Sprachassistenten

Amazon vs. Google: Sprachassistenten als Telefon-Ersatz

Die smarten Lautsprecher mit empfindlichen Mikrofonen und sattem Sound müssten eigentlich hervorragende Freisprechanlagen sein. Doch wie gut eignen sie sich wirklich als Telefon-Ersatz? Wir haben es getestet.
Von Dennis Knake
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Wie heißt es so schön? Konkurrenz belebt das Geschäft. Kaum war Googles smarter Lautsprecher „Google Home“ im letzten Jahr auch in Deutschland verfügbar, legte Wettbewerber Amazon mit neuen Funktionen für den bereits länger erhältlichen Echo nach. Eine davon: Die Möglichkeit den Sprachassistenten als Telefon zu nutzen. Amazon hat dabei klar die Nase vorn, doch so ganz weit fortgeschritten ist die Entwicklung auf beiden Geräten noch nicht.

Digitale Sprachassistenten sind recht praktische Helferlein im Alltag. Auch wenn Sie polarisieren, längst sind sie ein Verkaufshit. Man kann mit ihnen Termine verwalten, Musik hören, Einkaufslisten erstellen oder sie als Erinnerungsstützen in der Küche verwenden. „Alexa? Timer auf fünf Minuten!“ - nie wieder gibt es hartgekochte Eier. Auch auf die Frage nach dem Wetter oder der aktuellen Verkehrssituation haben sie meist eine gute Antwort. Mit einer ganz offensichtlichen Funktion aber hadern die Sprachassistenten: Die intelligenten Lautsprecher mit ihrer üppigen Ausstattung an Mikrofonen müssten sich doch eigentlich hervorragend als Freisprechanlage zum Telefonieren eignen. Besser als jedes handelsübliche Haustelefon. Doch ganz so einfach ist es nicht. Platzhirsch Amazon hat sich mit der Einführung der Telefonfunktion in Deutschland lange Zeit gelassen. Doch seit Herbst letzten Jahres geht es langsam voran.

Telefonieren mit Amazon Echo: members only

Google vs Amazon als Telefon-ErsatzEignen sich die smarten Lautsprecher von Amazon und Google bereits heute als Telefon-Ersatz? Wer den smarten Lautsprecher von Amazon als vollwertigen Telefon-Ersatz nutzen möchte, wird ernüchtert. Gespräche über das Internet lassen sich nämlich bislang nur mit anderen Echo-Besitzern führen. Das Gerät als Internettelefon, etwa über einen SIP-Account zu nutzen, ist nicht möglich. Notrufe sind damit auch ausgeschlossen. Bislang heißt es also: telefonieren ja, aber members only. Für Gespräche zwischen Echo Geräten greift die Alexa App auf das Telefonbuch des Smartphones zurück. Nach dem Start der frisch installierten oder aktualisierten App muss die eigene Rufnummer eingetragen werden. Eine SMS-Authentifizierung schaltet die eigenen Echo Geräte im Haushalt dann frei. Gleichzeitig erscheinen in der Kontaktliste der App auch alle anderen Kontakte, die ihrerseits einen Echo nutzen. Jetzt können Sprachnachrichten verschickt oder eine Sprachverbindung erstellt werden.

Sprachverbindung mit Echo herstellen

Mit „Alexa, rufe NAME an“ wird eine Sprachverbindung hergestellt, wobei NAME hier als Platzhalter für einen Namen im Telefonbuch steht. Um Missverständnisse zu vermeiden, vergewissert sich Alexa vorher noch einmal nach dem richtigen Empfänger. Bei einem „Ja“ wird die Verbindung anschließend hergestellt. Auf der Empfängerseite leuchtet der Ring des Echo grün und der Anruf wird von Alexa angekündigt. Gespräche können dort mit „Alexa, Anruf annehmen“ angenommen werden.

Sprachnachrichten mit Echo versenden

Wer keine Lust auf ein Livegespräch hat, kann auch eine Sprachnachricht hinterlassen. Nach „Alexa, Nachricht an NAME“ vergewissert sich Alexa abermals, den richtigen Empfänger verstanden zu haben. Wir dies bestätigt, fordert sie zum Sprechen auf. Mit „Alexa, Nachricht beenden“ während der Aufzeichnung wird die Aufnahme gestoppt. Anschließend bestätigt Alexa den Versand. Alternativ kann zum Beenden der Nachricht auch die Aktionstaste auf dem Echo gedrückt werden. Beim Empfänger leuchtet der Ring des Echo wieder grün und Alexa kündigt die eingetroffene Sprachnachricht unter Nennung des Absenders an. Die Nachricht kann mit einem „Alexa, Nachricht abspielen“ abgerufen werden.

