Entlassungen bei o2

Telefónica schließt vermehrt lokale o2-Ladengeschäfte

Hinter den Kulissen von Telefónica gibt es große Unstimmigkeiten beim Umgang mit den hiesigen Mobilfunkshops. Der Netzbetreiber schließt immer mehr Standorte und soll diese technisch benachteiligen.
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Das goldene Zeitalter der Mobilfunkshops scheint vorbei zu sein, was man vor allem an der Schließung vieler hiesigen o2-Ladengeschäfte merkt. In Bottrop appellierten kürzlich Mitarbeiter eines o2-Shops im Rahmen einer Demonstration an die Moral des Münchner Telekommunikationsunternehmens. Auf den Plakaten waren eindeutige Botschaften wie „Mit LTE Speed in die Arbeitslosigkeit“ zu lesen. Markus Haas will mit Telefónica Deutschland „digitaler Champion“ werden. Dabei scheint man die Wegrationalisierung der o2-Geschäfte und die damit einhergehenden Entlassungen in Kauf zu nehmen.

„Mega Data, Mega Digital, 0 Moral“

Protestierende o2-MitarbeiterProtestierende o2-Mitarbeiter Der Frust steht den Mitarbeitern des o2-Shops am Berliner Platz in der Bottroper City ins Gesicht geschrieben. Man muss gar nicht erst die Plakate mit den aus Wut und Enttäuschung entstandenen Inhalten lesen, um zu wissen, was Fakt ist. Die Führungskräfte und zehn Mitarbeiter des Ladens sind ihren Job los, womit sie sich zu anderen Leidensgenossen in Städten wie Gladbeck, Duisburg, Limburg, Montabaur, Bergheim und Recklinghausen gesellen. Die WirtschaftsWoche hat die Demonstration begleitet und einige Details zutage gefördert. „O2 macht dicht und entlässt uns in die Arbeitslosigkeit.“, erklären die Geschäftsführer. Dabei geben sie den Managern der Münchner Zentrale die Schuld. Telefónica habe vor allem ehemalige E-Plus-Shops nach der Übernahme quasi digital verwahrlosen lassen. Fehlerhafte IT-Systeme und Störungen im Netz sowie beim Service sollen Kunden schon vor vier Jahren verärgert haben, bis heute gab es kaum Besserung. Frühere E-Plus-Händler prangern an, dass Telefónica es immer noch nicht geschafft habe, allen Shops reibungslose Zugänge zu den Kundendatenbanken anzubieten.

Gezielte Manipulation der Ladengeschäfte?

Manche Mitarbeiter gehen sogar von einer Verschwörung aus. So wurden die internen Callcenter des Netzbetreibers bislang nicht durch IT-Fehler benachteiligt. Die Kundendaten seien dort stets aufrufbar, man könne Kunden gezielt mit Rabatten locken. Ein Händler beobachtete in seinem Geschäft einen besonders kuriosen Fall. Während er einem Stammkunden aufgrund von technischer Probleme nicht weiterhelfen konnte, wurde jener mitten im Laden vom Telefónica-Callcenter kontaktiert. „Digital4Growth“ nennt der Münchner Anbieter seine Initiative, mit der mehr Teilnehmer über die Onlinekanäle akquiriert werden sollen. Das Mobilfunkunternehmen spart sich damit Prämien, welche Händler für das Anwerben neuer Kunden und Vertragsverlängerungen bekommen. Der von Deutschlands o2-Chef Markus Haas getätigten Aussage „Die Interaktion mit den Kunden soll einfacher, schneller und besser werden“ schenken die Händler keinen Glauben mehr.

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