Mobilfunknetz

Markus Haas: "Wir machen das Wett­rüsten nicht mit"

Telefónica will vorerst keine höheren Datengeschwindigkeiten über LTE als 225 MBit/s anbieten. Die Netzintegration soll bis Ende des Jahres weitgehend abgeschlossen sein.
Von der IFA in Berlin berichtet
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Im Rahmen eines Pressegesprächs, zu dem Telefónica anlässlich der IFA in seine Hauptstadtrepräsentanz geladen hatte, gab der Chef der Telefongesellschaft, Markus Haas, auch einen Ausblick auf die technische Weiterentwicklung des Mobilfunknetzes. "Wir haben das größte Netz", gab sich Haas selbstbewusst. Daran ändere sich auch nach dem Wegfall von 14 000 Standorten im Zuge der Zusammenlegung der früher eigenständigen Netze von E-Plus und o2 nichts. Das Telefónica-Netz verfüge weiterhin über rund 27 000 Standorte.

Mit dem eigenen UMTS-Netz versorge das Unternehmen rund 90 Prozent der Bevölkerung. Bei LTE liege der Versorgungsgrad bei 80 Prozent. Hier baue Telefónica weiter aus. Haas räumte aber auch ein, am Geschwindigkeits-Wettrüsten über 4G nicht teilzunehmen. Er spielte damit auf die immer höheren Datenübertragungsraten an, mit denen vor allem Vodafone wirbt. Während Telefónica aktuell mit bis zu 225 MBit/s im Downstream wirbt, können Vodafone-Kunden in einigen Städten - passende Hardware vorausgesetzt - mit bis zu 500 MBit/s im Downstream surfen.

Haas betonte, derart hohe Geschwindigkeiten seien für die Kunden nicht relevant. Entscheidend seien eine gute Performance und geringe Ansprechzeiten. So arbeite Telefónica an einer Erweiterung der Kapazitäten. Zu diesem Zweck wird der LTE-Standard sukzessive neben dem Frequenzbereich um 800 MHz auch auf 1800 MHz eingesetzt. Mehrere tausend 4G-Stationen seien in diesem Band bereits im Einsatz. Dazu gebe es einige hundert LTE-Anlagen im Frequenzbereich um 2600 MHz, die für weitere Kapazitätserweiterungen genutzt werden. Nachteil von LTE 2600 sei die physikalisch bedingte geringe Reichweite.

LTE künftig auch auf 2100 MHz

Telefónica-Chef Markus Haas zum Netzausbau und KundenserviceTelefónica-Chef Markus Haas zum Netzausbau und Kundenservice Als zusätzliches LTE-Band soll künftig auch 2100 MHz zum Einsatz kommen. In diesem Spektrum arbeiten die UMTS-Netze. Daran soll sich zumindest bei Telefónica auch bis auf weiteres nichts ändern. Vielmehr will das Unternehmen 4G zusätzlich zu 3G im 2100-MHz-Bereich betreiben. Narrowband-IoT sei in diesem Jahr im Telefónica-Netz noch ohne Bedeutung. Das soll sich künftig aber ändern. Der Standard werde per Software-Update auf LTE 800 realisiert.

Mit der Netzintegration, also der Zusammenlegung der früher getrennten Netze von E-Plus und o2, komme Telefónica gut voran. Bis Ende des Jahres sollen die Maßnahmen weitgehend abgeschlossen sein. In Süddeutschland sei das bereits der Fall. Feinheiten wie etwa die Umrüstung an schwer zugänglichen Standorten stünden dann noch im ersten Halbjahr 2018 an.

Auch beim Kundenservice strebt Telefónica Markus Haas zufolge weitere Verbesserungen an. E-Plus und o2 hätten früher die höchste Kundenzufriedenheit gehabt und da wolle man wieder hin. Die Probleme im Zusammenhang mit der Migration früherer E-Plus-Kunden auf o2 räumte Haas ein. Erst vor wenigen Tagen hat Telefónica, zunächst im Rahmen eines Pilotprojekts, einen Rückrufservice zur Verbesserung der Kundenbetreuung eingeführt.

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