Innovation

CTIO Edward Kozel: Die Telekom muss sich neu erfinden

Der Telekom-Innovationschef über die Zukunft der Telekom
Von Marie-Anne Winter

Innovationsfreude ist allerdings in der gesamten Telekommunikations-Branche nicht sehr verbreitet. Gegen innovative Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook sehen die etabierten Telekom-Giganten alt aus. Und das ist auch kein Wunder, denn Forschung und Entwicklung werden allgemein stiefmütterlich behandelt: Seit Jahren weist die Telekom in ihren Geschäftsberichten ein Budget für Forschung und Entwicklung von 200 Millionen Euro aus. Das entspricht rasanten 0,3 Prozent vom Konzernumsatz. Hardware-Hersteller wie Nokia oder Cisco investieren dagegen knapp 15 Prozent ihres Umsatzes in diesen Bereich, bei Google sind es immerhin 12 Prozent. Selbst bei den reinen Telekom-Anbietern ist die Deutsche Telekom eher am Ende der Liste zu finden.

Telekom-Innovationschef Kozel hält allerdings dagegen, dass in vielen Bereiche die Entwicklungsausgaben nicht in der Bilanz als solche ausgewiesen würden. Tatsächlich lägen die Ausgaben etwa bei einer halben Milliarde Euro. Doch selbst dieser Betrag erreicht den Anteil nicht mal ein Prozent des Gesamtumsatzes der Telekom.

Natürlich reichen hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung allein nicht, um ein Unternehmen innovativ zu machen. Zum Beispiel schafft der Computer-Konzern Apple es auch mit nur etwa drei Prozent seines Umsatzes, den es für Forschung und Entwicklung investiert, als eines der innovativsten Unternehmen der Technologiebranche dazustehen. Kozel sieht sein wichtigstes Instrument für die künftige Innovationsbeschaffung deshalb auch ganz anderer Stelle: Seit mehr als zehn Jahren betreibt die Telekom die Beteiligungsgesellschaft T-Venture. T-Venture beteiligt sich jährlich an 10 bis 15 Start-ups und gibt dafür zwischen 5 und 10 Millionen Euro aus. Insgesamt steht ein Venture Capital von 750 Millionen Euro zur Verfügung. Zuletzt stieg T-Venture beim Taxibestellsystem 1TouchTaxi ein. Mit 1TouchTaxi können Smartphone-Nutzer mit einem Klick auf ihrem Gerät ein Taxi bestellen.

Die Telekom muss nach Überzeugung von Kozel ihre Aktivitäten in diesem Bereich ausbauen. Auf diesem Weg könnte die Telekom 20 Geschäftsmodelle und Technologien sehr schnell und mit vergleichsweise wenig Geld auf ihre Erfolgsaussichten prüfen. Diese Start-ups seien auch näher am Markt als Universitäten. Wenn sich eine Technologie durchsetzen sollte, könnte sie schnell in den Konzern integriert werden. Auch wolle die Telekom künftig mehr Technologie-Partnerschaften mit großen Unternehmen eingehen.

Eine Forschungseinrichtung für grundlegende Forschung der Telekom sind die T-Laboratories (T-Labs), die eng an die Technische Universität Berlin angebunden sind und die mit der Ben-Gurion-Universität in Israel und dem Forschungsinstitut der Deutschen Telekom in Los Altos in Kalifornien zusammenarbeiten. Hier werden Projekte angegangen, die fünf Jahre und mehr in die Zukunft weisen. Etwa 70 Millionen Euro benötigen diese Forschungseinrichtungen jährlich.

Alle Aktivitäten der T-Labs stehen derzeit auf den Prüfstand, ob sie zum künftigen Wachstum der Telekom beitragen können. Einer ähnliche Prüfung werden die 7 000 Patente der Telekom unterzogen, zu denen wöchentlich ein neues Patent hinzukommt. "Man kann bei der Forschung schnell den Fokus verlieren", sagt Kozel. "Wir brauchen die richtige Unternehmenskultur, wir müssen schneller unsere Produkte und Dienste in den Markt bringen, und wir brauchen die richtigen Leute dafür."

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