Netzausbau

Die Herausforderungen des Netzumbaus bei Telefónica/o2

Aus zwei Netzen werden erst drei, dann eins: Die Netzintegration bei Telefónica/o2 erfordert viele, viele Schritte. Lesen Sie zudem, warum bald der nächste große Netzumbau anstehen könnte.
AAA
Teilen (73)

Wie bereits im empirischen Netztest von Potsdam angedeutet, gibt es im Mobilfunknetz von Telefónica/o2 derzeit eine Menge Licht und Schatten: Bereits weitgehend umgebauten Großstädten wie Hildesheim oder Potsdam, in denen sich die Verfügbar­keit und (von Spitzen­werten in einzelnen Zellen mal abgesehen) auch die Geschwindig­keit des o2-Netzes auf Augenhöhe zur Konkurrenz bewegt, stehen Problem­regionen wie Berlin rund um die Friedrich­straße gegenüber, in denen das Nutzererlebnis leider katastrophal ist. Anzuerkennen ist, dass Telefónica während einer Rundfahrt mit Journalisten durch Potsdam nicht nur ihre Stärken benannt hat, sondern auch die Probleme unumwunden zugegeben hat. Dieser Artikel wird zunächst die Probleme näher beleuchten, und dann ausführen, wie das neue Netz von Telefónica aussieht. Dazu gibt es auch einige Bilder.

Beton-Funkmast von Telefónica/o2Beton-Funkmast von Telefónica/o2 Eines der Probleme ist, dass es derzeit faktisch drei Telefónica-Netze gibt: Das "alte" o2-Netz, das "alte" E-Plus-Netz und das "neue", verein­heitlichte Mobilfunknetz. Für den Kunden sehen diese drei Netze dank National Roaming (Zugang zum jeweils anderen Netz) und Recolouring (Wechsel auf eine einheitliche Netz-ID) zwar heute bereits aus wie ein Netz. In der Realität setzt sich dieses eine Netz aber aus real aus den drei genannten Netzen zusammen, und die Kunden wechseln laufend zwischen diesen. Gerade an den Netzüber­gängen kann es, teils auch wegen Überlastung des Signalisierungs-Layers, auch mal zu Gesprächsabbrüchen und/oder Verzögerungen beim Aufbau neuer Datenver­bindungen nach dem Zellwechsel kommen. Deswegen baut Telefónica ihr Netz komplett zu einem neuen, einheitlichen Netz um. Ziel ist, künftig wieder alle Basis­stationen einer Stadt am selben Controller hängen zu haben.

Beschleunigter Umbau an Hotspots geplant

In den vergangenen Monaten ist bei Telefónica aber auch die Erkenntnis gereift, das man mit dem Netz-Upgrade an Hotspots nicht warten kann, bis die jeweilige Stadt gemäß dem Ausbauplan umgebaut wird. Denn derzeit leiden die Kunden an den Hotspots, wie der öfters genannten Berliner Friedrich­straße, einfach zu sehr, als dass man sie weiter länger warten lassen könnte. So wurde tatsächlich das Problem am Berliner Hauptbahnhof - wo teltarif.de wiederholt schlechte Performance bemängelte - inzwischen entschärft. Nachdem in Kooperation mit den anderen Netzbe­treibern entsprechende Glasfaser­kapazitäten gelegt worden waren, nahm Telefónica eine neue LTE-Basisstation am Hauptbahnhof in Betrieb.

Herkömmliches Server-Kabinett für eine Basisstation.
Ein herkömmliches Server-Kabinett, wie es bisher typischerweise für Basisstationen verwendet wurde. Das Gehäuse hier enthält nun aber weniger aktive Technik als früher. Verblieben sind vor allem die Batterien zur Notstromversorgung.
Am Montag lieferte diese bei unserem Test tatsächlich gute Datenraten. Dafür ging im 3G-Netz am Berliner Hauptbahnhof im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr: Der Speedtest brach mit einer Fehler­meldung ab, und selbst einfache Anwendungen mit wenig Datenvolumen, wie die Anzeige der Abfahrts­zeiten der Züge in der Öffi-App oder auf der mobil-optimierten Website der Bahn, waren nicht nutzbar, so lange das Smartphone im 3G-Netz von o2 eingebucht war.

Outdoor-Server des Ausrüsters Nokia von vorneOutdoor-Server des Ausrüsters Nokia von vorne. In den Geräten befindet sich die Technik für 3G und 4G. Nach derzeitiger Planung soll die Netzintegration binnen fünf Jahren nach der Fusion von Telefónica und E-Plus abgeschlossen werden. Das ist im Jahr 2019. Letztendlich handelt es sich beim Netzausbau aber sowieso um eine Sisyphos-Arbeit: Spätestens, wenn man fertig ist, muss man sowieso wieder von vorne anfangen. Denn die Datennutzung der User steigt rasant weiter, so dass eine Zelle, die heute über ausreichend Reserven verfügt, schon in zwei oder drei Jahren bereits wieder überlastet sein kann. Ab und zu kündigt auch ein Vermieter einen Standort, dann muss vor Ort ebenfalls umgeplant werden. Dasselbe gilt für Mobilfunk-Auktionen, nach denen neue Frequenzen verteilt und alte möglicher­weise zurück­gegeben werden müssen. Schließlich steht ab 2020 die Einführung des nächsten Mobilfunk­standards an, nämlich 5G.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum vor der Verbesserung oft der Total-Ausfall steht, und warum Telefónica die Server "im Regen stehen" lässt.

1 2 vorletzte
Teilen (73)

Mehr zum Thema Netzausbau