Interview

Telefónica-Chef: "Wollen Tarif-Port­folio stark vereinfachen"

Telefónica-Chef Markus Haas sprach im SZ-Interview unter anderem über eine geplante Vereinfachung des Tarif-Portfolios und über die Pläne für ein "Omnichannel-Erlebnis".
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Telefónica-Chef Markus Haas hat im Interview mit der Süddeutschen Zeitung über die Digitalisierung der Gesellschaft, der Wirtschaft und seines Unternehmens gesprochen. Dabei ging es unter anderem um die anonymisierte Auswertung von Bewegungsdaten der Kunden des Münchner Telekommunikations­dienst­leisters. Die Anwender könnten dabei selbst darüber entscheiden, ob ihre Daten verwendet werden dürfen oder nicht.

Haas zeigte die Vorteile auf, die die Auswertung von Bewegungsdaten mit sich bringen könnten. "Wir schauen uns an, wie die Frequenz in unseren Shops ist, wo die beste Lage dafür ist", so der Telefónica-CEO. Darüber hinaus nutze das Unternehmen die Daten Optimierung des eigenen Netzes. Es sei für den Betreiber beispielsweise hilfreich, auf diesem Weg Störungen oder Nutzungshöhepunkte ermitteln zu können.

Einkaufserlebnis soll "auf allen Kanälen" funktionieren

Telefónica-Chef Markus HaasTelefónica-Chef Markus Haas Telefónica arbeite zudem an einem "Omnichannel-Erlebnis". Darunter versteht der Netzbetreiber die abwechselnde Nutzung verschiedener Verkaufswege wie die App, die Webseite oder den Shop. "Wir wollen ein Einkaufserlebnis schaffen, das wirklich auf allen Kanälen funktioniert", so Haas. Das höre sich einfach an, sei aber in der Praxis eine echte Herausforderung.

Der Chef des nach Kundenzahlen größten deutschen Mobilfunk-Netzbetreibers nannte auch die Probleme, die sein Konzern lösen muss: "Wir haben immer sehr viele alte Tarife, zigtausende. Hier ein Datenpaket dazu, dort ein Musiktarif." Das soll sich allerdings ändern, wie Haas weiter erklärte. Bei der Zusammenführung der Kunden der früheren E-Plus Gruppe und der "alten" Telefónica o2 habe das Unternehmen bereits die Hälfte der Alt-Tarife gestrichen. Nun gibt es ein Detox benanntes Projekt, um das Tarifportfolio zu vereinfachen.

Keine Angaben machte Haas dazu, welche Tarife und Optionen wann möglicherweise auch für Bestandskunden wegfallen werden. Ein vergleichbares Projekt läuft derzeit bei Vodafone. Der Düsseldorfer Telefónica-Konkurrent verfolgt das Ziel, alle Kunden im Laufe dieses Jahres in seine aktuellen Tarife zu überführen.

Ein Problem sieht Haas in den Plänen nicht, im Gegenteil: "Wenn wir es jedem unserer 45 Millionen Mobilfunkkunden ermöglichen wollen, vieles digital zu erledigen, dann heißt das, wir müssen erstmal vereinfachen, und zwar radikal." Allerdings würde sich auch das Nutzungsverhalten der Kunden ändern. Noch vor einem Jahr habe die Mehrzahl der Nutzer maximal 1 GB Daten pro Monat verbraucht, in den aktuellen Tarifen seien es oft mehr als 7 GB.

Haas: "Ausreichend große Datenpakete entscheidend"

Der Telefónica-Chef sagte abschließend, immer mehr Kunden wollten mobile Daten nicht nur auf einem Gerät, etwa dem Smartphone, nutzen. Viele Anwender hätten auch ein Tablet, eine Smartwatch und ein Auto mit WLAN-Hotspot. Dabei wollten die Nutzer keine sechs oder sieben Verträge, sondern eine einheitliche Lösung von ihrem Anbieter. So seien ausreichend große Datenpakete und die Möglichkeit für den Kunden, den Tarif möglichst einfach zu nutzen, entscheiden. "An solch einer Steuerungszentrale arbeiten wir gerade intensiv, damit sich das künftig so einfach anfühlt, wie ein Fingerwisch übers Handydisplay", so Markus Haas abschließend.

Die von Telekom und Vodafone inzwischen angebotenen Smartphone-Tarife mit echter Daten-Flatrate wurden nicht thematisiert. Allerdings hatte sich die Telefónica-Pressestelle auf Anfrage von teltarif.de bereits zu diesem Thema geäußert.

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