Wahrheit?

Telekom wehrt sich gegen Kritik am Breitband-Ausbau

Die Telekom picke sich beim Breitband-Ausbau im ländlichen Raum nur die Rosinen heraus und würde die Menschen dort "2. Klasse" behandeln. Das entspreche nicht der Wahrheit, so die Bonner - die Konkurrenz sieht dies aber anders.
Von Marleen Frontzeck-Hornke
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Die Deutsche Telekom setzt sich gegen die Kritiker des Vorgehens beim Breitband-Ausbau im ländlichen Raum zur Wehr. Demnach meint manch eine Stimme, dass das Bonner Unternehmen beim Netzausbau die Landbewohner "2. Klasse" behandelt und sich beim Ausbau nur die Rosinen herauspickt. Im offiziellen Blog nimmt die Telekom nun zu diesen Vorwürfen Stellung und schreibt, dass diese nicht ganz der Wahrheit entsprechen.

So investiere die Telekom "im Rahmen von 'Mehr Breitband für Deutschland' wie kein anderes Unternehmen seit Jahren in den Breitband-Ausbau auf dem Land". Man bündle alle Projekte in dieser Initiative, die die Telekom nicht hätte alleine stemmen können. Weiter geht es damit, dass die Telekom jedes Jahr über drei Milliarden Euro ins deutsche Netz investiere, was viel Geld sei und man ja nicht überall sein könne. Aus diesem Grund spricht die Telekom den eigenen Angaben zufolge auch direkt über Kooperations­möglichs­keiten mit den Kommunen. Durch solche Kooperationen seien "fast zwei Millionen Haushalte zusätzlich zum Regelausbau der Telekom" zu einem schnelleren Internet-Zugang gekommen.

Vorwurf: Telekom kümmert sich nur um "Ballungsgebiete"

Kritik am Netzausbau der Deutschen TelekomKritik am Netzausbau der Deutschen Telekom Zu dem Vorwurf, die Telekom würde sich nur um "Ballungsgebiete" beim Breitband-Ausbau kümmern, äußert sich das Unternehmen wie folgt: "Mit dem 5000sten Kooperations­vertrag für schnelles Internet wurde gerade ein Vertrag für einen kleinen Ortsteil in Bayern unterzeichnet. Mit ca. 560 Einwohnern ist Maria Thalheim nicht gerade eine Metropole. Zeigt also, dass wir uns nicht nur um die Großen auf dem Land kümmern. Durch diese Kooperation werden knapp dreihundert Haushalte und auch Gewerbetreibende in Maria Thalheim bald Zugang zu schnellem Internet haben."

Der Telekom-Chef Tim Höttges sagt nochmals zum Breitband-Ausbau im ländlichen Raum: "Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen einen schnellen Internet­anschluss zu bieten. Die Initiative 'Mehr Breitband für Deutschland' ist dafür ein ganz wichtiger Baustein."

Konkurrenz widerspricht der Telekom

Die Konkurrenz sieht den Sachverhalt allerdings etwas anders und widerspricht den Angaben der Telekom. Ein Sprecher des Breko gab auf Anfrage von teltarif.de folgendes Statement: "Die Breko-Unternehmen sorgen vor allem im ländlichen Raum vermehrt für eine Breitband-Abdeckung durch den Bau von NGA-Netzen – und liegen dabei weit vor der Deutschen Telekom. So liegen rund 90 Prozent der von Breko-Mitgliedern rund 8 200 erschlossenen Kabelverzweiger im ländlichen Raum – aber nur 4,4 Prozent der von der Deutschen Telekom erschlossenen rund 40 000 KVz."

Weiterhin heißt es vom Breko, dass die Deutsche Telekom mit den regulierten Entgelten der KVz-TAL und der weitgehend abgeschriebenen (Kupfer-)Infrastruktur erhebliche Gewinne erwirtschafte. Entsprechend gering sei ihr Anreiz, in den FTTB/FTTH-Ausbau zu investieren. "Alternative Carrier hingegen haben eine hohe Motivation, Glasfaser-Netze zu errichten, um die KVz-TAL nicht mehr in Anspruch nehmen zu müssen. Hinzu kommt, dass regionale Anbieter anders als die börsen­notierte Telekom auch bereit sind, Investments zu tätigen, die erst nach sehr langen Zeiträumen rentabel werden", so der Breko-Sprecher.

Während im Jahr 2011 die Deutsche Telekom 37 Prozent des gesamten operativen Gewinns in die Netz­infrastruktur investiert hat, waren es bei den Breko-Unternehmen 93,8 Prozent.

Alternative Netzbetreiber stemmten Großteil der Investitionen

Der Breko weist nochmals auf eine wichtige Aussage des Wissenschaftlichen Arbeitskreises für Regulierungsfragen (WAR) bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) hin. So sei die Behauptung der Incumbents, "nur gegen übermäßigen Wettbewerb geschützte große TK-Unternehmen seien Garant für Netz­investitionen", für Deutschland nicht haltbar. Im Zeitraum zwischen 2004 und 2013 stammt der Großteil der Investitionen von alternativen Netz­betreibern, "von denen mit mehr als 100 der weitaus überwiegende Teil im Breko organisiert ist". Nur 44,9 Prozent der Gesamt­investitionen kommen von der Deutschen Telekom, während die Telekom-Wettbewerber "hierzulande 34,3 Milliarden Euro beziehungsweise 55,1 Prozent der Gesamt­investitionen (62,3 Milliarden Euro)" gestemmt haben.

Der Bonner Ex-Monopolist steckt sein Geld vor allem in Vectoring – und nutzt dabei den Vorteil der abgeschriebenen Infrastruktur des Kupfernetzes. Der TK-Experte Prof. Torsten J. Gerpott hat ganz aktuell festgestellt: "In Deutschland haben alternative Carrier seit 1998 deutlich mehr investiert als der Altmonopolist". Zudem sei die niedrige Investitions­quote in Deutschland "nicht auf die Wettbewerber, sondern auf die Deutsche Telekom zurückzuführen", die deutlich weniger als ihre Mitbewerber investiere.

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