Pläne

Telefónica: Kundendaten sollen für Geld verkauft werden

Handy- und Internetnutzer geben tagtäglich ihre Daten an die Betreiber von E-Mail-Konten, Apps und Webdiensten weiter. Telefónica will den Nutzern nun ermöglichen, damit Geld zu verdienen. Doch wie funktioniert das?
AAA
Teilen (11)

"Kundendaten sind die neue Währung" - nach diesem Prinzip handeln viele Startups, die mitunter mittlerweile zu Großkonzernen aufgestiegen sind: Kostenlose E-Mail-Postfächer, Apps und Cloud-Speicherplätze gibt es insbesondere von US-amerikanischen Anbietern dann, wenn der Nutzer sich durch die Akzeptanz der AGB dazu verpflichtet, dem Anbieter seine Daten zu überlassen. Viele Nutzer lesen derartige Bedingungen allerdings vor der Verwendung des Dienstes eher selten.

Mittlerweile kommen auch Provider und Netzbetreiber, die ebenfalls über einen großen Schatz an Kundendaten verfügen, auf die Idee, diese zu nutzen. Insbesondere das deutsche Datenschutzgesetz setzt dem aber recht enge Grenzen. Jeder Mobilfunk-Netzbetreiber erfasst beispielsweise anonymisiert die Bewegungsdaten der Handy-Kunden, hieraus kann man ablesen, welches Handy sich wann in welcher Funkzelle an- und abgemeldet hat sowie welche eingehenden und abgehenden Telefonate stattgefunden haben. Diese Daten werden für Abrechnungszwecke benötigt. Telefónica Deutschland ist mittlerweile dazu übergegangen, die Ergebnisse aus Analysen dieser anonymisierten Bewegungsdaten zu verkaufen, beispielsweise für die Verkehrsplanung (Verhinderung von Staus und hohem Schadstoffaufkommen). Großes Interesse hat daran auch die Werbewirtschaft, da man mit Hilfe dieser Bewegungsdaten beispielsweise feststellen kann, wie viele Personen einer bestimmten Altersgruppe an einem Werbeplakat vorbeigehen. Wie man Telefónica die Nutzung und Weitergabe dieser anonymisierten Bewegungsdaten verbieten kann, haben wir in einem separaten Artikel erläutert.

Offenbar ist es Telefónica aber ein Dorn im Auge, dass die vielfältigen Diensteanbieter im Internet und auf Smartphones sowie die großen Plattformbetreiber Google, Apple und Microsoft nach der Zustimmung durch die Kunden massenweise Kundendaten horten und nutzen dürfen. Die spanische Telefónica-Muttergesellschaft hat sich nun etwas einfallen lassen.

Telefónica-Plattform für Datenverkauf ab 2017

Telefonica-Business-Campus in MadridTelefónica-Business-Campus in Madrid, Spanien Die Hannoversche Allgemeine berichtet auf Basis einer AFP-Meldung, dass Telefónica Spanien die Initiative am Montag bei einem Telekommunikationsforum in Santander/Nordspanien vorgestellt hat. Starten soll die neue Plattform offenbar im Jahr 2017.

Auf der Plattform können Nutzer offenbar ihre persönlichen Daten bereitstellen, um im Gegenzug von Konzernen wie Apple, Google, Microsoft oder Facebook dafür bezahlt zu werden. Die Kunden sollen auf der einen Seite nicht nur wissen, über welche persönlichen Daten die Konzerne verfügen, sondern eben auch selbst entscheiden können, ob sie die Daten weitergeben wollen oder nicht. Die Kunden sollen also nicht nur die Kontrolle über ihre persönlichen Daten zurückgewinnen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich die Daten-Nutzung von den großen Konzernen bezahlen zu lassen.

Wie das Geschäftsmodell funktionieren soll, geht aus dieser ersten Meldung noch nicht hervor. Unklar ist beispielsweise, ob die Konzerne überhaupt bei dem System mitmachen, ob das Geld dann direkt an den Nutzer ausgezahlt wird oder ob die Auszahlung über den Provider erfolgt. Außerdem ist nicht geklärt, was passiert, wenn die Kunden auf der Plattform der massenhaften Nutzung ihrer Daten widersprechen und ob sie dann Dienste wie Gmail, WhatsApp oder Facebook überhaupt noch nutzen können. Ein innovativer Telefónica-Tarif, bei dem die Kunden 100 MB Datenvolumen gegen Werbung erhalten, ist der netzclub Sponsored Surf Basic.

Mittlerweile haben wir von Telefónica Deutschland eine Stellungnahme erhalten, ob die Plattform zum Datenverkauf in Deutschland eingeführt wird. Diese lesen Sie hier: Kundendaten-Verkauf: Was plant Telefónica Deutschland?

Momentan ist es so, dass Nutzer zwar auch gegenüber einem US-amerikanischen Konzern der Datennutzung und -Weitergabe widersprechen können. Dies hat aber in vielen Fällen zur Folge, dass der Dienst nicht mehr genutzt werden kann. Ein aktuelles Beispiel ist die Datenweitergabe von WhatsApp an Facebook. Wie man dieser widersprechen kann, haben wir separat aufgezeigt. Im übrigen berichten wir darüber, was ein Anwalt zur Datenweitergabe sagt.

Teilen (11)

Mehr zum Thema Telefónica