Interesse?

Zu verkaufen: Eplus, Loop, Genion

Nein, das ist kein Witz: Ein Marken­dienst­leister bietet die Marken Eplus, Genion und Loop zum Kauf an. Wer ein paar hundert­tausend Euro oder mehr übrig hat, kann unter bestimmten Bedin­gungen zugreifen.
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Täglich landen unzäh­lige Mails in unserem Post­fach. Von eindeu­tigem Spam bis Zwei­felhaftes - und darunter eine Mail, ob wir nicht die Marken­namen "Eplus", "Genion" oder "Loop" kaufen wollten. Schnell die Lösch­taste gedrückt, doch dann siegte die Neugier, die Mail kehrte zurück und wir haben uns in der Szene umge­hört.

Zu verkaufen: Eplus, Loop und Genion

Marken die Mobilfunkgeschichte geschrieben haben, stehen zum Verkauf. Doch wer will sie kaufen und was darf er damit machen?Marken die Mobilfunkgeschichte geschrieben haben, stehen zum Verkauf. Doch wer will sie kaufen und was darf er damit machen? Es stimmt tatsäch­lich: „Im Nach­gang einer regu­lären Über­prüfung des Marken­port­folios, hat sich Telefónica Deutsch­land dazu entschlossen, ihre bekannten Marken Eplus, Loop & GENION zu verkaufen, welche nicht mehr als Kern­marken betrachtet werden", steht da bei der "inter­natio­nalen Marken­börse" BRANDvillage.

Die Vermark­tung dieser Marken wird durch die Firma BRANDvillage vorge­nommen. Es handelt sich um die Marken

  1. Eplus: Zu haben sind ein Marken­port­folio mit 32 deut­schen & EU-Marken, Wort­marken und Wort-/Bild­marken - darunter ein Domain­port­folio mit mehr als 100 Domains
  2. Loop: Ein Marken­port­folio mit 29 deut­schen & EU-Marken, Wort­marken und Wort-/Bild­marken - Domain­port­folio mit mehr als 100 Domains
  3. GENION: - Marken­port­folio mit 26 deut­schen & EU-Marken, Wort­marken und Wort-/Bild­marken - Domain­port­folio mit mehr als 100 Domains
Nach wie vor "haben alle vorste­hend genannten Marken eine hohe Bekannt­heit", findet BRANDvillage. Durch den umfas­senden Marken­schutz sowie die Viel­zahl an Domains "können die Marken sofort wieder reak­tiviert und repo­sitio­niert werden." Konkret: Die Marken Eplus, Loop, GENION können Einzeln oder im Paket erworben werden.

Loop mit dunkler Vergan­genheit

Die Marke "Loop" hat schwere Zeiten hinter sich. Als die dama­lige VIAG Interkom ausge­rechnet diesen Begriff als Marke für ihr Prepaid-Angebot heraus­gesucht hatte, wurde alsbald mit wenig fein­fühligen Methoden alle Nutzer des Begriffs "Loop", der in der Musik­szene zum Stan­dard Reper­toire einer Musik-Schleife gehört, rigoros abge­mahnt. Damals tobte ein ziem­licher Shit-Storm durch die Szene, viele Kunden nahmen das Verhalten der dama­ligen VIAG Interkom ziem­lich übel. Als später auf die Marke o2 (chemi­sche Abkür­zung für Sauer­stoff) gewech­selt wurde, soll es einen ähnli­chen "Marken­krieg" gegeben haben. Die Firma Adel­holzener schaffte es immerhin, ihr o2-Spru­delwasser ganz offi­ziell mit VIAG/o2 abzu­stimmen, weil wohl klar war, dass man Handys und Tarife nicht trinken kann. Der Laie wunderte sich.

Ein Privat­mann, der auf 0179.com seiner­zeit wert­volle Tipps rund um VIAG Interkom gegeben hatte, wurde von der Abmahn­keule tief getroffen und musste Spenden sammeln gehen. Normale Kunden (und Nicht­juristen) reagierten darauf ziem­lich verstört. Immerhin: Am Ende über­nahm VIAG Interkom alle Kosten und erhielt dafür die Domain, die heute auf eine Fehler­seite bei o2 führt. Der Student hat seine damals durchaus wert­vollen und Hinweise Infos komplett gelöscht. VIAG versprach damals künftig "sensi­bler" vorzu­gehen.

Trauern um Genion

Genion, das nette Männ­chen in der Home­zone, ermög­lichte damals von zu Hause aus zu bezahl­baren Tarifen mobil zu tele­fonieren. Die Erreich­barkeit unter der Fest­netz­nummer, das war damals im Markt "einmalig" und begrün­dete den guten Ruf eines inno­vativen Unter­nehmens VIAG Interkom, das dem fest­gefah­renen Markt neue Impulse gab.

