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Telekom überträgt in Berlin 1,2 GBit/s per LTE im Live-Netz

1 GBit/s per LTE: Die Telekom entwickelt ihr Mobilfunknetz weiter. In Berlin wurden an zwei Standorten jetzt Datenraten von 1 GBit/s erreicht.
Aus Berlin berichtet Thorsten Neuhetzki
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Gemeinsam mit Huawei hat die Telekom jetzt erstmals in Deutschland in der Praxis gezeigt, dass ein Gigabit pro Sekunde per LTE übertragen werden kann. An zwei Standorten in Berlin schaffte es die Telekom durch zahlreiche technische Stellschrauben, die LTE-Geschwindigkeit auf mehr als 1 GBit/s zu bringen. Bisher war das nur im Labor möglich. An den beiden Standorten aber hat die Telekom diesen Schritt unter realen Netz­bedingungen geschafft - wenngleich die Geschwindigkeit für die Kunden mangels Hardware heute noch nicht nutzbar ist.

Die Indoor-Antennen für die 3,5-GHz-ÜbertragungDie Indoor-Antennen für die 3,5-GHz-Übertragung Wie schon beim Pilotbetrieb im Berliner Mauerpark, bei dem 375 MBit/s alleine durch dreifache Carrier-Aggegration (CA) - also die Zusammen­schaltung verschiedener Empfangs­strecken auf unterschiedlichen Frequenzen - erreicht wurden, dient auch die jetzige Gigabit-Demonstration weniger dazu den einzelnen Nutzer mit 1 GBit/s zu versorgen. Vielmehr geht es darum, die gesamte Kapazität im Netz zu erhöhen, um so jedem einzelnen mehr Bandbreite zur Verfügung zu stellen - vergleichbar mit einer Autobahn, die weitere Spuren bekommt. Vor allem durch Streams und Videos werden diese Datenmengen und Datendurchsätze erforderlich. Nicht zuletzt durch ihre neue unlimitierte Dayflat dürfte die Telekom künftig ein zusätzliches Traffic-Wachstum im Netz feststellen.

Die Weiterentwicklung von LTE mit bislang 300 MBit/s im Downstream, eigentlich als 4G bezeichnet, über die jetzt demonstrierte neue Geschwindigkeitsstufe jenseits von 1 GBit/s wird am Ende zum von den Netzbetreibern erwarteten 5G-Netzen führen, erläutert Telekom-Technik-Chef Bruno Jacobfeuerborn im Gespräch mit teltarif.de. Daher dienen auch die 4G-Weiterentwicklungen dazu, 5G auf die richtige Spur zu schicken. 5G hatte die Deutsche Telekom erst Anfang des Monats im Olympiastadion in Berlin in einem Showcase gezeigt. Dabei handelte es sich um ein Testnetz.

Test indoor und outdoor

So sieht die Empfangstechnik ausSo sieht die Empfangstechnik aus Das jetzt in der Winterfeldtstraße in Berlin-Schöneberg als Indoor-Variante und einem weiteren Standort im Prenzlauer Berg in Berlin als Outdoor-Lösung gezeigte LTE Advanded Pro wurde im Live-Netz der Telekom realisiert. Das ist nach Angaben der Telekom-Techniker deutlich schwieriger, da vermieden werden muss, dass das Netz für die Kunden nicht mehr funktionstüchtig ist. Zudem müssen zahlreiche Sicherheitsfragen geklärt werden, da es sich um ein öffentliches Kommunikations­netz handelt. Diese Prozesse helfen jedoch auch, spätere Integrations­fragen einfacher abzuarbeiten. Dass der Test im Live-Netz der Telekom realisiert wurde, ist nach Angaben der Telekom erstmalig in dieser Form weltweit erfolgt. Diese Tatsache hat jedoch auch Auswirkungen auf den Datendurchsatz: Während der Messungen im Outdoorbereich waren 15 bis 20 andere Kunden in den Funkzellen eingebucht, deren Downloads sich auch in den Messungen bemerkbar machten. So wurden hier statt 1,15 GBit/s im Durchschnitt bei der Indoor-Lösung dann "nur" noch 960 MBit/s outdoor erreicht. In der Spitze erreichten die Techniker von Telekom und Huawei mehr als 1,22 GBit/s innen und 1,1 GBit/s im Außengelände. Am Upstream ändert sich durch diesen Test zunächst nichts, da es ausschließlich darum ging, den Gigabit-Downstream zu optimieren.

