Innovation

CTIO Edward Kozel: Die Telekom muss sich neu erfinden

Der Telekom-Innovationschef über die Zukunft der Telekom
Von Marie-Anne Winter

Edward Kozel ist seit Mai im Konzernvorstand der Telekom für Innovationen verantwortlich. Das macht den Amerikaner zur Schlüsselfigur bei der Umsetzung der neuen Wachstumsstrategie von Telekom-Chef René Obermann: In fünf Jahren will die Telekom fast die Hälfte des Konzernumsatzes mit mobilem Internet, vernetzten Zuhause-Diensten, IT-Services auf Abruf, Internet-Diensten und intelligenten Netzen generieren. Der Anteil dieser Dienste liegt derzeit mit etwa 15 Milliarden Euro bei nicht einmal einem Viertel vom Gesamtumsatz. "René Obermann hat mich geholt, um ihm bei der Transformation des Unternehmens zu helfen", sagte Kozel in einem Gespräch mit der Welt.

Innovations-Chef Edward Kozel will die Telekom für die Zukunft fit machen. Innovations-Chef Edward Kozel will die Telekom für die Zukunft fit machen.
Bild: Telekom
Vor allem gelte das für die Innovationskultur innerhalb der Deutschen Telekom. Denn im Vergleich mit anderen Unternehmen gibt der Konzern nur wenig Geld für Forschung und Entwicklung aus. Damit erhöht der Innovations-Chef den Druck auf den eigenen Konzern: "Unser Ziel ist es, mit Produkten und Diensten in den meisten Märkten Nummer Eins oder Nummer Zwei zu sein." Gelinge dies nicht mit eigenen Entwicklungen, müsse sich die Telekom auch außerhalb des eigenen Konzerns nach Innovationen umsehen. Auch eigene Projekte will Kozel auf den Prüfstand stellen. Der Innovationschef der Telekom will dadurch auch für Wettbewerb in der konzerneigenen Forschung und Entwicklung sorgen.

Entertain ist noch immer kein Erfolg

Das ist für die Telekom eine grundlegende strategische Veränderung. Bislang hat das Unternehmen einen Großteil seiner Produkte und Dienste selbst entwickelt. Dabei entfiel nur ein geringer Anteil auf Beteiligungen oder Zukäufe. Dieses Verhältnis werde sich innerhalb von drei Jahren umkehren, prophezeit Kozel. Kein Unternehmen könne heute noch alles alleine machen. Traditionell hätten Telekommunikationskonzerne häufig in Zyklen von Dekaden gedacht. Heute seien die Produkte viel schnelllebiger, daher müssten sich die Unternehmen umstellen. Bei erfolgreichen Unternehmen sei das bereits gelungen. Auch das Zusammenwachsen von Telekommunikations- und Internetwelt erfordere ganz neuen Innovationszyklen.

Die Telekom tut sich in der Tat schwer mit neuen Produkten. Ihr Vorzeigeprojekt Entertain, mit dem sie Fernsehen und Filme über das Internet anbietet, kommt viel langsamer als erwartet voran. Obwohl Entertain schon vor gut drei Jahren auf den Markt gekommen ist, haben sich bis heute nur etwa 1,4 Millionen Nutzer dafür entschieden. Künftig will die Telekom ihre Verkäufer extra belohnen, wenn sie neue Dienste und Produkte verkaufen. Auf diese Weise will Kozel ihren Anteil am Umsatz steigern. Ob damit die grundsätzlich geringe Neigung der Deutschen, für Fernsehen per Internet extra zu bezahlen, nachhaltig verändert werden kann, ist allerdings fraglich.

Tatsächlich hat die Telekom aber kaum eine andere Wahl: Ihr traditionelles Geschäft mit den Festnetz-Anschlüssen schrumpft beständig, die Zeit der hohen Steigerungsraten im Mobilfunk ist längst vorbei. Noch sei der Anteil, den die Telekom mit neuen Produkten mache, die in den vergangenen 18 Monaten eingeführt wurden, zu gering, auch wenn die genauen Zahlen noch nicht vorlägen. Das Ziel müsste aber unter optimalen Voraussetzungen bei einem Unternehmen wie der Telekom laut Kozel bei etwa zehn Prozent liegen. Das ist aber noch längst nicht erreicht. Auf der nächsten Seite erfahren Sie mehr über die aktuellen Anstrengungen der Telekom.

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