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WhatsApp-Konkurrent Telegram sperrt Propaganda-Kanäle von Dschihadisten

Der Smartphone-Messenger Telegram sperrt aktiv Propagandakanäle von Terroristen in seinem Netzwerk. In unserer Meldung erfahren Sie, warum das Netzwerk auch für "schwarze Schafe" besonders interessant ist.
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Als sich die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) am vergangenen Samstag zu den Terroranschlägen in Paris bekannte, wurde dafür ein bislang eher ungewöhnlicher Weg genutzt: Das Bekennerschreiben machte über den Smartphone-Messenger Telegram die Runde, der seit 2013 am Markt ist und sich seit der Übernahme des Konkurrenten WhatsApp durch Facebook wachsender Beliebtheit erfreut.

Telegram wirbt damit, eine besonders sichere Kommunikation zu ermöglichen. So lassen sich private Chats Ende-zu-Ende-verschlüsseln. Das funktioniert zwar auch bei anderen Messengern, so zum Beispiel beim aus der Schweiz stammenden Threema. Allerdings bietet Telegram zusätzliche Features, die bei den Mitbewerbern so nicht zu finden sind.

Unter anderem ist es möglich, mehrere Geräte mit dem gleichen Account zu nutzen. Das klappt mit Threema nicht, mit WhatsApp nur dank der vor knapp einem Jahr eingeführten Spiegelung der Chats in einem Internet-Browser. Mit Telegram könnten die Anwender aber beispielsweise auch an einem Smartphone, einem Tablet und einem PC parallel eingeloggt sein. Dabei stehen für PC und Mac anders als bei WhatsApp sogar native Clients zur Verfügung.

Einem Bericht der Zeitung Die Welt zufolge hat sich die Kommunikation der Dschihadisten in den vergangenen Jahren generell verändert. Wurde früher noch offen kommuniziert, so wurde der Austausch von Informationen in allgemein nicht zugängliche Foren oder eben zu Messengern ausgelagert. Das erschwere die Überwachung.

IS-Channel bei Telegram hatte 9000 Abonnenten

Telegram sperrt Propaganda-KanäleTelegram sperrt Propaganda-Kanäle Als bei Telegram besonders interessant gelten dabei die öffentlichen Channels, über die sich innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Abonnenten erreichen lassen. Dabei ist nur die Anzahl der Abonnenten sichtbar, während die Namen oder weitere Daten der Nutzer verborgen bleiben. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, gab es bereits vor einem Monat Hinweise auf einen solchen Channel, über den der IS offenbar rund 9000 Abonnenten mit Fotos und Videos versorgt hat.

Reagierten die Macher von Telegram zunächst nicht auf diese Hinweise, so veröffentlichte das Unternehmen am Mittwochabend eine Stellungnahme, nach der allein in dieser Woche 78 Kanäle mit IS-Bezug gesperrt worden seien. Ferner wolle man den Nutzern des Messengers die Möglichkeit erleichtern, Kanäle mit fragwürdigen Inhalten zu melden. Es sei beunruhigend, dass Terroristen die Telegram-Channels für ihre Zwecke missbrauchten.

Telegram ist kostenlos nutzbar und unterstützt neben Android und iOS auch Windows Phone. Dazu stehen Desktop-Clients für PC und Mac zur Verfügung. Dank einer entsprechenden API ist es auch für Drittanbieter möglich, Apps zur Nutzung des Messengers zu entwickeln. Die Bemühungen, auch einen Client für Blackberry 10 anzubieten, fruchteten dagegen bislang nicht.

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