Der Echo als Haustelefon

Verschiedene Echo-Geräte in einem Haushalt lassen sich auch hervorragend als Haustelefon nutzen. Über die Alexa-App können die einzelnen Geräte im Haushalt mit Namen versehen werden. Also etwa mit „Wohnzimmer“, „Küche“, „Büro“, „Keller“ oder „Kinderzimmer“. Wer nun eine Sprachverbindung von einem anderen Raum in das Büro herstellen möchte, sagt einfach „Alexa, rufe Büro an“. Bei Sprachnachrichten versagt Alexa allerdings ihren Dienst. Ein „Alexa, Nachricht an Büro“ funktionierte in unserem Test nicht.

Zukünftige Telefonfunktionen mit „echo connect“

Amazon echo connect
Der "echo connect" wird an die Telefonbuchse angeschlossen. Mit ihm kann Alexa telefonieren. In Deutschland ist das Gerät jedoch bislang nicht erhältlich.
Um mit dem Echo richtige Telefongespräche führen zu können, bietet Amazon in den USA bereits den „echo connect“ an. Für rund 35 US-Dollar erhält der Kunde ein weiteres Gerät, mit dessen Hilfe die Telefonfunktionen konfiguriert werden können. Der echo connect wird dabei wie ein herkömmliches Telefon per Telefonkabel direkt an die Telefonbuchse oder den heimischen Router mit Telefonanschluss verbunden. Die Konfiguration erfolgt im WLAN Netz über die Smartphone-App. Anschließend können herkömmliche Telefongespräche über den Echo unter Angabe des Namens initiiert werden. Noch ist der echo connect in Deutschland nicht erhältlich. Amazon ließ nach Rückfrage über seine Pressestelle mitteilen, es sei zwar Ziel, sämtliche Produkte so schnell wie möglich auch international verfügbar zu machen, in diesem Falle gäbe es aber „derzeit keine Ankündigungen für Deutschland“. Was auf PR-deutsch ungefähr soviel wie „lass Dich überraschen“ bedeutet.

Telefonieren mit Google Home

Der Druck für Amazon, hier voran zu preschen ist auch nicht besonders groß. Denn die Konkurrenz hinkt bei dem Thema hierzulande noch hinterher: Auch mit dem Sprachassistenten Google Home wird es bald die Möglichkeit geben, Gespräche zu tätigen. Die große Ernüchterung ist jedoch, dass diese Funktion in Deutschland bislang noch nicht freigeschaltet ist. Fordert man Google auf, einen Freund aus dem Adressbuch anzurufen, antwortet die Stimme hierzulande bislang nur "ich kann leider noch keine Anrufe tätigen". Wann es soweit sein wird, wollte Google auf Nachfrage noch nicht verkünden. Nutzer in den USA können bereits ausgehend kostenlos Telefongespräche innerhalb der Vereinigten Staaten oder Kanada führen. Die Telefonnummern müssen lediglich im Google Adressbuch des Nutzers gespeichert sein. Die Gespräche werden dabei nicht über das Smartphone ausgeführt, sondern direkt via Onlineverbindung über die Google Server hergestellt. Anders als bei Amazon ist es jedoch nicht möglich, Nutzer anderer Google Lautsprecher auf ihren Geräten direkt anzurufen. Interne Sprachnachrichten zwischen mehreren Google Lautsprechern, sogenannte "Broadcasts", können bislang auch nur im englischen Sprachraum verschickt werden. Während man mit Amazon Echo intern telefonieren, aber keine Sprachnachrichten verschicken kann, ist es bei Google offenbar genau anders herum. So ist zwar das Verschicken von Sprachmemos intern möglich, es können aber keine Gespräche zwischen zwei Geräten innerhalb eines Haushaltes geführt werden.

Fazit

Ganz so gut ist es um die Telefonfunktionen bei intelligenten Sprachassistenten also noch nicht bestellt. Die naheliegendste Funktion wäre es, einfach das Smartphone per Bluetooth zu koppeln und Gespräche ähnlich wie in einem modernen Auto per Sprachbefehl zu steuern. Doch beide Geräte lassen sich nur für die Musikwiedergabe per Bluetooth nutzen. So müssen die Nutzer also weiter warten, bis Amazon und Google die Telefonfunktionen soweit verfeinert haben, dass sie im Haushalt ein Telefon ersetzen könnten. Zumindest dann, wenn Freisprechen gewünscht ist.

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