem Bund für die Unterstützung. Das Bundesprogramm sei für das Flächenland Mecklenburg-Vorpommern ein Riesenschritt. In den kommenden Jahren fließen mehr als 832 Millionen Euro Bundesmittel für den Breitbandausbau nach Mecklenburg-Vorpommern, ergänzt um eine knappe halbe Milliarde Euro Landesmittel. Alle 93 im Land gebildeten Projektgebiete waren bewilligt worden.

Die Telekom will bundesweit in diesem Jahr 60 000 Kilometer Glasfaser verlegen, nach rund 40 000 Kilometer im Jahr 2017. Damit würde Ende 2018 mehr als 500000 Kilometer Glasfaser verbaut. Mit dem Glasfaserausbau werde nicht mehr das Netz der limitierende Moment sein, sondern die Server und Router, sagte Höttges. Er appellierte an regionale Unternehmen mit der Telekom Teil einer "Koalition der Willigen" zu werden, die gemeinsam den Glasfaserausbau auf dem Land vorantreibe. Dazu bedarf es "gleicher und fairer Rahmenbedingungen". Seine Sorge sei, dass Marktteilnehmer, die das Netz nicht bauten, es aber später vermarkten.

Die Telekom wolle bis 2022 rund 3000 Gewerbegebiete in Deutschland und damit 80 Prozent aller Unternehmensstandorte mit rund 400 000 Unternehmen mit Glasfaser versorgen. Breitband ist nach Einschätzung von Kramerhofs Bürgermeister, Friedrich-Christoph Seidel, schon heute standortentscheidend. Bauwillige machen ihre Entscheidung inzwischen davon abhängig, ob es auf dem Dorf schnelles Internet gebe.

Teilen (50)

Mehr zum Thema Timotheus Höttges