Was kann man mit diesen Marken anfangen?

Man stelle sich das also einmal vor. Ein Mensch oder eine Firma erwirbt eine Marke, sagen wir "Eplus". Das dürfte dann wohl auch für die Schreib­weisen "eplus", "e-plus", "E-Plus" oder "E-Plus+" gelten? Dann könnte dieser Käufer alle Leute im Lande, die aus alter Gewohn­heit noch den Begriff "Eplus" im geschäft­lichen Verkehr verwenden, die viel­leicht noch original "Eplus" Reklame am oder im Laden hängen haben (alleine in Berlin gibt es noch einige davon), die viel­leicht noch alte Tariff­lyer oder Poster aus Nost­algie behalten haben, "abmahnen"? Ein unschlag­bares Geschäfts­modell und mögli­cher­weise legal.

Wer ist künftig Vertrags­partner von Aldi-Talk-Kunden?

Schauen Sie mal als Aldi-Talk Kunde in Ihre Unter­lagen (Seite 28). Sie sind (nach wie vor) Kunde der E-Plus-Service GmbH (EPS) in Potsdam. Wird diese Firma dann ihren Namen wech­seln (müssen)? Viele Fragen.

Wer könnte das kaufen?

Wer könnte so eine Marke kaufen? Die Konkur­renz? Könnte also - sagen wir mal - Voda­fone oder Telekom oder ein Service-Provider die Marke Eplus erwerben und dann unter diesem Namen einen neuen Tarif oder eine Tarif­familie auflegen? Mit den Details betraute Personen sagen "nein, das wäre juris­tisch abge­sichert, dass kein Unter­nehmen aus dem Tele­kommu­nika­tions­umfeld zum Zuge kommt". Wir wissen es nicht, ob das funk­tionieren kann.

Wie teuer wären diesen Marken?

Was könnte eine solche Marke kosten? Die Antwort eines Bran­chen­kenners: Das können Hundert­tausende bis Millionen Euro sein. Nur wer könnte das kaufen? Wenn der Gebrauch im Tele­kommu­nika­tions­umfeld juris­tisch #erschwert oder verhin­dert würde, könnte also jemand seinen neuen Müsli-Riegel "Eplus", "Loop" oder "Genion" nennen? Oder ein Szene-Getränk oder hippe Klamotten?

Für einen poten­ziellen Abmahner dürfte das Risiko hoch sein, erst einmal 6- oder 7-stel­lige Summen zahlen zu müssen, um dann viel­leicht bei seinen Abmah­nungen höchst­rich­terlich "ermahnt" zu werden. Denn die oft übliche Abmahn­praxis wird in der Politik schon länger "kritisch beäugt", könnte also durch eine Geset­zesän­derung künftig noch weiter einge­schränkt werden. Aber könnte es doch passieren? Wir wissen es nicht.

Warum wird das verkauft?

Bleibt die Frage: Warum verkauft die Telefónica diese Marken? Die Antwort (siehe oben): Weil sie diese Marken nicht mehr nutzen und damit nicht mehr brau­chen. Oder klarer formu­liert: Weil sie etwas Wert sind. Oder dras­tischer formu­liert: Weil sie das Geld gut gebrau­chen können.

Spät­folgen eines Preis­kriegs bei stei­genden Kosten

Und jetzt wird es poli­tisch: Die von vielen Kunden bis heute emotional nicht wirk­lich akzep­tierte Fusion von Eplus und o2 war eine Spät­folge eines gigan­tischen Kosten­drucks durch Tiefst­preise im Markt und stei­gende Anfor­derungen an den Netz­ausbau. Jetzt haben wir wieder vier Anbieter. Und solche Aktionen, wie auch der geplante Verkauf der Sender­stand­orte (um sie anschlie­ßend zurück­zumieten), zeigt, wie knapp das Geld derzeit bei einigen Anbie­tern ist. Geht das Spiel jetzt von vorne los? Werden wir bald wieder "nur noch" drei oder eines Tages gar nur noch "zwei" Anbieter sehen?

Falls Sie sich "Ihre" Marke erstei­gern möchten: Unter www.brandvillage.com haben Sie dazu Gele­genheit. Seien Sie aber nicht allzu enttäuscht, wenn Sie mit Geboten von wenigen (Hundert oder Tausend) Euro höchst­wahr­schein­lich nicht zum Zuge kommen werden.

Wir sind gespannt, ob und an welchen Käufer diese Marken gehen werden.

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