Und auch, wenn es sich bei der 1-GBit/s-Demo um einen einmaligen Versuch handelte und die Testanlagen zum Teil schon wieder abgebaut sind, so dürfte doch klar sein, dass die Telekom perspektivisch die Technik im eigenen Netz in der Praxis nutzen will. Huawei dürfte dabei genau so als Netzpartner in Betracht kommen wie Nokia. Mit Nokia hatte die Telekom vor kurzem in Warschau einen 1,2-GBit/s-Versuch gezeigt - hier allerdings im Labor. Die Sendeantennen für die 3,5-GHz-Frequenzen beim Outdoor-TestDie Sendeantennen für die 3,5-GHz-Frequenzen beim Outdoor-Test

So wurde der Test realisiert

Telekom und Huawei haben den aktuellsten Evolutionsschritt LTE Advanced Pro mit einer herkömmlichen Mobilfunk­sendeanlage verwendet. Diese wurde mit einer Kleinzelle gebündelt, der Datenverkehr floss nicht nur über eine, sondern gleich über fünf Trägerfrequenzen, die per Carrier-Aggregation gebündelt wurden. Dabei wurden jedoch nicht nur komplett verschiedene Spektren gebündelt, sondern beispielsweise auch zwei Blöcke aus dem Bereich um 1800 MHz. Da die Geräte diese 2x20 und 2x10 MHz Spektrum jedoch nicht eigenständig zu 2x30 MHz zusammenfassen können, muss hierfür die (Innenband-)Carrier Aggregation angewendet werden. Ferner kamen erstmal Frequenzen um 3,5 GHz (20 plus 20 MHz) im TDD-Modus zum Einsatz sowie 2x20 MHz aus dem Bereich um 2,6 GHz.

Bestehende Festnetz-Infrastruktur für Smallcell genutzt

1,22 GBit/s in der Spitze: Telekom-CTO Bruno Jacobfeuerborn freut sich1,22 GBit/s in der Spitze: Telekom-CTO Bruno Jacobfeuerborn freut sich Doch alleine mit der fünffach-Carrier-Aggregation (5CA) wäre das Gigabit nicht möglich gewesen. Ergänzend kam auch noch Sende- und Empfangstechnik die 4x4 MIMO beherrschen zum Einsatz. MIMO steht für Mehrfacher Input - Mehrfacher Output. Dabei handelte es sich jedoch nicht um Handys, sondern um professionelle Rechner. Wie aber auch bei der Entwicklung von 5G hat das den Grund, dass auf dem Weg die Parameter immer noch weiter angepasst werden können, ohne dass jeweils neue Chips entworfen werden müssen. Erst, wenn die Parameter feststehen, werden die Chipsets der Chip-Hersteller entworfen - dann ist auch ein Handy mit 1,2 GBit/s denkbar. Telekom-Technik-Chef Bruno Jacobfeuerborn vor dem Test-MFG im Prenzlauer-Berg.Telekom-Technik-Chef Bruno Jacobfeuerborn vor dem Test-MFG im Prenzlauer-Berg. Hier wurde im Live-Netz eine Smallcell für eine 1-GBit/s-Übertragung in Betrieb genommen.

Interessant beim Versuchsaufbau der Telekom: Am Außenstandort setzte die Telekom zusätzlich zu den regulären Frequenzen von einem Sendemast in der Nähe auch eine sogenannte Smallcell ein. Diese wurde in einem Multifunktions­gehäuse der Telekom, auch als Kabelverzweiger (KVz) bekannt, errichtet. Dabei wurde die Glasfaser­zuführung für VDSL verwendet, die Sendebasis im MFG untergebracht und eine kleine Sendeantenne auf den Deckel des MFG angebracht. Bestehende Festnetz­infrastruktur wird die Telekom in Zukunft deutlich häufiger nutzen, um Smallcells zu errichten und so weitere Mobilfunk­kapazität in die Städte zu bringen.

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