Wettbewerb

Telekom-Chef Höttges: "Lasse mir nicht vorschreiben, wie wir ausbauen"

Der Schulterschluss mit den Wettbewerbern fällt Telekom-Chef Tim Höttges sichtlich schwer: Auf der Bilanzpressekonferenz schoss er scharf gegen die Wettbewerber, dass er sich nicht vorschreiben lasse, dass die Telekom echte Glasfaser-Anschlüsse zu bauen habe.
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Tim HöttgesTim Höttges "Wir leben in einem freien Land, hier herrscht freier Wettbewerb", schoss Telekom-Chef Tim Höttges in dieser Woche scharf gegen Wettbewerber-Forderungen nach einem flächendeckenden Glasfaser-Netz. Unter anderem der Breko als Branchenverband mit insgesamt 160 Netzbetreibern hatte in dieser Woche seine Forderung nach einem Infrastrukturziel Glasfaser erneuert. Dem erteilte Höttges abermals eine Absage.

"Ich lasse mir von den Wettbewerbern nicht vorschreiben, welche Infrastruktur die Telekom baut", verteidigte er die Strategie der Telekom, die FTTH, also die Glasfaser direkt bis zum Kunden, nur in Ausnahmefällen vorsieht. Die Äußerungen waren nicht Teil seiner vorbereiteten Rede, sondern fielen im Anschluss auf eine Frage von Journalisten. Vor allem in Neubaugebieten oder in extrem kleinen Dörfern, in denen es einen geförderten Ausbau gibt, baut die Telekom echte Glasfaser­infrastruktur auf. Sonst setzt die Telekom weitgehend auf VDSL Vectoring, was sie nicht wirklich korrekt ebenfalls als Glasfaseranschluss bezeichnet. Dabei ist die Glasfaserleitung jedoch nicht wie bei FTTB oder FTTH mindestens bis in den Keller des Kundenhaushaltes verlegt, sondern lediglich bis zum Kabelverzweiger auf den Bürgersteigen. Ab hier kommt wieder Kupfer zum Einsatz. Diesen forcierten Ausbau bezeichnete Höttges als "unternehmerisch autonome Entscheidung".

Die harten Worte gegen die Wettbewerber überraschen, denn eigentlich hatte die Telekom gerade erst eine andere Linie eingeschlagen und den Schulterschluss mit den Wettbewerbern gesucht. Diese Aussagen erneuerte Höttges auch in seiner vorbereiteten Rede. "Wir sind bekennende Netzinvestoren. Aber nicht alles können wir alleine stemmen. Darum wollen wir verstärkt mit denen zusammenarbeiten, die auch selbst ausbauen. Nach unserer Vereinbarung mit NetCologne zählt die jüngst vereinbarte Kooperation mit Innogy zu diesen neuen Partnerschaften. Wir werden in Zukunft auch deren Infrastruktur nutzen, um mehr Kunden den Zugang zu unseren Produkten zu ermöglichen."

Mehr Bandbreite auch über Vectoring-Leitungen möglich

Perspektivisch will die Telekom aus den Vectoring-Leitungen noch mehr Bandbreite herausholen. Heute sind im Vectoring-Ausbau, der nicht in geförderten Gebieten erfolgen darf, bis zu 100 MBit/s im Downstream möglich. 50 MBit/s als Mindestbandbreite war das politische Ziel der Bundesregierung für 2018. "Wir reden über 100 beziehungsweise 250 MBit/s. Denken Sie mal, wenn wir das flächendeckend hinbekämen. Sagen Sie mir einen Dienst, der derzeit mehr Bandbreite benötigt", so Höttges auch in Anspielung auf die Forderung des Breko, bis 2025 flächendeckend 1 GBit/s zu erreichen.

Von 250 MBit/s ist die Telekom jedoch auch noch entfernt. Ein Einsatz von Super-Vectoring, wie diese Technologie genannt wurde, ist zwar angedacht, aber noch nicht konkretisiert. Im Exklusiv-Interview mit teltarif.de sagte Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme vor wenigen Monaten, die Möglichkeiten der Kupferleitung seien mit Super-Vectoring noch nicht ausgeschöpft. Im Labor habe man bereits 1 GBit/s erreicht.

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