Netzausbau

Telekom taucht ab: 1,2 Kilometer Glasfaser im Chiemsee

Die Telekom muss abtauchen - um der berühmten Fraueninsel im Chiemsee Breitband per Glasfaser zu verschaffen. Wir erläutern, warum die Verlegung so lange dauert und welche Herausforderungen zu meistern sind.
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Die Fraueninsel im bayerischen ChiemseeDie Fraueninsel im bayerischen Chiemsee Der Glasfaserausbau soll Internet insbesondere in die Regionen Deutschlands bringen, die bislang nur schlecht mit Internet versorgt waren. Einer dieser Orte ist die berühmte Fraueninsel im Chiemsee. Die Telekom hat nun eine Ausschreibung gewonnen, die ganze Insel mit FTTH, also Glasfaser bis in die Häuser, zu versorgen.

Und laut der Telekom ist das dringend notwendig: Das jetzige Telefonkabel, das zur Insel führt, stammt von 1991, also aus einer Zeit, in der das World Wide Web noch in den Kinderschuhen steckte. Ihren Glas­faser­an­schluss werden die Bewohner der Fraueninsel allerdings frühestens 2019 nutzen können. In einem Video (siehe unten) erläutert die Telekom, warum die Versorgung so lange dauert und welche Her­aus­forder­ungen zu bewältigen sind.

So wird die Fraueninsel mit Glasfaser versorgt

Der Bürgermeister hatte wohl schon länger davon geträumt, die Insel mit Breitband zu versorgen. Ein Zwischenschritt war die Versorgung mit LTE und dazu passenden LTE-Zuhause-Tarifen für 300 Bewohner und Gewerbetreibende. Denn die stark vom Tourismus lebende Insel benötigt die Breitbandanbindung nicht nur für die eigene Bevölkerung.

Einer der ältesten Institutionen der Insel ist das Benediktinerkloster Frauenwörth, das bereits im Jahr 782 gegründet wurde. Im Video erklärt eine Nonne einem Sprecher der Telekom, dass die Nonnen ihren Lebensunterhalt selbst verdienen müssen: Durch Tourismus, Seminarangebote, Übernachtungsmöglichkeiten und einen Shop, in dem unter anderem Marzipan und der klostereigene Kräuterlikör verkauft werden. Für diesen Betrieb ist eine zuverlässige Breitbandanbindung unerlässlich.

Infografik der Telekom zur Glasfaser-Anbindung der Fraueninsel
Infografik der Telekom zur Glasfaser-Anbindung der Fraueninsel
Doch der Ausbau stellt die Telekom vor mehrere Herausforderungen: Üblicherweise taucht die Telekom nicht selbst unter Wasser, darum muss sie für die Verlegung des Glasfaserkabels durch den Chiemsee auf einer Länge von 1,2 Kilometern eine Spezialfirma suchen und beauftragen. Es ist geplant, dass von einer kleinen Fähre aus das Spezialkabel mit starker Ummantelung und Beschwerung in den See abgelassen wird. Die Beschwerung des Kabels alleine reicht aber nicht aus. Profi-Taucher müssen gleichzeitig das Kabel auf dem Seeboden mit Spezialankern fixieren, damit es nicht nach oben treibt. Dabei müssen die Taucher in bis zu 25 Meter Wassertiefe arbeiten.

Wer den Breitbandausbau schon einmal in seiner Region miterlebt hat, weiß: Staub, Lärm, aufgerissene Straßen und Verkehrsumleitungen machen keinen Spaß. Und weil die Fraueninsel zu einem großen Teil vom Tourismus lebt, kann die Telekom dort nicht einfach wie ein Maulwurf auf einen Schlag die ganze Insel aufgraben, um zu jedem Haus zu kommen. Laut der Telekom werden die Tiefbauarbeiten überwiegend im Herbst, Winter und Frühjahr durchgeführt, im Sommer pausieren sie. In der Bauphase muss dann allerdings mit schlechtem Wetter gerechnet werden.

Alle diese Herausforderungen sind verantwortlich dafür, dass die ersten Bewohner und auch die Nonnen frühestens 2019 ihre Glasfaseranschlüsse erhalten. Nach der Übergabe der Förderbescheide wurde jetzt lediglich ein symbolischer Spatenstich durchgeführt.

Video: Fiber to the Island

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