5G

Telefónica-CEO Dirks: "Müssen die Chance haben, Geld zu verdienen"

Telefónica-Chef Thorsten Dirks fordert neue Modelle für den Mobilfunk-Netzbetrieb der künftigen 5G-Netze. Dazu sei auch ein Umdenken bei der Regulierung erforderlich. Aus Brüssel gebe es positive Signale.
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Telefónica-CEO Thorsten Dirks hat sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, das auch im Blog der Telefónica veröffentlicht wurde, unter anderem zur Mobilfunk-Zukunft geäußert. Dabei ging Dirks unter anderem auf den Netzausbau und dessen Finanzierung ein. Das ist angesichts der Situation, dass den Mobilfunk-Betreibern gerade die Roaming-Einnahmen wegbrechen, ein spannendes Thema.

Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, habe beispielsweise gesagt, es seien Investitionen von 500 Milliarden Euro nötig, um dem Anspruch gerecht zu werden, mit der nächsten Generation des Mobilfunks wieder aufzuholen. 80 bis 90 Prozent davon solle die Privatwirtschaft aufbringen. "Als ich diese Zahlen gehört habe, habe ich tief geatmet", so Dirks im Interview.

"Müssen andere Wege als in der Vergangenheit gehen"

Thorsten Dirks im InterviewThorsten Dirks im Interview Der Telefónica-CEO führte weiter aus, die Telekommunikationskonzerne müssten die Chance haben, Geld zu verdienen, um dieses wieder in den Ausbau der Infrastruktur investieren zu können. "Vergleichen Sie mal die USA mit unseren Märkten und sehen Sie sich an, wie sich die Preise dort entwickelt haben - das ist auch ein Grund dafür, warum wir hier in Europa zurückgefallen sind", so Dirks. "Bei der Einführung des digitalen Mobilfunks waren wir noch weltweit führend. Bei 3G haben wir angefangen zu verlieren, bei 4G haben ganz klar Amerika und Asien gewonnen. Wenn wir bei 5G wieder an die Spitze kommen wollen, müssen wir andere Wege gehen als die, die wir in der Vergangenheit beschritten haben."

Dabei macht Dirks auch konkrete Vorschläge dazu, wie die Mobilfunknetze der Zukunft aussehen könnten: "Die Frage ist doch, ob für ein 5G-Netz in den Städten an jedem Laternenmast eine blaue, eine rote und eine magentafarbene Sendeanlage hängen muss - oder eher nur eine." Dafür seien wiederum andere Betreibermodelle erforderlich. Das bedeute ein Umdenken bei der Regulierung. In diese Richtung denke aber auch die EU-Kommission.

Der Chef des nach Kundenzahlen größten deutschen Mobilfunk-Netzbetreibers äußerte sich auch dazu, dass das Unternehmen umsatzschwächer als die Mitbewerber Telekom und Vodafone sei: "Wir haben die meisten Kunden, die ein Guthaben kaufen und das Handy aufladen. E-Plus hat vor etwa zwölf Jahren auf diese Kundschaft gesetzt - und die zahlt im Schnitt weniger als diejenigen, die einen Vertrag abschließen."

Spezielle Zielgruppen und treue Kunden

Unzufrieden ist Dirks nach eigenen Angaben mit der Situation aber nicht. So habe man spezielle Zielgruppen ansprechen können. Dadurch hätte Telefónica sehr treue Kunden. Zudem liege der durchschnittliche Umsatz eines Prepaidkunden bei monatlich 6 Euro. Die Konkurrenz komme nur auf etwa 4 Euro.

Nicht zuletzt äußerte sich Thorsten Dirks zum Thema Datenschutz. Durch die Auswertung und den Verkauf von Daten würden sich neue Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft ergeben. So würde Telefónica beispielsweise in Nürnberg Bewegungsdaten analysieren, um Verkehrsströme zu erkennen. Das helfe der Stadt, Stauprognosen zu erstellen, die Verkehrslenkung zu verbessern und den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu senken. Der Telefónia-Chef legt Wert darauf, dass die Daten generell anonymisiert werden. Dirks: "Ich kann daraus in keiner Weise Rückschlüsse auf einzelne Menschen ziehen."

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