Breitbandausbau

Brachiales Breitband: Wenn die Ramme kommt

Horizontalramme klingt nach dem Versuch, eine mittelalterliche Burg einzunehmen. Es handelt sich um eine Bohrschnecke, mit der die Telekom ihre Glas­faserleitung verlegt, ohne den Bahnverkehr zu beein­trächtigen. Auch die Konkurrenz der Telekom forciert den Breitbandausbau.
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Stephanskirchen liegt in der Nähe von Rosenheim, direkt an der Bahntrasse Salzburg – München. Auf der Strecke verkehren täglich bis zu 200 Züge. Um Stephanskirchen mit schnellem Internet zu versorgen, musste die Telekom unter der Trasse Glasfaser verlegen. „Meist haben wir die Möglichkeit, eine Bahnanlage oder bestehende Rohre der Telekom zu nutzen“, erklärt Projektleiter Andreas Dichtler. Hier allerdings nicht. Hätte man das nächste geeignete Leerrohr genutzt, wäre man um Tiefbauarbeiten auf einer Länge zwischen zwei und drei Kilometer nicht umhin­gekommen.

Glasfaser Deutsche Telekom Stephanskirchen
In Stephanskirchen musste die Telekom eine Horizontalramme einsetzen, um die Glasfaser unter der Bahntrasse verlegen zu können
Um Anwohner und Autofahrer aber nicht noch mehr durch Bauarbeiten zu belasten, nahm die Telekom stattdessen eine sogenannte Bahnpressung vor. Dabei wird das Erdreich quasi aus dem Boden gepresst. Und dafür braucht es eine Horizontalramme. Das klingt zunächst recht einfach, bedurfte im Fall Stephanskirchen aber einer fast zweijährigen Vorbereitung. Letztendlich fraß sich die Ramme in einer fünf Meter tiefen und sechs Meter langen Grube unter die Bahntrasse durchs Erd­reich. Bis Ende des Jahres sollen die 10.500 Einwohner dann ans schnelle Internet angeschlossen sein.

Telekom-Video: Glasfaser unter der Bahn

Abgesehen von Stephanskirchen hat die Telekom in den vergangenen Wochen auch in anderen Orten ihre Netze bis zu 100 MBit/s ausgebaut. Seit dem 17. September erhalten knapp 153.000 Haushalte in 153 Kommunen Bandbreiten bis zu 100 MBit/s. Auch der Ausbau auf Super-Vectoring mit Bandbreiten bis zu 250 MBit/s ging weiter. Darüber hinaus will die Telekom fast 19.000 Unternehmen an ihr Glasfa­sernetz anschließen und startete dafür unlängst in 103 Gewerbegebieten die Vorvermarktung.

Vodafone baut Kabelnetz in Bayern aus

Auch Vodafone treibt den Breitbandausbau voran, zumindest für die Kabelkunden. Nach der Ankündigung, bis Ende 2020 bis zu 1 GBit/s für alle 12,7 Millionen Vodafone-Kabelhaushalte bereitzustellen, und dem Start des Kabelnetzausbaus in Niedersachsen gehen die Düsseldorfer nun in den Süden der Republik. „Noch in diesem Monat bringen wir in Bayern die ersten Gigabit-Städte ans Netz“, kündigt Vodafone-Deutschland-CEO Hannes Ametsreiter an und überreichte zu diesem Anlass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen Gigabit-Router von Vodafone.

Vodafone Kabelnetz Ausbau Bayern
Große Freude bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (li.) und Vodafone-Deutschland-CEO Hannes Ametsreiter: Die Düsseldorfer wollen ihr Kabelnetz in Bayern Gigabit-fähig ausbauen.
Im etwas kleineren Stil baut die Nummer 3 im Kabelmarkt, PYUR, aus. Das Tochter­unternehmen Frankfurter Antennen- und Kommuni­kations­service GmbH (FAKS) schließt die 1.500 Haushalte der Gemeinde Seelow im Kreis Märkisch-Oberland an ein FTTB-Netz an. Ab der zweiten Jahreshälfte 2019 werden dann in der ostbranden­burgischen Kreisstadt Dienste wie TV, Telefon und schnelles Internet mit bis zu 400 MBit/s zur Verfügung stehen.

Die Chance auf Gigabit-Geschwindigkeit erhalten auch die Orte Hermannsburg und Baven. Hier, inmitten der Lüneburger Heide, startete die Deutsche Glasfaser die Nachfragebündelung. Bis zum 10. Dezember müssen sich mindestens 40 Prozent der anschließbaren Haushalte für einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser entscheiden, dann rollen die Bagger an. Bürgermeister Axel Flader rührt bereits die Werbetrommel. "An der Verwirklichung eines entsprechenden Glasfaser­netzwerkes besteht ein besonderes Interesse der Gemeinde“, sagt Flader. Bleibt zu hoffen, dass seine Bürger das genauso sehen.

Wenn der Glasfaserausbau per Tiefbau zu teuer ist, verlegt die Telekom die Glasfaser wie zu Großvaters Zeiten auf Holzmasten. Dabei kommt ein Stecksystem zum Einsatz.

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