Netzausbau

Fibre to the Bauernhof: Telekom-Glasfaser auf Holzmasten

Wenn der Glasfaserausbau per Tiefbau zu teuer ist, verlegt die Telekom die Glasfaser wie zu Großvaters Zeiten auf Holzmasten. Dabei kommt ein Stecksystem zum Einsatz.
AAA
Teilen (101)

Der Anblick wirkt wie eine Erinner­ung an vergangene Zeiten: In zahlreichen ländlichen Regionen Deutschlands verlaufen Tele­kommuni­kations­leitungen nach wie vor auf Holzmasten - insgesamt gibt es noch rund drei Millionen davon. Was aussieht wie Tele­grafen­leit­ungen aus Großvaters Zeiten kann aber hochmoderne Technik sein. Denn seit Jahresbeginn verwendet die Telekom ein neues System, um auch über Holzmasten hochmoderne Glasfaser zu verlegen. Doch wie funktioniert das System - und warum gräbt die Telekom stattdessen nicht einfach den Boden auf?

Warum verlegt die Telekom überhaupt Glasfaser auf Holzmasten

Ein Hof wird per Holzmasten ans Glasfasernetz angeschlossenEin Hof wird per Holzmasten ans Glasfasernetz angeschlossen In einem Video erläutert die Telekom die Hintergründe, warum sie überhaupt Glasfaser oberirdisch verlegt. Da ist zum Einen der Kostenfaktor: Manche Höfe und Siedlungen sind so weit abgelegen von der bisherigen Breitband-Infrastruktur, dass eine klassische Verlegung mit Aufgraben des Bodens unverhältnismäßig teuer wäre.

Außerdem gibt es Gegenden in Deutschland, bei denen eine Glas­faser­ver­legung im Boden aus topo­grafischen Gründen nur schwer oder gar nicht möglich ist. Dazu zählen zum Beispiel die (Mittel-)Gebirge mit ihrem oft felsigen Untergrund. Hier gab es auch bisher schon Kupfer­leitungen auf Holz­masten - und die bestehenden Holzmasten können in diesem Fall einfach für den Glas­faser­ausbau weiter genutzt werden.

System wurde vom Gorilla-Glass-Hersteller Corning entwickelt

Im Film erläutert ein Sprecher der Telekom, dass das seit Januar eingesetzte System vom US-amerikanischen Hersteller Corning stammt. Corning ist momentan überwiegend für das in Smartphones eingesetzte Gorilla Glass bekannt. Das bereits 1851 gegründete Unternehmen war nach eigenen Angaben aber schon in den 1970er-Jahren ein Pionier bei der Entwicklung von Glasfasertechniken.

Das System, das auch in ländlichen Regionen Nordamerikas zum Einsatz kommt, besteht aus einer Art Mehrfachsteckdose, die am Holzmast befestigt wird. Daran können dann die ankommenden und abgehenden Glasfaserkabel einfach per Steckverbinder verbunden und mit einer Schraubvorrichtung befestigt werden. Damit ist es auch möglich, schnell einen weiteren Bauernhof ans Netz anzuschließen, wenn der benachbarte Bauernhof bereits Glasfaseranschluss hat.

Laut Aussage eines Telekom-Technikers soll das System sehr sicher sein. Die Schraubverbindung würde die empfindliche Glasfaser beispielsweise vor Wasser und Staub schützen. Außerdem müsse man sich bei einer oberirdischen Glasfaser beispielsweise nicht mit Gewitterschutz beschäftigen - denn in die nichtmetallische Glasfaser kann kein Blitz einschlagen.

Welche Probleme bei der oberirdischen Verlegung in Stürmen auftreten kann, haben wir bereits in einem separaten Artikel erläutert.

Teilen (101)

Mehr zum Thema Glasfaser