Kompromisslos

Telekom hält trotz VoIP-Ausfällen eisern an Umstellung auf All-IP fest

Die kürzlich aufgetretenen Störungen im VoIP-Netz der Telekom sind nicht nur ärgerlich, bei vielen Nutzern wecken sie Zweifel am Komplett-Umstieg auf All-IP. Der Geschäftsführer Kundenservice entschuldigt sich zwar bei den Kunden, sieht zu All-IP aber keine Alternative.
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Aktuelle Telekom-Werbung für das beste NetzAktuelle Telekom-Werbung für das beste Netz Wird das Festnetz der Telekom nach der Umstellung auf All-IP, die in den kommenden Jahren stattfindet, noch genauso zuverlässig sein wie ISDN und der analoge Telefondienst? Angesichts der kürzlich aufgetretenen Probleme beim VoIP-Service der Telekom, die sich nun schon seit Tagen hinziehen, stellen sich die Nutzer - und auch wir in unserem Editorial - vermehrt diese Frage.

Am Willen zur Innovation mangelt es dabei nicht - viele Leser-Rückmeldungen an teltarif.de belegen, dass die Kunden prinzipiell offen sind für neue Techniken wie All-IP, insbesondere dann, wenn der Anschlusspreis dadurch günstiger werden oder die Surfgeschwindigkeit steigen könnte. Doch die Zuverlässigkeit des Telefondienstes im Festnetz steht weiterhin hoch im Kurs - wer will dabei schon Abstriche machen, insbesondere wenn er beruflich auf ein funktionierendes Telefon angewiesen ist?

Die Telekom arbeitet fieberhaft an der Lösung der Probleme, doch die Zweifel unter den Kunden sind gesät. Heute sah sich Gero Niemeyer, Geschäftsführer Kundenservice bei der Telekom, daher dazu gezwungen, die Initiative zu ergreifen. Darum hat er auf der Service-Seite des Unternehmens einen langen Brief an die Telekom-Kunden veröffentlicht. Diesen wollen wir hier einmal in voller Länge wiedergeben. Bemerkenswert sind insbesondere die namentliche Nennung von Ericsson als Hardware-Partner sowie die Behauptung, dass die "alte Technik", also ISDN/Analog, nicht mehr lange von den Herstellern unterstützt werde.

Wiederholte Einschränkungen in der IP-Telefonie

Liebe Kundinnen, liebe Kunden,

der Grund, warum ich mich heute an Sie wende, sind die wiederholten Einschränkungen in der IP-Telefonie in den letzten Wochen. Uns als Geschäftsführung der Deutschen Telekom ist es wichtig, Ihnen gegenüber zu den häufigsten Fragen in diesem Zusammenhang Stellung zu beziehen.

Die in der letzten Zeit aufgetretenen Störungen betrafen die Plattform für IP-Telefonie im Festnetz, wodurch es leider zu Beeinträchtigungen für einen Teil von Ihnen kam. Internet und TV waren durch diese Störungen nicht betroffen und funktionierten die ganze Zeit einwandfrei. Die Ursache liegt in einer Kombination von Netzwerk- und Softwarethemen. Es kam zu Kommunikationsproblemen zwischen einzelnen Komponenten unseres VoIP-Systems, wodurch teilweise die Registrierungen von Routern verloren gingen. Dadurch konnten einige von Ihnen vorübergehend nicht mehr telefonieren. An der Problembehebung arbeiten wir derzeit sehr intensiv mit den beteiligten Systemfirmen, insbesondere Ericsson.

Gemeinsam mit unseren Lieferanten und Experten aus unseren IT-Teams haben wir eine Task-Force aufgesetzt, die rund um die Uhr an der Fehlerbehebung arbeitet. Wir haben bereits erste Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt, weitere werden folgen. Das Störungsbild ist im Übrigen unabhängig von der Anzahl der IP-Kunden. Es sind systemseitig genügend Ressourcen vorhanden.

Parallel haben wir zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Erreichbarkeit unserer Hotlines weiterhin zu gewährleisten und unsere Kapazitäten in diesem Bereich zu erhöhen. In der aktuellen Situation erreichen uns bis zu dreimal mehr Anrufe in sehr kurzer Zeit. Dies führt zu sehr hohen Wartezeiten, deren Auswirkungen sich auch in den kommenden Tagen noch bemerkbar machen werden. Bei vorübergehenden Ausfällen ist eine Störungsmeldung Ihrerseits nicht notwendig, da die Behebung automatisch in Gang gesetzt wird. Wir informieren Sie hierzu über sämtliche uns zur Verfügung stehenden Kanäle, beispielsweise über unser Sprachportal auf der Hotline oder hier bei "Telekom hilft".

IP an sich ist eine ausgereifte Technologie, die bereits weltweit im Einsatz ist. Internet und TV funktionieren einwandfrei. Und auch bei der IP-basierten Telefonie hat es in den letzten zweieinhalb Jahren bei uns nur wenige Probleme gegeben. Deshalb stellen wir IP nicht in Frage. Im Gegenteil, wir brauchen die IP-Technologie aus zwei Gründen: Erstens müssen wir unser Netz weiterentwickeln, um Ihre Erwartung nach modernen Anwendungen und höherem Bandbreitenbedarf erfüllen zu können. Und zweitens wird die alte Technik nicht mehr lange von den Herstellern unterstützt, so dass sie sich in großen Schritten ihrem Lebensende nähert. Darauf müssen wir reagieren!

Dabei ist unsere IP-Umstellung der größte Netzumbau in der Geschichte der Telekom. So ein Mammutprojekt ist natürlich mit Risiken und Schwierigkeiten verbunden. Aber unser Anspruch ist es, Ihnen auch mit IP immer und überall das beste Netz zu bieten.

Liebe Kundinnen, liebe Kunden, seien Sie versichert, dass die Situation in den vergangenen Tagen nicht unserem Verständnis von technischer Verfügbarkeit unserer Netze entspricht. Wir setzen alle verfügbaren Kräfte ein, um die gewohnte Stabilität unseres Netzes zu gewährleisten.

Ihr
Gero Niemeyer

Geschäftsführer Kundenservice

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