Einblicke

Telekom: Glasfaser ausbauen, Schulen stärker ans Netz

Telekom-Chef Höttges stellte seine Pläne für den Fest­netz- und Mobil­funk­ausbau vor. Bis Ende 2030 sollen alle Haus­halte in Deutsch­land per Glas­faser erreichbar sein.

Der Telekom Campus am Bonner Landgrabenweg. Hier befindet sich unter anderem die technische Abteilung und der Mobilfunk, ferner ein T-Punkt-Shop, der öffentlich zugänglich ist. Der Telekom Campus am Bonner Landgrabenweg. Hier befindet sich unter anderem die technische Abteilung und der Mobilfunk, ferner ein T-Punkt-Shop, der öffentlich zugänglich ist.
Foto: Deutsche Telekom
Wie schon berichtet, hat die Telekom heute ihre Bilanz­zahlen vorge­stellt. Telekom-Chef Höttges nutzte die Gele­gen­heit, sein Unter­nehmen ins beste Licht zu rücken.

Der Telekom-Chef stellt den "Concierge Service" vor, den sein Unter­nehmen einge­führt hat. Hier kümmert sich ein Mensch persön­lich um den Kunden, bis das Problem gelöst ist - egal, um welches Thema es geht.

Nachdem die Telekom seit Jahren alle Netz­tests gewonnen habe, könne sie nun einen Doppel­sieg beim Service für Mobil­funk und Fest­netz verzeichnen, etwa von den Fach­zeit­schriften Chip und Connect.

17 Milli­arden Inves­titionen

Der Telekom Campus am Bonner Landgrabenweg. Hier befindet sich unter anderem die technische Abteilung und der Mobilfunk, ferner ein T-Punkt-Shop, der öffentlich zugänglich ist. Der Telekom Campus am Bonner Landgrabenweg. Hier befindet sich unter anderem die technische Abteilung und der Mobilfunk, ferner ein T-Punkt-Shop, der öffentlich zugänglich ist.
Foto: Deutsche Telekom
Trotz aller Erfolge will sich die Telekom nicht zurück­lehnen, sondern weiter auf Rekord­niveau in den Netz­ausbau inves­tieren. Welt­weit sind das 17 Milli­arden Euro, alleine in Deutsch­land werden 5,5 Milli­arden in die Infra­struktur gesteckt, was "ein neuer Spit­zen­wert" ist. Die Schwer­punkte sind klar defi­niert: "Glas­faser (FTTH) und 5G".

Für 2021 möchte Höttges welt­weit rund 18,4 Milli­arden Euro inves­tieren, 2020 waren es 17 Milli­arden gewesen. Bis 2024 sollen die Ausgaben auf 6 Milli­arden pro Jahr alleine in Deutsch­land steigen, aktuell sind es 5,5 Milli­arden. Höttges erwartet 2021 ein berei­nigtes Ergebnis von rund 37 Milli­arden Euro.

Netze sind Rück­grat und Grund­lage

Die Netze, also die Infra­struktur sind für den Telekom-Vorstand "das Rück­grat und Grund­lage für die Wertig­keit des Unter­neh­mens." Höttges defi­niert das so: "Wir bieten beste Konnek­tivität, dann sind die Kunden loyal bereit dafür zu bezahlen."

Die Corona-Krise habe "unter dem Brenn­glas verdeut­licht, welche Aufgabe die die Telekom zu leisten hat."

Schulen (wollen nicht) ans Netz?

Höttges rech­nete vor, dass 17.000 Schulen in Deutsch­land sofort mit schnel­lerem Internet aufge­rüstet werden könnten. Die Telekom habe alle Schulen persön­lich ange­schrieben. "Wir stellen diesen Dienst kostenlos zur Verfü­gung und berechnen erst ab August 2021 maximal 25 Euro pro Schule und Monat." Enttäu­schend sei die Reak­tion auf das Schreiben nach 5 Monaten gewesen: Von 17.000 Schulen hätten nur etwa 1500 Schulen das Angebot ange­nommen.

Ein Video der Telekom zur Digi­tali­sie­rung der Schulen:

Höttges plädierte erneut dafür, die Umset­zung der Digi­tali­sie­rung schneller, aktiver, selbst­bewusster und mutiger anzu­gehen.

Nach acht Jahren: Fest­netz auf IP umge­stellt

Das Fest­netz wurde durch den Umstieg auf das IP-Proto­koll moder­nisiert und zukunfts­fähiger. Das war eine acht Jahre dauernde Mammut-Aufgabe, wofür mehr als 1 Milli­arde Euro inves­tiert wurden. "Jeder einzelne Fest­netz­anschluss musste ange­fasst werden." Jetzt können mehr Kunden über Soft­ware ange­spro­chen werden. Die Kunden können ihre Anschlüsse selbst verwalten und die Hotline kann viel leichter als bisher aus der Ferne helfen.

Zukunft Glas­faser

Im Jahre 2020 gab es 600.000 Haus­halte, die mit Glas­faser erreichbar sind, diese Zahl soll 2021 verdop­pelt werden, trotz der Kälte in den letzten Wochen.

