Kompromisslos

Telekom: Nicht nur Neukunden werden gedrosselt, sondern alle

Technische Umsetzung könnte allerdings bis 2018 dauern
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In einem Interview stellt Niek Jan van Damme als Deutschland-Chef der Telekom klar, dass sich praktisch kein Kunde der geplanten Drosselung entziehen kann. Verantwortlich dafür ist die gleichzeitige Umstellung der Anschlüsse auf All-IP. Das Ganze wird wohl allerdings erst 2018 realisiert, und nicht wie geplant 2016.

Bisher hat die Telekom kommuniziert, dass nur Neukunden, die ab heute einen Vertrag abschließen, von der Einführung der Telekom-Drosselung im Festnetz betroffen sind. Ursprünglich hieß es: Bestandskunden behalten ihren bisherigen Vertrag ohne Änderungen. Doch wie wir bereits berichtet haben, muss die Telekom für die Umstellung auf All-IP aus rechtlichen Gründen den bisherigen Vertrag kündigen und mit dem Kunden einen Neuvertrag abschließen. Und in diesen Neuvertrag "schlüpft" dann auch gleich die Telekom-Drosselung.

Kompromisslos: Keine Alternative zu All-IP und Drosselung

Telekom: Nicht nur Neukunden werden gedrosselt, sondern alleTelekom: Nicht nur Neukunden werden gedrosselt, sondern alle In einem Interview mit der WELT zeigt sich Niek Jan van Damme relativ kompromisslos: "Schon heute hat IP entscheidende Vorteile, etwa bessere Sprachqualität sowie zwei Leitungen und bis zu zehn Rufnummern und das bis zu vier Euro billiger. [...] Wir sind sicher, die übrigen elf Millionen Breitbandkunden ebenfalls zu überzeugen", äußerte van Damme gegenüber der Zeitung.

Die Kritik der letzten Tage, die nicht nur von Kunden, Wettbewerbern und Branchenbeobachtern, sondern sogar aus der Politik erschallte, hat wohl kaum Eindruck bei der Telekom hinterlassen. "Für uns ist das Thema zu wichtig, als dass wir zurückzurudern könnten", sagte van Damme im Interview. Auch den üblichen Seitenhieb auf Power-Nutzer kann sich der Telekom-Chef an dieser Stelle wieder nicht verkneifen: "Wer den Wasserhahn ständig laufen lässt, bezahlt auch mehr als Otto-Normalverbraucher".

Hoffnung: Bis 2018 könnten Datenobergrenzen angehoben werden

Das Interview zeigt aber auch, dass der Vorwurf der "Weltfremdheit" bei der ursprünglichen Festlegung der Datenobergrenzen, die kürzlich kommuniziert wurden, nicht unbedingt zutrifft: "Wer weiß, wie die Datengrenzen 2018 aussehen werden? Wir leben in einer sehr dynamischen Branche", meint van Damme. "Ich gehe diesen Versuch, den Status quo auf 2018 anzuwenden, nicht mit. In fünf Jahren, wenn wir das alte Netz abschalten wollen, werden wir in einer Internetwelt mit höheren Zugangsgeschwindigkeiten, neuen Partnerschaften, neuen Geschäftsmodellen, neuen Tarifen leben." Es ist also durchaus möglich, dass die momentan im Raum stehenden Drosselungsgrenzen rein theoretischer Natur sind und mit ihrer technischen Einführung angehoben werden. Ob die vielfach als zu niedrig kritisierte Drosselungsgeschwindigkeit von 384 kBit/s bis dahin auch "überholt" sein könnte - was sie laut Auffassung der meisten Beobachter jetzt schon ist -, dazu sagte der Manager nichts.

Der Zeitung verriet van Damme allerdings auch, dass es bereits Gespräche mit Anbietern gebe, die sich - wie das Telekom-eigene Entertain-Angebot - mit ihren Diensten von der Traffic-Berechnung ausnehmen lassen möchten. "Wir wollen diese Möglichkeiten diskriminierungsfrei anbieten, das heißt, wir reden mit jedem über diese Modelle, der sich bei uns meldet", sagte van Damme.

In einer Umfrage hat teltarif.de letzte Woche ermittelt, ob den Befragten das von der Telekom vorgegebene High-Speed-Volumen reicht und welche Konsequenzen sie aus der Zwangs-Drosselung ziehen werden. Die Ergebnisse lesen Sie im Artikel Telekom-Volumen reicht vielen Lesern nicht.

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