Mobile World Congess

Tim Höttges: Netzbetreiber müssen für ihre Kunden zugänglicher werden

Die Deutsche Telekom nutzte ihre MWC-Pressekonferenz nicht nur, um über die Zukunft des Hybrid-Angebots, sondern über einen besseren Kundenservice und die europäische Netzstrategie zu sprechen. Wie kann die Bestellung und Bereitstellung eines Breitband-Anschlusses in wenigen Minuten funktionieren?
Vom MWC in Barcelona berichtet
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Die Deutsche Telekom hat ihren Messeauftritt auf dem Mobile World Congress in Barcelona - wie bereits berichtet - dazu genutzt, den bundesweiten Start ihres Hybrid-Angebots bekannt zu geben - alle Details dazu finden Sie in einer separaten News. Ab 2016 soll das Hybrid-Angebot übrigens mit Entertain buchbar sein.

Doch auch um das Thema Sicherheit will sich der Konzern kümmern, und das zuerst einmal für Geschäftskunden. Eine neue App für verschlüsselte Telefonie wird - ebenso wie der gleichzeitig vorgestellte "Corporate Security Hub" - vorerst ausgewählten Business-Kunden angeboten. Die App wird über WLAN telefonieren und benötigt daher keine SIM-Karte. Aufgrund der starken Verschlüsselung soll sie sogar in Staaten funktionieren, die VoIP verbieten und sie soll maximal 4,8 kBit/s Bandbreite benötigen. Pro Monat und Gerät wird die App für verschlüsselte Telefonie zwischen 15 und 20 Euro kosten. Der Corporate Security Hub soll Schadsoftware aus einem Firmennetzwerk filtern, bevor diese die Computer der Nutzer erreicht. Die Telekom spricht hier von einer Art "digitaler Waschmaschine".

Europäische Netzstrategie: Unterschiedliche technische Standards vereinheitlichen

Telekom-Chef Höttges auf dem MWC in BarcelonaTelekom-Chef Höttges auf dem MWC in Barcelona Tim Höttges und Claudia Nemat nutzten die Pressekonferenz, um im Rahmen der Netzstrategie "More Europe" darauf hinzuweisen, dass momentan nur 10 Prozent des weltweiten Umsatzes im Telekommunikationssektor in Europa generiert werden - 90 Prozent außerhalb Europas.

Höttges hält es für wichtig, dass die europäischen Telekommunikationsfirmen mehr zusammenarbeiten, um offene Standards zu schaffen, damit Europa wieder Boden gut machen kann. Als speziellen Industriezweig außerhalb von IT und TK nannte er die Autoindustrie, die durch gemeinsame und offene Standards besser mit der IT- und Tk-Welt verzahnt werden müsse.

Als populäre Negativ-Beispiele nannte Höttges die nicht vorhandene Verzahnung zwischen den verschiedenen Messaging- und VoIP-Diensten wie beispielsweise Skype: Die meisten dieser Systeme sind geschlossen und Nutzer können nicht einfach ihre Kontaktliste von einem zum anderen Dienst transferieren. More Europe für die Deutsche TelekomMore Europe für die Deutsche Telekom

Als Herausforderung sieht Höttges den Bereich Sicherheit, aber auch der Netzausbau müsse vorangetrieben werden. 5G sei hierbei unverzichtbar, um die unglaublichen Datenmengen, die zukünftig nicht nur zwischen Menschen, sondern auch Maschinen gesendet werden, bewältigen zu können. Als spezielle Lösung vor allem für kleinere Maschinen und Wearables nannte Höttges die eSIM, eine programmierbare SIM-Karte, die Kommunikationsprozesse vereinfachen soll. Weitere Details dazu haben wir in einer separaten News zusammengefasst. Interessante Innovationen aus einem Land Europas sollten sofort ohne technische Barriere auch in anderen Staaten Europas umsetzbar sein. Das müsse auch die staatliche Regulierung unterstützen.

Alle diese einzelnen Anstrengungen sieht Höttges eingebettet in den Netzausbau, der nicht nur eine deutsche, sondern eine europäische Anstrengung sei. IP sei die "Lingua franca" unsere Zeitalters, sagte Höttges. Es sei dringend notwendig, unterschiedliche technische Standards in allen europäischen Staaten zusammenzuführen. Dieses Ziel der Konvergenz solle dahin führen, dass der Nutzer im besten Fall irgendwann gar nicht mehr bemerkt, ob er jetzt per WLAN, 3G, 4G oder 5G verbunden ist. Gegenwärtig werden übrigens 100 000 Kunden wöchentlich europaweit auf IP-Anschlüsse umgestellt und das Festnetz bleibe weiterhin ein Kerngeschäft des Telekom-Konzerns. So wie das Auto heute schon für den Nutzer modular zu konfigurieren ist, sollen auch TK-Angebote zukünftig einfacher kombinierbar sein. Dies setzt eine Pan-europäische Produkt- und Produktionsstrategie voraus, für die die Telekom sich stark macht. Broadband on DemandBroadband on Demand

Kundenservice muss besser werden

Höttges mahnte an, dass der Kundenservice von TK-Firmen deutlich besser werden müsse. Wenn Freunde untereinander per SMS oder Messenger kommunizieren - warum sollte dies der Telekom-Service dann nicht mit seinen Kunden tun? Der Service der Telekom müsse dahingehend besser werden, dass Kunden viel einfacher mit ihrem Netzbetreiber in Kontakt treten können, ohne in Telefon-Warteschleifen zu hängen. Das TK-Unternehmen müsse für seine Kunden ein verlässlicher Partner werden.

Die komplette Umstellung auf IP-Anschlüsse in Mazedonien habe es dort beispielsweise möglich gemacht, dass Kunden in sekundenschnelle einen Breitband-Anschluss buchen können, ohne dass sie auf einen Freischaltungstermin oder den Besuch eines Technikers warten müssen. Der Kunde kann zum Beispiel Breitband-Festnetz nur für einen Tag oder eine Woche buchen - und der Anschluss wird sofort geschaltet. Es sei auch möglich, dass der Verbraucher für 24 Stunden einen Breitband-Testanschluss bucht und erst hinterher entscheidet, ob er ihn für 12 oder 24 Monate behalten möchte.

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