Für 2022 bis 2024 peilt Höttges jähr­lich 2,5 Millionen FTTH-Anschlüsse an, als Glas­faser bis in die Wohnung der Kunden. Bis Ende 2024 sollten so etwa 10  Millionen Haus­halte mit Glas­faser erreichbar sein, bis Ende 2030 sollen alle Haus­halte in Deutsch­land mit Glas­faser versorgt sein.

Alleine nicht zu schaffen

Höttges betonte erneut, dass die Telekom das nicht alleine schaffen könne. "Wir brau­chen viele Inves­toren." Man sei offen für Infra­struktur-Wett­bewerb, offen für Part­ner­schaften mit Voda­fone, Telefónica oder neue Anbie­tern, den Kommunen und wolle auch im länd­lichen Raum tätig werden.

Dabei beschreitet das Unter­nehmen unge­wöhn­liche Wege: Die Telekom hat sich über Whole­sale-Abkommen mit den drei größten Wett­bewer­bern wie 1&1, Voda­fone und Telefónica "frei­willig und markt­wirt­schaft­lich geei­nigt", diese Unter­nehmen können die Glas­faser der Telekom für die nächsten 10 Jahre nutzen. Auch mit regio­nalen Part­nern wurde die Telekom handels­einig, wie z.B. NetCologne, wo man ein 10 Jahre laufendes Abkommen über die Nutzung von VDSL und FTTH geschlossen hat.

Der Mythos, dass der Goliath Telekom den örtli­chen David über­baut, sei nicht mehr Realität.

Auch andersrum: Telekom kauft Leis­tungen ein

Auch "andersrum" funk­tio­niert das Geschäft, bei "Wholebuy": Die Telekom hat bereits 2,5 Millionen Haus­halte unter Vertrag, deren Anschlüsse bei regio­nalen Anbie­tern geschaltet sind. "Wenn die Kommune oder die Stadt baut und uns zu glei­chen Kondi­tionen wie für den Einkauf bei der Telekom anschließt, kaufen wir gerne bei Fremd-Anbie­tern.

Netz­ausbau: Nur 1400 Stationen statt geplanter 2000 möglich

Beim Netz­ausbau konnten im Jahr 2020 nur etwa 1400 neue Stand­orte in Betrieb, geplant waren 2000 Stand­orte, doch es gab Probleme bei Geneh­migungen.

5G erreicht bereits zwei Drittel der Bevöl­kerung, und man sei erst zufrieden wenn "alle #dabei" sind.

Schlep­pende Geneh­migungen und Büro­kratie verhin­derten den Ausbau, ein Beispiel von vielen sei Stolpe auf Usedom, wo es Streit um die Verle­getiefe einer Glas­faser­lei­tung vor Gericht gibt. Die Angst der Kommunen vor neuen Ausbau­methoden wie minder­tiefe Leitungen oder Tren­ching könnte durch den Abschluss einer Versi­che­rung genommen werden, die etwaige Folge­schäden abde­cken könnte, schlug Höttges vor.

Koope­ration mit Wett­bewerb funk­tio­niert

Höttges lobte die Koope­ration mit den Wett­bewer­bern: "Jeder stellt dem andern Infra­struktur zur Verfü­gung, wo der noch nicht ist." So konnten durch die Zusam­men­arbeit mit Voda­fone und Telefónica 10.000 graue/weiße Flecken in Angriff genommen werden. "Wir sind bereits mitten drin."

Noch stärker will sich die Telekom in Europa und speziell in Deutsch­land auf konver­gente Ange­bote ausrichten, also Telefon, Internet, Fern­sehen und Haus­ver­net­zung - das Zuhause soll digi­tali­siert werden, was neue Wachs­tums­per­spek­tiven eröffnet.

Die Telekom soll noch digi­taler werden. Nach dem Sprich­wort "Eat your own dogfood" möchte die Telekom nicht nur seinen Kunden digi­tale Produkte verkaufen, sondern sie selbst nutzen, um interne Prozesse zu auto­mati­sieren, die Netze "cloud-native" zu auto­mati­sieren und effi­zienter werden.

Telekom redu­ziert CO2 und votiert gegen Hate-Speech

Seit Jahres­beginn tele­fonieren alle Kunden "im grünen Netz" - bis 2030 soll der CO2-Ausstoss um 90 Prozent gegen­über 2017 redu­ziert worden sein.

Das Unter­nehmen richtet sich in Anzeigen und Radio- und TV-Spots gegen "Hate Speech" im Netz. 2020 hatte die Telekom den "Diver­sity Award" erhalten und möchte mutig verän­dern, denn: "Jeder Mensch zählt gleich viel - unab­hängig von Haut­farbe, Herkunft", eigent­lich eine Binsen­weis­heit, die in der Realität aber noch immer nicht ange­kommen ist.

Die Pandemie habe digi­talen Fort­schritt gebracht, um im Krisen­fall flexibel zu bleiben. "Der Wandel ist eine Tür, die nur von innen geöffnet werden kann", philo­sophierte Höttges. "Wir haben den Schlüssel für Verän­derung/Trans­for­mation in der Hand. Wir können alles aus eigener Kraft zu schaffen, wir müssen es nur machen und wollen."

Im ersten Teil unseres Berichtes gehen wir auf die Bilanz­zahlen der Telekom ein.

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