Startklar

Telekom: Internet fürs Flugzeug ist fertig und wird getestet

Das von der Telekom mitinitiierte European Aviation Network für Breitband-Internet im Flugzeug ist technisch fertig und wird nun getestet. Noch 2018 könnte es kommerziell verfügbar sein - beispielsweise bei der Lufthansa.
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Auch in Flug­zeugen soll Breit­band-Internet für alle Flug­reisenden zum Stan­dard werden. Welche immensen tech­nischen Heraus­forde­rungen dahin­terste­cken, wurde klar, als die Telekom mit ihren Projekt­partnern im Jahr 2015 das Projekt vorstellte. Heute gaben die Telekom, Inmarsat und die Nokia-Netz­werk­sparte in einer gemein­samen Presse­kon­ferenz bekannt: Das European Avia­tion Network (EAN) ist fertig aufge­baut und wird ab jetzt getestet. Erste Airlines könnten es noch in diesem Jahr kommer­ziell für Flug­gäste anbieten.

Das European Aviation Network ist fertigDas European Aviation Network ist fertig In den vergan­genen Jahren hatten die Unter­nehmen immer wieder über den Fort­gang des Projekts infor­miert: Euro­paweit waren 300 LTE-Stand­orte aufzu­bauen und es wurden zwischen­zeit­lich immer wieder Test­flüge durch­geführt. Nach erfolg­reichen Tests der Satel­liten-Anlage wurde bekannt, welche ersten Airlines am EAN inter­essiert sind.

Ein LTE-Netz, das die ganze Fläche Europas bedeckt

In der heutigen Pres­sekon­ferenz wurde noch­mals deut­lich, welche enormen tech­nischen Heraus­forde­rungen zu bewäl­tigen waren. Flug­zeug-Insassen erwarten eine naht­lose Internet-Verbin­dung, egal ob das Flug­zeug gerade startet, landet, am Boden steht oder fliegt. Der WLAN-Hotspot im Flug­zeug ist daher mit zwei Anten­nenarten verbunden: Mit einer LTE-Antenne für eine Versor­gung vom Boden aus bis 10 Kilo­meter Höhe sowie mit einer Inmarsat-Satel­liten-Antenne für die Internet-Versor­gung ober­halb dieser Marke.

Eine komplexe Elek­tronik schaltet je nach Flug­höhe flexibel zwischen LTE- und Satel­liten-Signal um, sodass der Flug­gast in der Kabine eine möglichst unter­brechungs­freie WLAN-Versor­gung hat, beispiels­weise für Musik- und Video­strea­ming-Dienste. British Airways wird übri­gens die erste Airline sein, die Geschäfts­kunden über das EAN Internet im Flug­zeug anbietet. Auch die Luft­hansa hat bereits Inter­esse ange­meldet. Entscheidet sich eine Airline zur Imple­mentie­rung des EAN, soll für die Umrüs­tung eines einzelnen Flug­zeugs nur eine einzige nächt­liche Flug­pause notwendig sein.

Während der heutigen Präsen­tation erläu­terte ein Telekom-Spre­cher, dass die 300 Basis­stationen für das EAN in allen 28 Mitglieds­staaten der Euro­päischen Union sowie in der Schweiz und Norwegen aufge­stellt wurden und betriebs­bereit sind. Dabei handele es sich um das erste euro­paweit inte­grierte LTE-Netz. Ein Nokia-Spre­cher erläu­terte, die spezi­ellen LTE-Antennen hätten nach oben eine quasi kegel­förmige Abstrah­lung von rund 10 Kilo­meter Höhe und bis zu 150 Kilo­meter in der Breite. Das LTE-Netz würde also tatsäch­lich den kompletten euro­päischen Konti­nent abde­cken.

Das LTE-Boden­netz nutzt laut der Telekom dabei übri­gens Frequenz­bereiche, die keinem anderen LTE-Netz­dienst zuge­wiesen sind. Es soll also nie der Fall eintreten, dass das Boden­netz nicht erwei­tert werden kann, weil kein Frequenz­spek­trum mehr zur Verfü­gung steht.

Die Herausforderung: Der Luftraum über Europa ist so voll wie sonst nirgends auf der Welt
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Passa­giere: Lieber Internet als eine Mahl­zeit an Bord

Die Über­tragungs­rate bei Verbin­dungen zu Flug­zeugen wird bei unge­fähr 75 MBit/s liegen, in Tests haben die Latenz der Daten­verbin­dung bei unter 100 ms gelegen. Dabei sind die tech­nischen Heraus­forde­rungen enorm: Der euro­päische Luft­raum ist so voll­gestopft mit Lini­enflug­verbin­dungen wie sonst kein Luft­raum welt­weit. In Europa würden täglich 22 500 Flüge statt­finden - mit einer Gesamt­zahl von 500 Millionen Passa­gieren pro Jahr. Und die Internet-Verbin­dung muss auch noch bei bis zu 1200 km/h in 10 Kilo­meter Höhe stabil bleiben.

Aus Umfragen haben die Projekt­partner erfahren, dass sich 80 Prozent der euro­päischen Flug­gäste eine Breit­band-Inter­netver­bindung an Bord von Flug­zeugen wünschen. 69 Prozent der Passa­giere wären bereit dazu, auch extra dafür zu bezahlen. Und 54 Prozent der Befragten wäre eine Breit­band­verbin­dung an Bord wich­tiger als eine Mahl­zeit während des Flugs.

Auf die Frage, was das Internet per EAN an Bord kosten würde, hielten sich die Vertreter der betei­ligten Firmen heute noch mit Prognosen zurück. Die Abrech­nung für das Internet an Bord würde komplett der Airline über­tragen und diese würde dann auch über die Preise und Abrech­nungs­modelle entscheiden. Der Telekom-Spre­cher wies aber darauf hin, dass Mobil­funk-Netz­betreiber das EAN in die Liste ihrer Roaming-Partner aufnehmen könnten. Die WLAN-Inter­netver­bindung per EAN könnte in teureren Tarifen oder auch in spezi­ellen Geschäfts­kunden-Tarifen also bereits im Grund­preis mit inbe­griffen sein - doch das ist alles noch Speku­lation.

teltarif.de wollte wissen, ob das Internet per EAN dann auch bei Billig­flug-Airlines ange­boten wird. Zur Antwort gab man, dass das Produkt selbst­verständ­lich allen Airlines ange­boten werden, es sei aber natür­lich deren Entschei­dung, ob es in die eigene kalku­lato­rische Planung der Flug­gesell­schaft passt oder nicht.

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